Forscher: Das Coronavirus tarnt sich in unserem Körper

Coronaviru

Das Coronavirus schleust sein Erbgut offenbar unbemerkt in die menschlichen Zellen ein. Wissenschaftler aus Texas haben dies herausgefunden.

26.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Enzym nsp16 ermöglicht es Coronaviren, unbemerkt vom Immunsystem in den Körper einzudringen.

Das Enzym nsp16 ermöglicht es Coronaviren, unbemerkt vom Immunsystem in den Körper einzudringen. © picture alliance/dpa

Wissenschaftler der Universität Texas haben eine weitere wichtige Erkenntnis über das Coronavirus erlangt: Anscheinend dringt das Virus nämlich unbemerkt in den Körper des Menschen ein – und vervielfältigt sich dort ungehindert. Das gaben die Forscher in ihrer neuen Studie bekannt.

Enzym ermöglicht unbemerktes Eindringen in den Körper

Viren sind die Auslöser für viele Krankheiten. Zur Vermehrung schleust ein Virus sein Erbgut in Zellen von Lebewesen ein und nutzt deren Werkzeuge zur Herstellung neuer Viren. Weil Viren wenige eigene Angriffspunkte haben, ist es schwerer, sie mit Medikamenten zu bekämpfen. Ein weiteres Problem ist ihre hohe Wandlungsfähigkeit.

Die Forscher der Universität Texas haben nun die dreidimensionale Struktur eines Virusenzyms entschlüsselt: des Enzyms nsp16. Dieses Enzym ermöglicht es dem Virus, unbemerkt vom Immunsystem in den Körper einzudringen und sich so die Proteinfabrik der Zellen zunutze zu machen. Die Körperzellen bemerken nicht, dass es sich um das Virus handelt, denn das Enzym tarnt das Erbgut. Dadurch gelangt der genetische Bauplan des Virus in die Proteinfabriken der Körperzellen: Die Körperzelle vervielfältigt also den Erreger, ohne es zu merken.

Mit geeignetem Mittel Tarnvorgang verhindern

Diese Erkenntnisse könnten den Wissenschaftlern nun bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19 nützlich sein. Dafür versuchen sie im weiteren Verlauf, das Enzym nsp16 zu hemmen, sodass es das Viruserbgut nicht mit Tarnmaterial versehen kann. Ein mögliches Mittel dafür wäre den Forschern zufolge Adenosin. Adenosin wird als pharmazeutischer Wirkstoff vor allem gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Unter bestimmten Umständen wird es auch zur Blutdrucksenkung angewendet. Ob es das Enzym nsp16 aber tatsächlich blockieren kann, ist noch unklar und wird nun geprüft.