„Gefährliche Liebschaften“ mit einem schwarzem Grafen

Theater an der Ruhr Mülheim

Roberto Ciulli suchte in Mülheim neuen Zugang zu Heiner Müllers „Quartett“.

Mülheim

, 30.01.2018 / Lesedauer: 3 min
„Gefährliche Liebschaften“ mit einem schwarzem Grafen

Petra von der Beek und Jubril Sulaimon. Foto: Grittner

„Zeitraum: Salon vor der Französischen Revolution/Bunker nach dem dritten Weltkrieg“ verlangt Heiner Müller für sein Stück „Quartett“, das er 1980 nach dem 200 Jahre älteren, heute vor allem in Stephen Frears‘ Kino-Verfilmung bekannten Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ schuf.


Ein universaler Kampf


Roberto Ciulli löst die Spannung, den Zwiespalt in Müllers Orts- und Zeitangabe, am Mülheimer Theater an der Ruhr auf, indem er den Verführungs- und Vernichtungskampf zwischen den adligen Protagonisten, der Marquise de Merteuil und des Vicomte de Valmont, ins Universale weitet.

Das beginnt mit dem Bühnenraum, der nackt ist bis auf die Grundmauern, rechts den Blick auf die Fensterfront zum Park freigibt, und dessen Boden übersät ist mit Briefen, Texten und Notenblättern. Was ist nicht schon alles geschrieben und komponiert worden über den Liebeskrieg zwischen den Geschlechtern?


Liebe als kriegerische Auseinandersetzung zwischen Völkern


Und dann besetzt Ciulli die Rolle des Valmont mit dem Nigerianer Jubril Sulaimon, was den Horizont bis nach Afrika weiten und „Liebe auch als kriegerische Auseinandersetzung zwischen Völkern“ begreifbar machen soll, wie er im Programmheft schreibt.

Was aber nicht heißt, dass die Merteuil hier der verführerischen Wirkung eines wilden Fremden erliegen oder ein Valmont-Wüstling durch sein Verhalten Erinnerungen an die Silvesternacht 2015 in Köln wachrufen würde. Ciulli versucht nicht, Heiner Müller zu aktualisieren.


Zeitloses Spiel



Für ihn ist „Quartett“ ein zeitloses, stilisiertes Spiel. Petra von der Beek und Jubril Sulaimon agieren vornehm und entzerren Müllers komprimiert-kraftvollen, bildreichen Text, indem sie ihn durch Pausen gegliedert im hohen, klassischen Ton deklamieren. Wenn sie zum ersten Mal Rolle und Geschlecht tauschen, vollzieht Sulaimon eine Art magisches Ritual, bei dem er die Partnerin schwarz, sich selbst aber weiß schminkt.

Die Zuschauer verführt die Überhöhung durch Musik von Vivaldi bis Pärt und mit Maria Callas als verlassener Butterfly aus der Puccini-Oper. Ein Heiner Müller, fast zu schön, um wahr zu sein.

Termine: 3./18.2., 9./17./ 29.3.; Karten: Tel. (0208) 5990188.
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