Goldstrand statt Ballermann in Corona-Zeiten: “Ein Recht auf Party”

Coronavirus

Während am Ballermann auf Mallorca nach Party-Exzessen Bars und Kneipen schließen mussten, geht die Feierei am Goldstrand in Bulgarien weiter. Das hat Konsequenzen für die Fallzahlen vor Ort.

Varna

19.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei einem Auftritt von Almklausi im Partystadl am Goldstrand ging es wild zu (Archivbild).

Bei einem Auftritt von Almklausi im Partystadl am Goldstrand ging es wild zu (Archivbild). © picture alliance/dpa

Partystadl und Megapark: Was nach Party auf Mallorca klingt, ist auch Party am Goldstrand. Und in Bulgarien geht die Party weiter. Nachdem Partys am Ballermann in La Palma und an der Punta Ballena in Magaluf ausgeufert waren, hat die balearische Regierung die Läden an Bier- und Schinkenstraße sowie Punta Ballena dicht gemacht. Doch wer in Europa Sonne, Strand und Party sucht, wird weiterhin fündig: am Goldstrand in Bulgarien.

Im Partystadl von Steffi März treten regelmäßig Malle-Stars auf, etwa “Mama Lauda”-Sänger Almklausi oder Markus “der König vom Goldstrand” Becker, der einst mit “Das rote Pferd” einen Hit landete. Als vor wenigen Tagen Almklausi auf die Bühne trat, hielten sich viele Gäste offenbar nicht an Abstandsregeln und Social Distancing. Ein Video, das von der Disco auf Facebook geteilt wurde, ist nach reichlich Kritik inzwischen wieder verschwunden. Darauf zu sehen war der Auftritt von Almklausi, bei dem Song “Das ist die pure Lust am Leben” grölte das Publikum, teils Arm in Arm.

Partystadl-Chefin: “Es gibt für mich ein Recht auf Party”

Das ARD-Magazin “Kontraste” hatte am Donnerstag über die ausufernden Partys berichtet: Ob Schaumparty im Megapark oder Schlagerhits im Partystadl - von Corona will hier kaum jemand etwas wissen. Steffi März vom Partystadl sagte den Reportern: “Es gibt für mich ein Recht auf Party, auf jeden Fall, weil man sich nicht total abschotten sollte. Man sollte weiterhin unter Leute gehen, man sollte weiter das Leben genießen”, sagt sie in die Kamera.

“Keiner braucht Angst haben, unter Leute zu gehen, raus zu gehen, es wird alles desinfiziert”, wiegelt März das Risiko ab. Für Clubbesitzer Nikolai Velev von der Bonkers Disco ist die Regierung Schuld - denn da es keine Maskenpflicht gibt, könne er auch keine Gäste ohne Maske rauswerfen, gibt er gegenüber “Kontraste” an. Der Chef vom “Ballermann 6″ - in “Bulle”, nicht auf “Malle” -, Thomas Mario Kadrev, sagt gegenüber RTL: “Diese großen Partytempel sind Geschichte. Ich denke, dass sich Malle und Goldstrand mehr angleichen und bald auf einer Ebene sind.” Weniger Partytouristen auf Mallorca - die Alternative, der Goldstrand, könnte davon profitieren, glaubt er.

Ungehemmte Partys in Corona-Zeiten - Freiheit oder Risiko?

Auf Facebook freuen sich die einen über die ungehemmte Party - endlich wieder ohne Schutzmasken und Hysterie vor Ansteckungen zu feiern. Andere wiederum beschweren sich genau deshalb. Nicht nur, dass damit riskiert wird, dass Läden schließen müssen und Menschen ihre Jobs verlieren - auch das Risiko, das von den Urlaubern ausgeht, wenn sie aus solchen Gebieten wieder zurück in die Heimat kommen, wird thematisiert. Wie auch nach den Bildern vom Ballermann fordern daher einige eine vierzehntägige Quarantäne für Rückkehrer vom Goldstrand.

In Bulgarien ist die Anzahl der Infektionen mit dem Coronavirus jedenfalls stark gestiegen - seit dem 8. Juni werden vermehrt Fälle registriert. Inzwischen sind nachweislich 8144 Menschen mit dem Virus infiziert. 20 Prozent aller Infektionen in dem Land wurden allerdings in der vergangenen Woche festgestellt. Rekord war der 10. Juli mit 330 positiven Tests. Ob das Konsequenzen hat, ist allerdings noch nicht klar.

RND/msk

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