Grippeschutzimpfung: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Impfung

In der kalten Jahreszeit erkranken viele an Influenzaviren, die die „echte“ Grippe verursachen. Die stärkste Waffe dagegen ist eine Impfung. Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

von Laura Beigel

, 02.10.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min
Besonders im Herbst und Winter erkranken viele Menschen an Influenzaviren, die die „echte“ Grippe verursachen. Die stärkste Waffe dagegen ist die Grippeschutzimpfung.

Besonders im Herbst und Winter erkranken viele Menschen an Influenzaviren, die die „echte“ Grippe verursachen. Die stärkste Waffe dagegen ist die Grippeschutzimpfung. © picture alliance/dpa

Schnupfen, Husten, Fieber – diese Symptome müssen in derzeit nicht ausschließlich auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 hindeuten. Denn in den kalten Monaten haben bekanntlich auch die Influenzaviren Hochsaison.

„Die Grippeschutzimpfung ist die wichtigste Präventionsmaßnahme gegen diese Infektionskrankheit“, sagt Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Mit der Kampagne „Wir kommen der Grippe zuvor“ will die Behörde auf die Bedeutung der Impfung aufmerksam machen. Doch wer sollte sich gegen Influenza impfen lassen? Und wie wirksam ist der Impfschutz? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Grippeschutzimpfung:

Wie zeichnet sich eine Grippe aus?

Die Grippe ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren – genauer gesagt Influenzaviren – verursacht wird. Häufig auftretende Symptome sind hohes Fieber, schwere Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten sowie Halsschmerzen. „Bei einem unkomplizierten Verlauf halten die Beschwerden etwa fünf bis sieben Tage an“, heißt es von der BZgA. Der Krankheitsverlauf und die Stärke der Symptome können jedoch stark variieren.

Wann tritt die nächste Grippewelle in Deutschland auf?

Dazu lassen sich keine genauen Vorhersagen treffen. Die vergangene Grippewelle in der Saison 2019/20 hatte nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in der zweiten Kalenderwoche (6.-12. Januar 2020) begonnen, war mit elf Wochen allerdings kürzer als in den vorherigen fünf Saisons. In der Saison 2020/21 ist es möglich, dass die Grippewelle erneut im Januar beginnt, sie kann aber auch früher oder später einsetzen.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Grippeschutzimpfung in der Saison 2020/21 allen Bevölkerungsgruppen, „die ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe einer Influenza haben“, heißt es in einer Stellungnahme von Anfang August, die im Epidemiologischen Bulletin (32/33 2020) veröffentlicht wurde. Zu diesen Risikogruppen zählen:

  • alle Personen ab 60 Jahren,
  • Schwangere ab dem vierten Schwangerschaftsmonat (sind chronische Grunderkrankungen bekannt, dann bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel),
  • Personen mit chronischen Grunderkrankungen wie Herz- und Kreislaufkrankheiten, Diabetes oder Leber- und Nierenerkrankungen,
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
  • medizinisches Personal und Personal in Pflegeeinrichtungen,
  • Kontaktpersonen von Risikopatienten,
  • Personen in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr (zum Beispiel Personal in öffentlichen Verkehrsmitteln),
  • Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln.

„Gerade im Rahmen der Covid-19-Pandemie ist eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen essentiell, um in der Grippewelle schwere Influenza-Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern, unter anderem bei Intensivbetten, Beatmungsplätzen, zu vermeiden“, teilt das RKI auf seiner Internetseite mit.

Wer darf nicht gegen Grippe geimpft werden?

Bei Impfungen ist es generell ratsam, frei von fieberhaften Infekten zu sein, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten. Wer allergisch auf Bestandteile des Impfstoffes reagiert, zum Beispiel Hühnereiweiße, sollte seinen Arzt beziehungsweise seine Ärztin darüber informieren.

Sollten sich auch Kinder gegen Grippe impfen lassen?

Grundsätzlich empfiehlt die Stiko Kindern eine Grippeschutzimpfung nur, wenn diese unter chronischen Grunderkrankungen leiden. Einige Pädiater hatten sich in den vergangenen Wochen trotzdem dafür ausgesprochen, auch gesunde Kinder in Corona-Zeiten gegen Influenzaviren impfen zu lassen.

„Das ist sicherlich zum einen eine gute Idee“, hatte Sandra Ciesek, Virologin am Universitätsklinikum Frankfurt, Anfang September im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ gesagt. „Zum anderen muss aber der Impfstoff dafür reichen, weil gerade kleine Kinder beim ersten Mal sogar zweimal geimpft werden müssen. Die werden in der Regel nach vier Wochen noch einmal geimpft.“

Eine Impfung bei gesunden Menschen – auch unter 60 Jahren – kann zwar in Einzelfällen sinnvoll sein, so die BZgA. Am besten sollte das aber mit den behandelnden Ärzten vorher besprochen werden.

Wie viele Impfstoffdosen stehen in Deutschland zur Verfügung?

Die Stiko rechnet damit, dass in der Saison 2020/21 rund 25 Millionen Dosen Influenzaimpfstoff verfügbar sind. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts wurden in der 39. Kalenderwoche (21.-27. September 2020) rund 18,1 Millionen Impfstoffdosen freigegeben. In der 32. Kalenderwoche (3.-9. August 2020) waren es noch rund 1,5 Millionen Dosen gewesen.

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Wie oft sollte man sich impfen lassen?

Gegen Grippe sollte man sich jedes Jahr impfen lassen – so lautet die Empfehlung der STIKO. Grund dafür ist die hohe Wandlungsfähigkeit der Influenzaviren. Von Jahr zu Jahr, aber auch innerhalb einer Saison, können unterschiedliche Varianten der Erreger auftreten, gegen die vorherige Impfstoffe unter Umständen wirkungslos sind. Es reicht dabei allerdings aus, wenn sich Risikopatienten einmal in der Saison gegen Grippe impfen lassen.

Wo kann man sich impfen lassen?

Eine Grippeschutzimpfung kann von allen Ärzten durchgeführt werden. Anlaufstellen sind in erster Linie vor allem allgemeinmedizinische, internistische, kinder- und frauenärztliche Praxen.

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Wer trägt die Kosten für eine Grippeschutzimpfung?

Die Kosten einer Grippeschutzimpfung übernehmen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen für alle Versicherten, für die die Impfung empfohlen ist. Auch Privatpatienten müssen die Kosten nicht selbst tragen.

Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?

Wer sich gegen Grippe impfen lässt, ist danach nicht automatisch geschützt. Es dauert zwischen zehn und 14 Tage, bis ein ausreichender Impfschutz aufgebaut ist. Empfohlen wird eine Grippeschutzimpfung im Oktober oder November. Sollte die Impfung in diesen Monaten versäumt werden, könne diese noch im späteren Verlauf der Influenzasaison nachgeholt werden, schreibt die Stiko in ihrer Stellungnahme.

Wie lange hält der Impfschutz?

Die Dauer der Immunität wird auf sechs bis zwölf Monate geschätzt, heißt es vom RKI. Deshalb wird innerhalb einer Saison keine Auffrischimpfung benötigt. Studien hätten zudem gezeigt, „dass wiederholte Impfungen besser vor schweren Verläufen schützen können“.

Wie wirksam ist die Grippeschutzimpfung?

Die Schutzwirkung liegt bei Erwachsenen nach Angaben der BZgA zwischen 59 und 67 Prozent, bei Kindern und Jugendliche sogar zwischen 59 und 75 Prozent. Ältere Erwachsene sprechen in der Regel weniger auf die Impfung an: Bei ihnen beträgt die Wirksamkeit zwischen 41 und 63 Prozent.

Die Wirksamkeit der Grippeschutzimpfung hängt unter anderem davon ab, inwiefern die im Impfstoff enthaltenen Virusvarianten mit den tatsächlich auftretenden übereinstimmen. Aber auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle.

Schützt die Grippeimpfung auch gegen das Coronavirus?

Nein. Wer sich gegen Grippe impfen lässt, baut dadurch keinen Impfschutz vor dem Coronavirus Sars-CoV-2 auf. „Eine Grippeschutzimpfung kann lediglich das Risiko einer Grippeerkrankung senken“, schreibt das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite.

Wie sicher ist die Grippeschutzimpfung? Welche Nebenwirkungen können auftreten?

„Die Impfung ist gut verträglich“, schreibt das RKI in einem Fact-Sheet zur Influenza-Impfung. Schwere und irreversible Nebenwirkungen seien sehr selten. Es könne jedoch – wie bei anderen Impfungen auch – vorübergehend zu leichten Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle kommen.

Das RKI betont zudem, dass es nicht möglich sei, mit Totimpfstoffen wie der Influenza-Impfung Infektionen auszulösen. Sprich, die Grippeimpfung verursache keine Grippe.

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