Grün- und Blauverbot: Tätowierer aus Weseke ist sauer über EU-Pläne

hzTattoo-Farben

Jörg Ullrich betreibt seit vielen Jahren ein Tattoo-Studio in Weseke. Den Vorstoß der EU-Kommision, blaue und grüne Tattoo-Farben möglicherweise zu verbieten, kann er nicht nachvollziehen.

von Gabi Kowalczik

Weseke

, 24.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gibt es Tätowierungen bald nur noch mit schwarzer Farbe? Wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, könnte die Körperkunst zumindest demnächst ohne die Farbtöne „Blue 15“ und „Green 7“ auskommen müssen.

Vertreter der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) schätzen die Pigmente als möglicherweise gesundheitsschädlich, zumindest aber bedenklich ein und fordern ein Verbot. Fans von Tätowierungen und Tätowierer laufen Sturm gegen die Pläne. Auch Jörg Ullrich, Inhaber des Weseker Studios „Pirate‘s Art of Tattoos“, ist sauer.

Hautärztin schätzt Tattoos als unbedenklich ein

„Für uns würde ein solches Verbot wahrscheinlich wirklich bedeuten, dass wir nur noch schwarz tätowieren können – zumindest erst einmal“, sagt er. Bunte Motive würden ohne die Blau- und Grüntöne eben kaum bis gar nicht auskommen.

Allzu viele Gedanken macht Ullrich sich um dieses Szenario allerdings derzeit nicht. Denn dass Tattoo-Fans auf Dauer auf die umstrittenen Farben verzichten müssen, glaubt der erfahrene Tätowierer nicht.

Hier geht es zum Video der Borkener Zeitung:


„Irgendjemand zaubert dann bestimmt neue Farben hervor, die unbedenklich sein sollen.“ In der Konsequenz könnten Tattoos, die erst einmal nur mit schwarzer Farbe gestochen wurden, dann im Nachhinein ergänzt werden.

Tätowierer weist auf Kontrollen hin

Nachvollziehbar ist die Diskussion um eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Tattoo-Farben für Jörg Ullrich trotzdem nicht. „In Deutschland werden Farben so gewissenhaft kontrolliert“, beteuert der Tätowierer. „Da kann nichts dran sein.“

Auch die Borkener Hautärztin Dr. Mariia Luchian schätzt Tätowierungen „nach aktuellem Stand der Forschung“ als unbedenklich ein. Beim Stechen könne es zwar zu Infekten oder toxischen Wirkungen kommen. Allergische Reaktionen – insbesondere auf rote Farbpigmente – seien ihr auch bekannt, Gefahren speziell durch blaue und grüne Farben aber nicht.

In ihrer Praxis entfernt die Dermatologin regelmäßig nicht mehr erwünschte Tattoos. Dabei werden die Farbpigmente durch hohe Temperaturen in kleinste Einzelteile zerlegt und dann vom Körper über das Lymphsystem abtransportiert.

Ob diese Kleinstbestandteile der Pigmente möglicherweise krebserregend oder anderweitig gefährlich sind, sei derzeit noch Gegenstand der Forschung, sagt Mariia Luchian.

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Was genau also hinter der aktuellen Überlegung stecke, grüne und blaue Farbpigmente zu verbieten, wisse er nicht, sagt Tätowierer Ullrich weiter. Für ihn steht aber fest: „Um gesundheitliche Bedenken geht es dabei nicht. Da muss es ein wirtschaftliches Interesse geben.“

Die Tattooszene sei längst nicht mehr nur für Seefahrer und Rocker interessant, sondern „Mainstream“ geworden. „Da lässt sich viel Geld verdienen.“

Viele haben Online-Petition unterschrieben

Die Gefahr eines möglichen Verbots sieht Ullrich darin, dass sich „schwarze Schafe“ unter den Tätowierern alternative blaue und grüne Farben im Internet besorgen könnten, die dann eben nicht kontrolliert würden und deren Inhaltsstoffe fragwürdig sein könnten.

In seinem Tattoo-Studio wird Jörg Ullrich in diesen Tagen immer wieder auf das drohende Verbot angesprochen. Viele seiner Kunden haben bereits eine Online-Petition dagegen unterschrieben.

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