Gute Zahlen, viele Fragen: So verlief die JHV des VfL Bochum

Kritik an der Vereinsspitze

Die Frühungscrew des VfL Bochum genießt weiterhin das Vertrauen der Mitglieder. Das ist die entscheidende Erkenntnis nach der JHV am Mittwochabend. Trotzdem gab es Kritik.

Bochum

, 26.09.2019, 00:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gute Zahlen, viele Fragen: So verlief die JHV des VfL Bochum

Hans-Peter Villis (im Vordergrund) auf der Jahreshauptversammlung. © P. Rentsch

Der enttäuschende Saisonstart überstrahlt beim VfL Bochum derzeit fast alles – doch für eine unruhige Jahreshauptversammlung am Mittwochabend hat der vorletzte Tabellenplatz nicht gesorgt. Hans-Peter Villis, Vorsitzender des Präsidiums, musste sich nur wenigen Nachfragen stellen. Die Verantwortlichen wurden am Ende mit großer Mehrheit für das zurückliegende Geschäftsjahr entlastet, die allermeisten der 1.027 Anwesenden im Bochumer RuhrCongress haben dafür gestimmt. Der Gegenwind, der im Vorfeld von einigen Fans und den Ultras angekündigt wurde, blieb somit aus.

Spieleretat steigt

Das lag sicher auch an den soliden Geschäftszahlen, die Ilja Kaenzig als Sprecher der Vereinsführung zuvor präsentierte. Demnach hat der VfL zwischen Juli 2018 und Juni 2019 einen Überschuss von 833.000 Euro erzielt. Das positive Eigenkapital ist somit auf 2,8 Millionen Euro gestiegen. Dies geht vor allem auf unerwartete Transfereinahmen zurück. Für die laufende Saison plant der VfL mit einem deutlich geringeren Überschuss von rund 100.000 Euro. Transfererlöse gibt es zunächst keine, dafür erhält der Revierklub knapp eine Million Euro mehr aus dem TV-Topf, also etwa 15 Millionen Euro. Insgesamt sollen die Einnahmen um knapp 450.000 Euro auf etwas mehr als 34,5 Millionen Euro steigen.

Die um fast 1,2 Millionen Euro höheren Aufwendungen in der laufenden Saison kommen fast vollständig dem Lizenzspieleretat zugute, der von 10,67 auf 11,9 Millionen Euro ansteigt. Der VfL hat in diesem Sommer auch in Ablösesummen investiert – für Silvere Ganvoula, Saulo Decarli und Danny Blum. Dass sich dies noch nicht in der sportlichen Bilanz niederschlägt, war natürlich das bestimmende Gesprächsthema bei der Aussprache. Zu Beginn der zahlreichen Wortbeiträge setzte sich ein Anhänger dafür ein, dass die Mannschaft entgegen der geübten Praxis bis zum Ende der Versammlung bleibe müsse. Weil die Zustimmung aus dem Plenum groß genug war, durften die Spieler noch nicht gehen.

Kritik an Schindzielorz

Nach dieser emotionalen Eröffnung der Aussprache folgte sachliche Kritik, die sich vor allem auf den sportlichen Bereich bezog. Manager Sebastian Schindzielorz musste sich somit vielen Fragen stellen, auf die der Ex-Profi dann auch Punkt für Punkt einging. Zum Hauptthema entwickelte sich die Entscheidung, Kapitän Stefano Celozzi und Tim Hoogland im Frühsommer auszumustern. Mehrere Fans hakten nach, und Schindzielorz erklärte die Beweggründe. Die Mannschaft der Vorsaison war über ihrem Zenit, ihr fehlte, das machte Schindzielorz deutlich, am Ende das Feuer. Auf dieser Basis erfolgte die umstrittene Entscheidung, dem Duo einen Wechsel nahezulegen.

Auch standen die Transferpolitik der vergangenen Monate und die kurze Saisonvorbereitung in der Kritik. Durch mehrere Wortmeldungen kam zudem das Thema Scouting auf den Tisch, das zuletzt viele Anhänger beschäftigt hat. Zwar habe man den Nachholbedarf erkannt, erklärte Schindzielorz, doch wirtschaftlich würden die Mittel fehlen, um das bereits erarbeitete Konzept auch umzusetzen. Den Mitgliedern genügte diese Auskunft. Nach drei Stunden, und sogar einige Minuten früher als im Vorjahr, war die Versammlung schließlich vorbei. Und die Mannschaft durfte dann auch endlich gehen.

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