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50 SMS gingen in den Kosovo

HALTERN Die Freude im Kosovo ist nach der Unabhängigkeitserklärung groß. Doch nicht nur dort, auch in Haltern feierten die Menschen, dass ihre Heimat diesen Schritt gewagt hat.

von Von Daniel Maiß

, 18.02.2008
50 SMS gingen in den Kosovo

Ahmed Ibrahimi (l.) und Faton Binaku feiertenausgiebig die Unabhängigkeit des Kosovo.

„Das war immer ein großer Traum, jetzt ist er wirklich wahr geworden.“ Fassen kann es Faton Binaku immer noch nicht, dass sein Kosovo am Wochenende die Unabhängigkeit erklärt hat. Der 31-Jährige lebt seit 1992 in Haltern, den Sonntag erlebte er zusammen mit kosovarischen Freunden. Gebannt verfolgten sie die Berichterstattung im Fernsehen. Dann wurde gefeiert. In der Kosovo-Hauptstadt Pristina dauerten die Feierlichkeiten bis in die Morgenstunden. Zehntausende Menschen hatten sich zusammengefunden, darunter auch Binakus Familie.

 „Ich habe mehrfach telefoniert, habe mehr als 50 SMS an Freunde im Kosovo geschickt. Alle sind überglücklich.“ Jetzt überlegt er, in sein Heimatland zurück zu kehren. „Wenn es dort wirtschaftlich bergauf geht, werde ich den Schritt wagen.“ Was er in Deutschland erlebt hat, wird er aber nie vergessen. „Alle Kosovo-Albaner, die in Haltern leben, sind dankbar. Wir wurden toll aufgenommen, gerade die Familie Plattschulte hat sich aufopferungsvoll um uns gekümmert.“ Zwei Freunde, mit denen Binaku gestern in Haltern feierte, sind Besim Thaqi und Ahmed Ibrahimi. Auch für sie war es ein Freudentag. „Ich habe ganz viel telefoniert, es ist ein tolles Gefühl“, ist Thaqi überglücklich.

Besuch ist geplant

Er lebt mit seiner deutschen Frau und vier Kindern in Haltern und will auch hier bleiben. Ein Besuch des Kosovo in den kommenden Wochen ist aber fest eingeplant. „Ich hoffe, dass die anderen Staaten uns anerkennen“, so der 40-Jährige, der seit 18 Jahren in Haltern lebt. Zwei Monate lang war er 1999 nach dem Krieg in seinem Heimatland. Auf dem Weg in seine Geburtsstadt Pec hat er viel gesehen. „Die Bilder versuche ich seit damals zu vergessen, nach vorne zu schauen“, hat Taqi die Grauen des Krieges hautnah miterlebt. Es sei genug Blut vergossen worden. Der 40-Jährige hofft, dass es ruhig bleibt.

Nach vorne schauen

Auch Ibrahimi stand immer in Kontakt zu seiner Familie in Podujeva. „Mit Herz und Seele war ich bei ihnen. Wir müssen jetzt nach vorne schauen, vergessen, was war“, erklärt der 39-Jährige. „Es ist ein neues Land, ein neues Leben und so auch hoffentlich eine neue Zukunft“, hofft Taqui inständig, dass nun Ruhe in die Region einkehrt.

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