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"Kindergärten begreifen sich nicht als Bildungseinrichtung"

HALTERN Im Bereich der Bildung geht es Deutschland ziemlich schlecht. Ein Tenor, der spätestens seit Pisa in regelmäßigen Abständen die Medien beherrscht. Auch Jutta Haug, Abgeordnete des EU-Parlaments, vermochte am Donnerstagabend keine neuen Töne anzustimmen.

von Von Leonid Sirotin

, 29.02.2008
"Kindergärten begreifen sich nicht als Bildungseinrichtung"

Jurra Haug war zu Gast im Seehof.

Die Finnen machen vieles richtig, die Deutschen vieles falsch – so das einhellige Stimmungsbild im Seehof. SPD-Stadtverband sowie der Kreisverband der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) hatten die Europa-Abgeordnete Haug eingeladen, um das Thema Bildung aus einer gesamteuropäischen Perspektive zu beleuchten.

Brigitte Puschadel, ASF-Kreisvorsitzende, lieferte bereits in ihrer Einleitungsrede einen der markantesten Sätze des Abends: „Bildung kostet. Aber nicht zu bilden, kostet noch mehr.“ Haug umriss zunächst das finnische Schulsystem, das sie mit dem deutschen kontrastierte. Individualisierte Förderung ab der Vorschule, bis zur Klasse 6 keine Ziffernnoten und Unterricht bei demselben Lehrer, stärkerer Einsatz von Computern und bis zu fünf Fremdsprachen, die die Schüler in der Schulzeit lernen.

Herkunft entscheidet

Finanzielle Aufschläge zur Förderung benachteiligter Schüler – in diesem Punkt seien die Schweden den Deutschen voraus. Schon früh lege das deutsche System seinem Nachwuchs Steine in den Weg, weil die Kindergärten sich nicht als Bildungseinrichtung begreifen wollen. Noch dazu sei die Ausstattung mit Kindergartenplätzen fast nirgendwo in Europa schlechter. Das vielleicht gravierendste Problem in Deutschland sei aber, dass oft die soziale Herkunft den schulischen Weg vorzeichne. Den Akademiker aus der Arbeiterfamilie gebe es hierzulande eher selten.

Zwei Punkte lagen Haug besonders am Herzen. Weg von Hauptschule und Gymnasium, stattdessen eine Schule für alle – und das auch nachmittags. „Wir müssen endlich runterkommen von der Ideologie der Halbtagsschule.“ Auch hier seien die meisten europäischen Staaten einen Schritt weiter. Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Kritisiert wurde die föderalistische Struktur des Bildungssystems. „In einem Land mit 16 verschiedenen Schulsystemen sind Reformen schwer zu machen“, so ein Gast.

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