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Phantom-Haltestelle für Senioren

HALTERN Die Linie 271 hat schon für viel Unruhe, Ärger und Protest gesorgt. Jetzt bildet sie einen Ort, an dem Demenzkranke Halt finden. Mit ihrer fiktiven Haltestelle „Im Sundern“ erhält Haltern die erste Phantom-Haltestelle.

von Von Elke Rüdiger

, 07.02.2008

Groß war die Freude bei Julia Tuschmann, Heimleitung des ASB-Seniorenzentrums Kahrstege: Innerhalb der nächsten sechs Wochen erhält die Einrichtung eine „Demenz-Haltestelle“.

Unsere Zeitung erfuhr über Umwege vom „heimlichen Wunsch“ der Heimleiterin und setzte sich mit dem Pressesprecher der Vestischen Straßenbahnen in Verbindung: „Wir helfen dabei doch immer gerne!“, begrüßte Pressesprecher Norbert Konegen das Orientierungsprojekt der Einrichtung und versprach eine schnelle Umsetzung. Das einzige Problem bei solchen Vorhaben sei der Name der „Haltestelle“. Doch auch das ist bereits geklärt, denn im Oktober hatte der Seniorenbeirat nach Rücksprache mit der Heimleitung die Initiative ergriffen. Sprecher Georg Westerworth setzte sein Wissen gleich in die Tat um, stellte bei der Vestischen einen entsprechenden Antrag.

Im Stundentakt

An der neuen Haltestelle „Im Sundern“ verkehren die Busse der Linie 271. Auf ihrem Weg vom Bahnhof zum Sundern stoppen die Fahrzeuge werktags in der Zeit von 9 bis 17 Uhr im Stundentakt, wie die echte Linie. Außer an Ostern, Weihnachten und zum Jahreswechsel. So steht es zumindest auf dem Schild neben der Wartebank. Tatsächlich wird hier nie ein Busfahrer vorbeischauen – „Im Sundern“ ist eine „Phantom-Haltestelle“ im Foyer des Seniorenzentrums. Das ist keine Spielerei, erklärt Julia Tuschmann. „Für die Demenzkranken ist die Haltestelle kein Punkt, den sie möglichst rasch verlassen wollen, sondern ein Ort, an dem sie Halt bekommen.“

Demenz ist eine nicht heilbare Erkrankung des Gehirns, bei der die kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen kontinuierlich abnehmen. „Dabei verschwindet das Kurzzeitgedächtnis, die Erinnerung an das, was gestern oder vorgestern war, als erstes“, erläutert Heimleiterin Julia Tuschmann. Das Langzeitgedächtnis, die Erinnerung an frühere Gewohnheiten oder Pflichten, bleibt am längsten erhalten. Demenzkranke leben in einer ganz eigenen Welt, in der Vergangenheit.

Vertraute Situationen

Hier setzt die „Phantom-Haltestelle“ an: Sie soll die Demenzkranken an vertraute Situationen erinnern. Vertrautes beruhigt. Demenzkranke seien oft Getriebene, die heute in „unpassender“ Umgebung bekannte Aufgaben aus der Vergangenheit erfüllen wollen. Wenn sie mit Bekanntem konfrontiert werden, entweicht der seelische Druck, dann leben sie auf, dann fühlen sie sich wohl.

Bis Ostern, so lautet der Zeitplan, soll die Haltestelle installiert sein. Sie bietet einen Orientierungspunkt für an Demenz erkrankte Menschen.

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