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Streit um Test-Bohrungen der Quarzwerke

Sande in Haltern

Das Werk Haltern ist eines der bedeutendsten und leistungsfähigsten Quarzsandwerke Europas. Gießereien und Glasindustrie werden beliefert. Mit Bohrungen will das Werk erkunden, wie groß die Vorräte noch sind. Aber es gibt Streit.

SYTHEN

, 13.04.2017
Streit um Test-Bohrungen der Quarzwerke

Die Silberseen entstanden durch den Sandabbau.

Die Quarzwerke möchten glasklar in die Zukunft blicken. Aber der Naturschutzbeirat Kreis Recklinghausen hat sich gegen Erkundungsbohrungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lavesum ausgesprochen. CDU und FDP ärgern sich darüber.

Die Quarzwerke beantragten elf Kernbohrungen, jeweils 50 Meter tief, um nach weiteren Sandvorkommen zu suchen. Der Vorrat reicht aktuell für einen Abbau in den nächsten 30 Jahren. Aber was ist danach? Die Stadt Haltern hatte in einer Stellungnahme Zustimmung signalisiert, wenn es zu den Bohrungen einen landschaftspflegerischen Begleitplan gibt. Der Kreis stimmte zu, der Naturschutzbeirat (früher Landschaftsbeirat) jedoch verweigerte die Zustimmung. Aus seiner Sicht sind die Bohrungen nur der erste Schritt, um Erkenntnisse für Kaufverhandlungen eines privaten Investors mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Besitzer des Übungsplatzes) liefern zu können und letztlich wertvolle Sande in sensiblen Bereichen zu fördern.

Entmachtung

Die Kreisverbände von CDU und FDP statteten den Quarzwerken in Sythen jetzt einen Besuch ab. Josef Hovenjürgen (CDU) positionierte sich klar. "80 Prozent der in Deutschland benötigten Sande kommen aus Haltern, ein so bedeutsames Unternehmen braucht eine langfristige Perspektive", betonte er auf Nachfrage der Halterner Zeitung. Dass der Naturschutzbeirat die Bohrungen blockieren kann, weil sein Mitspracherecht mit der Verabschiedung des neuen Naturschutzgesetzes gestärkt wurde, ärgert Hovenjürgen besonders: "Die Entmachtung der politischen Entscheidungsträger ist ein Putsch gegen kommunale Selbstverwaltung."

Die FDP äußerte sich nach dem Besuch in Sythen ähnlich. Fraktionsvorsitzende Christine Dohmann und Christian Leson schreiben in einer Stellungnahme: "Der Naturschutzbeirat sagt nein zu den Bohrungen, weil die ausführende Firma mit einem motorisierten Fahrzeug in das Naturschutzgebiet fahren müsste. Den Erkundungen von Bodenschätzen steht man feindlich gegenüber. Das ist ein Skandal!" Am 10. Mai tagt der Umweltausschuss des Kreises. "Er muss entscheiden, ob der Widerspruch des Beirates berechtigt ist", erklärte Svenja Küchmeister von der Pressestelle des Kreises. Ist er das, muss der Kreis seine Zustimmung zu den Bohrungen zurücknehmen. Wenn nicht, trifft die Bezirksregierung Münster die Entscheidung.

Bedeutender Standort in Europa

Der Standort Haltern der Quarzwerke ist einer der bedeutendsten Europas, der die Glasindustrie und über 400 Gießereien in Deutschland mit Halterner Sanden beliefert. Die Kunden produzieren unter anderem Motorenguss für die Autoindustrie und Gussprodukte für Windräder, Schiffe oder Schienenverkehr.

"Pro Jahr werden rund zwei Millionen Tonnen hochreine Quarzsande gewonnen", nennt Britta Franzheim (Unternehmenskommunikation) die Leistungsfähigkeit. 76 Mitarbeiter und vier Auszubildende sind am Halterner Standort tätig.

Der Naturschutzbeirat (vorher Landschaftsbeirat) ist ein beim Fachdienst Umwelt, Kreis Recklinghausen, angesiedeltes Gremium zur unabhängigen Vertretung der Belange von Natur und Landschaft.
Gesetzlich vorgesehen ist seine Mitwirkung z.B. bei Ausweisungen von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten, bei Aufstellung der Landschaftspläne oder bei landschaftsrechtlichen Befreiungen.
Das Gremium besteht aus 16 Mitgliedern und setzt sich aus Vertretern der Natur- und Umweltschutzverbände sowie der Landwirtschaft, Jagd, Fischerei, Waldbauern, Imker, des Gartenbaus und des Sports zusammen.

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