Hanau-Attentäter soll zwei Menschen in Autos erschossen haben

Anschlag in Hanau

Bislang hieß es, der mutmaßliche Täter von Hanau habe seine Opfer in Bars erschossen. Doch offenbar tötete er einige Menschen auch in Autos. Zudem rückt der Vater von Tobias R. ins Visier.

Hanau

22.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Nähe des Tatortes am Heumarkt wurden Blumensträuße niedergelegt. Offenbar wurden aber auch Menschen in Autos erschossen.

In der Nähe des Tatortes am Heumarkt wurden Blumensträuße niedergelegt. Offenbar wurden aber auch Menschen in Autos erschossen. © picture alliance/dpa

Zum Terroranschlag von Hanau werden immer mehr Details bekannt. Offenbar besuchte der mutmaßliche Todesschütze nur wenige Tage vor seinem Angriff auf Shisha-Bars und einen Kiosk einen der Tatorte, an denen er später mehrere Menschen erschoss. Das erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Ermittlerkreisen.

So soll eine Überwachungskamera einen Mann in grüner Jacke und dunkler Mütze in einer der Shisha-Bars zeigen, in denen der mutmaßliche Täter Tobias R. später mehrere Menschen erschoss. Ein Bild der Szene kursiert mittlerweile im Internet. Die Person, die auf dem Video zu sehen ist, soll ähnlich gekleidet sein wie Tobias R. in einem der Videos, die er auf seiner Homepage veröffentlichte. Auch das Gesicht der Person in der Aufnahme sei dem des Tatverdächtigen sehr ähnlich.

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Die türkische Agentur Andalu schreibt, es würde sich um Tobias R. handeln. Das Video stamme aus der Arena Bar in Hanau, wo Tobias R. am Abend des 19. Februars mutmaßlich drei Menschen erschoss. Tobias R. soll nur wenige hundert Meter von der Bar entfernt gewohnt haben. Später starben bei dem Anschlag noch sechs weitere Opfer sowie die Mutter des Tatverdächtigen. Letzterer beging anschließend Selbstmord.

Während der Terrorfahrt durch Hanau soll Tobias R. zwei seiner Opfer in ihren Autos erschossen haben. Das sagten Behördenvertreter am Freitag in einer Telefonkonferenz Mitgliedern des Innenausschusses des Bundestages, wie mehrere Teilnehmer der Konferenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) übereinstimmend berichteten. Nicht beantwortet worden sei hingegen die Frage, wann am Mittwochabend der erste Notruf bei der Polizei eingegangen sei und wie lange es gedauert habe, bis erste Einsatzkräfte vor Ort gewesen seien.

Tobias R. soll auch in München in einem Schützenverein gewesen sein

Wie die Abgeordneten laut Teilnehmern der Besprechung erfuhren, hatte der Attentäter bis 2018 in München zur Untermiete gewohnt. Auch dort soll er in einem Schützenverein Mitglied gewesen sein. Den Abgeordneten wurde den Angaben zufolge weiter mitgeteilt, Tobias R. sei zuletzt arbeitslos gewesen, habe wenig soziale Kontakte gehabt und bei seinen Eltern gewohnt. Dort sollen zwei Schusswaffen gefunden worden sein, eine Sig Sauer und eine Walther-Kleinkaliberwaffe.

Als möglicher Mitwisser der Tat soll der Vater des mutmaßlichen Schützen in den Fokus rücken. Das berichtete die „Bild“. Die Ermittler sollen den 72-Jährigen als Beschuldigten führen, obwohl sie nicht davon ausgehen, dass Hans-Gerd R. direkt an den Morden beteiligt war.

Vater von Tobias R. rückt in den Fokus

Es werde jedoch geprüft, ob der Vater „tatbegünstigend“ gewirkt haben soll. Der 72-Jährige soll wegen falscher Verdächtigung, übler Nachrede, Falschaussage und Erpressung polizeibekannt sein. Ein früherer Freund von Tobias R. habe berichtet, dass er dem Sohn zu Schulzeiten verboten habe, sich mit Migranten anzufreunden.

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