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Aug in Aug mit dem Meister

Heek Die linke Hand, die gerade noch am schmalen Kopf ruhte, saust unversehens nach unten: über die braunen, glänzenden Schultern hinweg fast bis zur Taille hinab, die grazil auf ausladenden Hüften ruht. Der Ringfinger landet - und augenblicklich erklingt ein hoher Ton, fast etwas schrill - und eine Männerstimme: "Nein, nein, so geht das nicht."

26.02.2008

Aug in Aug mit dem Meister

<p>Dialog zwischen zwei Celli - und zwischen Meister und Student: Prof. Michael Sanderling leitet den Meisterkurs Cello, der heute in der Landesmusikakademie endet. MLZ Fotos (2) Lüttich-Gür</p>

Michael Sanderling schüttelt seinen schwarz gelockten Kopf. "Alles ist besser als ein Kamikaze-Blindflug mit einem Stoßgebet auf den Lippen. Denn meistens hört einen der liebe Gott dann gerade nicht." Ob der blonde Student, der offenbar gerade eine Bruchlandung auf dem schwarzen Griffbrett seines Cellos hingelegt hat, gebetet hat? Zumindest hat er den Ton nicht ganz sauber getroffen, - und ihn dann auch noch zu stark betont - zumindest für Sanderlings Geschmack. Und dem mag man nicht widersprechen, denn der 40-Jährige gilt als Weltklassecellist, Dirigent mit nicht minder internationalem Ruhm - und als einer der zurzeit gefragtesten Cello-Lehrer überhaupt.

Das Dirigentenpult des Kammerorchesters Berlin, der Deutschen Streicherphilharmonie und der Kammerakademie Potsdam - seine aktuellen Wirkungsstätten - hat Sanderling von Sonntag bis einschließlich heute gegen einen Stuhl im Probenraum der Landesmusikakademie Nienborg eingetauscht. Dort leitet er - inzwischen zum zweiten Mal - einen Meisterkurs Cello.

"Bei einem Sprung über drei Oktaven brauchst du nicht noch zusätzlich zu akzentuieren", erklärt Sanderling seinem blonden Gegenüber, einem der acht Studenten, die aus der ganzen Bundesrepublik nach Nienborg gereist sind. Jetzt spannt sich der Meister und greift zu seinem eigenen Instrument, das gerade noch locker zwischen seinen Beinen döste. Die Linke tanzt, wie es Joseph Haydn im zweiten Satz seines Cello-Konzert D-Dur vorgegeben hat, erst am Kopf und setzt dann zum Sprung an - um mit einem singenden Ton sanft zu landen. Sanderling schmunzelt: "Der schießt nicht durch die Decke." sy-

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