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Schachmatt für Langeweile

Heek Zoe hat ihren blonden Kopf auf die Hand gestützt und blickt schweigend auf den Tisch. Nebenan lachen Kinder. Zwei Jungen rennen haarscharf an ihr vorbei - egal: Zoes Augen bleiben auf die 64 schwarz-weißen Karos vor ihr geheftet.

25.02.2008

Schachmatt für Langeweile

<p>Zoe und Miguel spielen gegeneinander Schach - und haben jede Menge Spaß miteinander. OGS-Leiterin Martina Kemper (stehend) und Schachlehrer Stefan Lösing freuen sich über die Fortschritte. Lüttich-Gür</p>

Plötzlich streckt die Sechsjährige zielsicher die linke Hand aus und schiebt einen Spielstein steil hoch über das ganze Spielfeld: weißer Turm auf a8 - an die Flanke des schwarzen Königs. Jetzt endlich blickt Zoe hoch und lächelt ihr Gegenüber herausfordernd an: Miguel aus der vierten Klasse.

Seit Ende der letzten Sommerferien spielen zwölf Mädchen und Jungen der Offenen Ganztagsschule einmal in der Woche Schach. Der Lehrer, der sie unterrichtet, ist selbst erst 15 Jahre alt: Stefan Lösing, zweiter Jugendwart des Schachclubs Heek. Über die Ergebnisse", die die Gruppe in nur etwas mehr als einem halben Jahr erzielt haben, freuen sich alle: "Es vergeht inzwischen kein Nachmittag, an dem nicht Schach gespielt wird", berichtet OGS-Leiterin Martina Kemper. Längst spielten die Schach-Kids nicht nur untereinander, sondern gäben ihr gerade erworbenes Wissen weiter an ihre Freunde. "Mensch ärgere Dich nicht ist doch langweilig dagegen, da geht es nur immer im Kreis herum", sagt Miguel, während er kurz entschlossenen seinen König aus der Gefahrenzone zieht. Da könne man immer nur auf einen glücklichen Wurf hoffen. "Hier muss man dagegen gut nachdenken."

Wie Zoe. Das Lächeln ist wieder verschwunden. Konzentriert wandern ihre blauen Augen über das Schlachtfeld, mustern die schon arg gelichteten Reihen ihrer Bauern, beobachtet das königliche Paar und lässt schließlich ihren Springer um die Ecke nach vorne galoppieren - direkt schräg vor die Füße des gegnerischen Läufers. Miguel zögert keinen Augenblick und kassiert den Schimmel. "Da hast du nicht aufgepasst", stellt Stefan Lösing fest und zeigt dem Mädchen, wie es besser gezogen hätte.

Ärger? Tränen? Oder gar durch die Luft wirbelnde Spielbretter? Fehlanzeige! Die OGS-Kinder lernen nicht nur zu gewinnen - mit Konzentration, räumlichem Vorstellungsvermögen und abstraktem Denken - , sondern auch verlieren.

Aber noch ist es nicht so weit. Zoe legt wieder ihr Kinn auf die Hand und schweigt - bis zum nächsten Zug. sy-

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