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Von Heek aus die Welt retten

Heek Der Himmel über dem Gewerbegebiet Heek-West ist strahlend blau. Edvardo Kami blinzelt in die warme Mittagssonne: "Das ist doch kein Zufall", stellt der 22-Jährige fest und schüttelt seinen schwarz gelockten Kopf: "Hier ist Frühling statt Winter, China versinkt im Regen und am Mittelmeer schneit es." Da stelle sich doch gar nicht die Frage, warum er vom Amazonas an die Dinkel gereist sei, um sich über regenerative Energie zu informieren.

22.02.2008

Von Heek aus die Welt retten

<p>Christian Grotholt (r.) hofft, das Edvardo Kami wieder nach Heek zurück kommt.</p>

Stellt sich nicht? Der junge Maschinenbauingenieur lächelt nachsichtig. "Deutschland ist international berühmt für seine Energiepolitik, die die Produktion erneuerbarer Energie unterstützt", erklärt er. Dass er sich also nach seinem Studium - "mein Forschungsschwerpunkt waren Blockheizkraftwerke" - nach Deutschland gewandt habe, stand schon lange fest. Per Internet habe er nach einem innovativen Marktführer gesucht - "und da stieß ich auf die Firma 2G in Heek".

Dass die Firma mit 60 Mitarbeitern vergleichsweise klein ist und ihren Sitz in einem Dorf hat, das fast 45 Mal kleiner ist als seine Heimatstadt Florianópolis, hat ihn nicht abgeschreckt. "Ich sehe die Vorteile", erklärt der junge Mann, während er aus der Sonne zurück in das weiße Firmengebäude geht - eigentlich nur wenige Schritte, aber weit genug, um gleich drei Bekannte zu treffen und Verabredungen zu treffen. Die Vorteile des Dorflebens eben. "In einer Metropole", sagt Kami und stemmt die Metalltür auf, "hätte ich nie so viel deutsch gesprochen". Einen anderen Brasilianer aber hat er auch in vier Monaten noch nicht in Heek getroffen, und portugiesisch sprächen ebenfalls nur die wenigsten.

Sprachen zu lernen - das fällt dem 22-Jährigen fast so leicht, wie Schaltpläne zu entwickeln: Neben seiner Muttersprache spricht er spanisch, englisch, französisch und etwas japanisch.

"Kami ist nun einmal äußerst talentiert", fasst sein Chef Christian Grotholt zusammen, der 1995 zusammen mit Ludger Gausling ("zwei Namen mit G, daher der Firmenname") das Unternehmen gegründet hat. Nicht nur bei der täglichen Arbeit sei der Brasilianer eine Bereicherung für sein Team, sondern auch auf Messen. Kurzum: "Wir würden uns alle freuen, wenn er noch länger bei uns bliebe", betont der 40-jährige Heeker.

Noch ist die Entscheidung offen. Fest steht nur, dass Kami Dienstag nach Hause fliegt. Dort erwartete ihn die offizielle Examensfeier - und ein Traumjob beim größten Energieversorger des riesigen Landes. Trotzdem: "Zu 60 Prozent komme ich doch zurück nach Heek", erklärt der junge Mann - und das nicht allein wegen der vielen Freundschaften und der Schnitzelgerichte, die er inzwischen gerne mag: "Die regenerative Energietechnologie, die auch 2G entwickelt, ist für Brasilien sehr interessant" - und für die ganze Welt. "Denn wir sitzen alle in einem Boot", betont der jugendlich wirkende Praktikant - und klingt mit einem Mal ganz staatsmännisch: Ob das Abholzen des Regenwaldes in seiner Heimat oder der CO2-Ausstoß in Europa: "Jetzt gilt es umzudenken, um den Klimawandel doch noch zu stoppen." sy-

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<p>Eduardo Choozo Arenas Kami steht vor der Firma 2G, in der er in den vergangenen vier Monaten als Praktikant seinen Arbeitsplatz hatte. Am Dienstag fliegt er wieder nach Hause - vermutlich aber mit einem Rückflugticket nach Deutschland. MLZ Fotos (2) Lüttich-Gür</p>

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