Helden der Liebe haben bei Horváth keine Chance

Theater Oberhausen

Sein „Glaube Liebe Hoffnung“-Drama wird am Theater Oberhausen zur Mahnung.

23.09.2019, 18:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Helden der Liebe haben bei Horváth keine Chance

Fast selbst eine Filmfigur: Lise Wolle als Elisabeth © Katrin Ribbe

Von Klaus Stübler

Oberhausen. „Helden der Liebe“ lautet das Saisonmotto am Theater Oberhausen. Zum Auftakt am Freitag allerdings gab es die Premiere eines Stückes, das sich vor allem durch Lieblosigkeit auszeichnet: „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horváth.

Darin geht es um die junge Elisabeth, die in Zeiten von Rezession und Arbeitslosigkeit um ihre Existenz kämpft, doch wegen Lappalien verurteilt wird und so in eine immer aussichtslosere Lage gerät. Intendant Florian Fiedler verdichtet das einfach und klar gebaute Stück, indem er ein paar Nebenfiguren und manche militaristische Passage (Horváths Drama ist 1932 entstanden) ausspart und das Ende um den Selbstmordversuch der Titelheldin strafft.

Auf der dunklen Bühne steht nur ein altes Waschbecken

Auf der dunklen, weiten Bühne gibt es als feste Requisiten nur ein altes Waschbecken und eine nostalgische Musikbox. Lise Wolle als bei aller Verzweiflung durchaus lebenszugewandte Elisabeth ist dort wie Freiwild schutzlos allen ausgeliefert: Nicht eine Wand, die ihr so etwas wie Intimsphäre gewähren würde.

Christian Bayer als Präparator, dem Elisabeth schon zu Lebzeiten ihre Leiche verkaufen will, begegnet ihr schüchtern, aber gutherzig. Und mit dem Polizisten Alfons (Clemens Dönicke), der sie heiraten will, kommt es zum „Bild des glücklichen Friedens zweier liebender Herzen“, so Horváth.

Aber diese kurzen positiven Momente werden von repressiven Männern wie dem Oberinspektor (Torsten Bauer) und dem fiesen Amtsgerichtsrat (Klaus Zwick), die für „Recht und Ordnung“ sorgen, zunichte gemacht.

Liebe gibt es nur im Kino

Wahre Liebe, so mahnt Fiedler, ist in einem solchen Klima die reinste Fiktion. Sie gibt es nur im Traum (er lässt Elisabeth mit einem Mann im Nebel zu Rihannas „Diamonds“ tanzen) oder im Kino, was ein Zusammenschnitt klassischer Liebesszenen unterstreicht. Für weitere Gefühlsregungen ist die Musik zuständig. Deshalb laufen auch fast alle immer zuerst zur Musikbox, um sich einen passenden Titel zu drücken.

Bei Horváth kündigte sich der Faschismus an. Fiedler warnt vor entsprechenden Tendenzen heute.

Termine: 28. / 29. 9., 5. / 26. 10.; Karten: Tel. (0208) 857 81 84.

www.theater-oberhausen.de

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