„Hilft gegen Covid-19“: Behörde kämpft gegen falsche Werbeversprechen

Coronavirus

Mögliche Heilmittel gegen das Coronavirus überschwemmen das Internet - teilweise mit völlig dubiosen Versprechungen. Verschiedene Bundesministerien warnen vor falschen Produkten.

von Ann-Kathrin Wucherpfennig

, 24.07.2020, 13:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zahlreiche Mittel versprechen Hilfe gegen Covid-19 - doch das Bundesministerium warnt vor diesen dubiosen Versprechungen.

Zahlreiche Mittel versprechen Hilfe gegen Covid-19 - doch das Bundesministerium warnt vor diesen dubiosen Versprechungen. © picture alliance/dpa

Das Coronavirus ist das bestimmende Thema. Auch vor der Werbung macht das Wort „Covid-19“ nicht halt. Bei manchen Werbespots für Nahrungsergänzungsmittel wird der Hinweis (kleingedruckt in weißer Schrift) „hilft nicht gegen eine Covid-19-Infektion“ eingeblendet.

Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen wurde die Bemerkung freiwillig hinzugefügt, zur Absicherung des Herstellers. Denn grundsätzlich seien Nahrungsergänzungsmittel nie dazu bestimmt vor Krankheiten zu schützen, diese zu lindern oder gar zu heilen. Daher könne an der Stelle auch stehen „Hilft gegen kein Virus und keine Krankheit“, betont Anneke von Reeken, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Nahrungsergänzungsmittel: Teilweise dubiose Werbeversprechen

Dennoch stößt die Verbraucherzentrale auf dubiose Versprechen, die damit werben, dass die Produkte gegen das Virus helfen. Teilweise werden Nahrungsergänzungsmittel mit Sätzen wie „Stärken Sie Ihr Immunsystem im Kampf gegen das Coronavirus“ oder „Wappnen Sie sich vor viralen Infekten wie dem Coronavirus mit einer kräftigen Immunabwehr“ angepriesen.

Ein Einzelhändler warb für einen Cistus-Tee, der das Immunsystem stärken und somit vor Corona schützen sollte. Daraufhin hat die Verbraucherzentrale die zuständige Lebensmittelüberwachung informiert, die in so einem Fall tätig wird. „In Niedersachsen gab es vereinzelte Beschwerden zu solchen Werbeversprechen. In diesem Fall wurde die Werbung untersagt, manchmal werden auch Bußgelder verhängt“, sagt von Reeken.

Bundesministerium warnt vor falschen Produkten

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) warnt ausdrücklich vor Anbietern von Nahrungsergänzungsmitteln, die suggerieren und damit werben, dass mit einer Einnahme ihrer Mittel einer Infektion mit Covid-19 vorgebeugt werden könne.

Heilmittel-Nachfrage wurde angeheizt

Auch einige Behörden der Europäischen Union haben festgestellt, dass immer mehr Produkte, die über das Internet verkauft werden, als positiv für das Immunsystem oder als Schutz vor Infektionen durch Coronaviren beworben werden. Auf der offiziellen Website der Europäischen Union heißt es: „Die Covid-19-Pandemie hat in der Bevölkerung weit verbreitete Besorgnis ausgelöst und die Nachfrage nach möglichen Heilmitteln angeheizt.“

Deshalb schlug die Europäische Kommission im April 2020 einen koordinierten Aktionsplan für Online-Angebote und Werbung für Lebensmittel im Zusammenhang mit Covid-19 vor. Die Mitgliedsstaaten gehen seitdem verstärkt gegen diese Praktiken vor. Dabei werden Websites, Verkäufer und Betreiber identifiziert und gegebenenfalls bestraft.

Anschließend melden die zuständigen staatlichen Behörden der Kommission die Ergebnisse ihrer Kontrollen. Insgesamt gab es bisher 552 Fälle, davon 488 nationale und 64 grenzüberschreitende Fälle. Bei 163 Verstößen wurden bereits Maßnahmen ergriffen, bei den anderen 389 Verstößen laufen die Ermittlungen.

Kontrolle im Netz

In Deutschland kümmert sich die gemeinsame Zentralstelle der Bundesländer „Kontrolle der im Internet gehandelten Erzeugnisse des LFGB und Tabakerzeugnisse, kurz G@ZIELT, um die Rechtsvorschriften im Onlinehandel.

Unter „Erzeugnissen des LFGB“ sind Lebensmittel, Futtermittel, Kosmetika und Bedarfsgegenstände zusammengefasst. Die Zentralstelle wurde beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingerichtet und unterstützt die Bundesländer seit Juli 2013.

Verbraucherschutz im Internet

Die sechs Mitarbeiter von G@ZIELT suchen nach Meldungen im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) und im Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Verbraucherprodukte (RAPEX). Dabei überprüfen sie, ob die betroffenen Produkte im Internet für deutsche Verbraucher angeboten werden.

Die Ergebnisse werden an die zuständigen Behörden der Bundesländer weitergeleitet, in deren Zuständigkeitsbereich sich der Sitz des Onlinehändlers befindet. Werden Anbieter mit Sitz im Ausland ermittelt, wird die Information an die zuständige Stelle im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zur Weiterleitung an die betroffenen Staaten übersandt.

Bei der Suche nach Lebensmitteln in Verbindung mit Covid-19 wird nicht nur das Stichwort „Corona“ berücksichtigt, sondern auch Aussagen wie „Virus“, „Stärkung des Immunsystems“, „Schutz vor Infektionen“ und „Antiviral“. Die Rechercheergebnisse werden von G@ZIELT an die Bundesländer weitergeleitet, die wiederum die Ergebnisse an die zuständigen Stellen weitergeben. Dort werden entsprechende Maßnahmen ergriffen. Anschließend wird die Art der Maßnahme wieder an G@ZIELT zurückgemeldet, sodass alle Daten aus Deutschland gebündelt sind.