„Ich war einsam“: Rentner (73) gesteht mehrfachen Kindesmissbrauch

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Mehr als 20 Mal soll ein 73-jähriger Rentner zwei zwölf und 13 Jahre alte Nachbarsmädchen sexuell missbraucht haben. Zu Prozessbeginn in Bochum hat der Witwer einen Teil der Vorwürfe gestanden.

Bochum

, 22.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Rentner (73) aus Recklinghausen hat am Dienstag gestanden, sich mehrfach sexuell an zwei minderjährigen Mädchen einer alleinerziehenden Bekannten vergriffen zu haben. „Ich war einsam und alleine“, erklärte der verwitwete Senior beim Prozessauftakt am Bochumer Landgericht.

Die Anklageschrift schildert insgesamt 22 sexuelle Übergriffe im Zeitraum von Januar 2017 bis September 2018. Mindestens einer der Vorfälle wird von der Staatsanwaltschaft mit Blick auf die Intensität als so schwerwiegend eingestuft, dass eine Mindeststrafe von zwei Jahren Haft im Raum steht. Dass es einen ähnlichen Übergriff gegeben hat, räumte der 73-Jährige vor der 3. Jugendschutzkammer zwar ein. Die vorgeworfene Intensität des Übergriffs stritt der Witwer jedoch ab: „Nein, so war es nicht. Niemals.“

Nachdem der Vater weggezogen war, hatte sich der Angeklagte nicht mehr unter Kontrolle

Tatort soll jeweils die Wohnung der 41-jährigen Mutter der zwei Mädchen (heute 14 und 15) im Süden von Recklinghausen gewesen sein. Die Frau hatte der Senior nach dem Tod seiner eigenen Ehefrau kennengelernt und sich nach eigenen Angaben anschließend auch viel um die Familie gekümmert. „Der Vater lag nur im Bett und hat geschlafen. Sie brauchte eine Schulter zum Ausweinen. Ich bin mit den Kindern zum Arzt gefahren, zum Einkaufen, habe die Familie finanziell unterstützt“, so der Angeklagte, der auch zugab, in die Mutter verliebt gewesen zu sein.

Irgendwann sei der Vater der Mädchen weggezogen. In der Folgezeit habe er sich dann in der Nähe der Schülerinnen offenbar nicht mehr immer unter Kontrolle gehabt. Es sei zu Streicheleinheiten und Berührungen im Intimbereich gekommen. Zuerst bei der damals 13-Jährigen. Auch mal am Schreibtisch. Später auch bei der ein Jahr jüngeren Schwester.

Geschenke für die Mädchen, wenn er sie anfassen durfte

Dass er einem der Mädchen speziell dafür, dass er es unter dem Schlafanzug anfassen darf, Geschenke versprochen haben soll, wie es in der Anklage steht, wies der 73-Jährige zurück. „Es gab mal eine Cola, mal Bonbons und auch mal neue Schuhe“, räumte er ein. „Aber das war nur zur Unterstützung. Die Familie hatte wenig Geld.“

Zur Strafanzeige war es gekommen, nachdem eine der Schülerinnen sich bei einem Besuch dem Vater anvertraut hatte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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