Illegale Aufspritzungen: Instagram-Star (27) aus Bochum muss ins Gefängnis

hzLandgericht Bochum

Eine Instagram-Influencerin hat ihren Followern und Fans jahrelang ohne Qualifikation Hyaluronsäure in die Lippen gespritzt. Am Dienstag beendete das Gericht den Hype.

Bochum

, 17.12.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Serie von illegalen Lippenvergrößerungen bei Frauen und Männern ist eine Instagram-Influencerin (27) aus Bochum am Dienstag (17.12.) am Bochumer Landgericht zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden.

Mindestens 2000 unversteuerte Beautybehandlungen

Die Richter unterstrichen in der Urteilsbegründung die uneingeschränkte Strafwürdigkeit der mindestens 2000 unversteuerten Beautybehandlungen durch eine medizinische Laiin – gleichwohl wurde aber auch Kritik an den „überzogenen“ Vorstellungen und dem „unnötigen Vorgehen“ durch die Bochumer Staatsanwaltschaft laut.

Die 27-jährige Angeklagte hatte im Prozess von Anfang an schonungslos zugegeben, Kundinnen und Kunden aus ganz Deutschland Lippen und Nasen mit Hyaluronsäure aufgespritzt zu haben, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Die Behandlungen hatten in ihrer Privatwohnung sowie in angemieteten Hotelzimmern stattgefunden. Dabei soll es zum Teil zu Komplikationen gekommen sein.

Hype um die Angeklagte im Internet

„Nachweislich waren hier neun Fälle, in denen nicht lege artis gearbeitet worden ist“, hieß es in der Urteilsbegründung. Das ergebe einerseits eine Fehlerquote von 0,45 Prozent, „andererseits bedeutet das aber auch, dass 99 Prozent der Kunden zufrieden waren“, sagte Richter Markus van den Hövel. Genau deshalb, so der Vorsitzende der 2. Strafkammer, habe es ja auch ein regelrechten „Hype“ um die Angeklagte im Internet gegeben.

Die Angeklagte hatte ihre Kunden fast ausnahmslos über ihren privaten Instagram-Account „...beauty“ akquiriert. Die Bezahlung für die Schönheitsbehandlungen, laut Urteil durchschnittlich 300 Euro, erfolgte nahezu immer bar. Die Influencerin hatte sich vor den Kunden als Heilpraktikerin ausgegeben und dadurch den Anschein erweckt, dass sie die Behandlungen durchführen darf.

„Ich war wie im Größenwahn“

Dabei war ihr nach eigenen Angaben immer bewusst, dass ihr Handeln illegal war. „Ich war wie im Größenwahn“, hatte sie den Richtern im Prozess erklärt. „Ich habe alles ausgeblendet – weil ich so viel Lob bekommen habe.“ Die Familie der 27-Jährigen hatte bereits während des laufenden Prozesses rund 100.000 Euro auf die errechnete Umsatzsteuerschuld gezahlt.

Durch ihr Geständnis und die Schadenswiedergutmachung habe die 27-Jährige im Prozess „eine Menge richtig gemacht und Pluspunkte sammeln können“, so die Richter. Daher hielten sie zwei Jahre und acht Monate Haft am Ende für „ausreichend, um dem Unrecht der Taten hinreichend Rechnung zu tragen“.

Dass Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann angesichts der unstreitig mildernd wirkenden Pluspunkte immer noch viereinhalb Jahre Haft gefordert hatte, kritisierte Richter Markus van den Hövel als „überzogen“. Ebenso habe die Staatsanwaltschaft „unnötiges Vorgehen“ an den Tag gelegt, als nur kurz nach der Haftentlassung während des laufenden Prozesses ein erneuter Vorstoß gestartet worden sei, die 27-Jährige nach einem Verhandlungstag erneut in Haft zu nehmen.

Die Cousine der Angeklagten ist ebenfalls verurteilt

„Die Angeklagte hat nichts anderes gemacht, als die Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen – was sie aber eben nicht durfte“, bilanzierte das Gericht. Das Urteil lautet auf gefährliche Körperverletzung, Betrug, Steuerhinterziehung und Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz.

Eine Cousine der Angeklagten war wegen deckungsgleicher Vorwürfe in einem Parallelprozess vor einigen Wochen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die 29-Jährige war allerdings einschlägig vorbestraft und hatte auch keine Schadenswiedergutmachung geleistet.

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