Im Alleingang überzeugend

BOCHUM Mit wachen Augen durchmisst Christoph Pütthoff das Theater unter Tage im Bochumer Schauspielhaus. Genau wie seine Figur im Stück muss der Schauspieler heute im Alleingang Überzeugungsarbeit leisten.Es ist Premiere von „Das Produkt“, nach „Pool“ schon die zweite Inszenierung eines Mark Ravenhill-Stückes durch Hans Dreher in Bochum.

von Von Max Florian Kühlem

, 11.01.2008, 18:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Im Alleingang überzeugend

Christoph Pütthoff in "Das Produkt" von Mark Ravenhill.

Pütthoff spielt den Filmproduzenten James, der die Schauspielerin Olivia von einem absurd-trashigen Drehbuch über den Terroranschlag vom 11. September und die Folgen zu überzeugen versucht. Olivia soll Amy spielen, deren Mann im World Trade Center zu Tode kam, die sich trotzdem (oder gerade deswegen?) in einen Al-Qaida-Kämpfer verliebt und am Ende selbst zur Märtyrerin wird. In Drehers Inszenierung existiert Olivia nur als bewegungsloser Schatten an der Wand, als Vexierspiel. Pütthoff wendet sich an die nahen Zuschauerreihen, wenn er sie anspricht – das intime Kellertheater ist für solch eine Situation wie geschaffen.

Die seltsamen Mechanismen Hollywoods

Das Produkt, um das es am Abend geht, ist ein Typ wie Filmproduzent James, ist ein Drehbuch, das nur durch eine Schule des Sehens möglich wird, wie die westliche Mediengesellschaft sie anbietet. Dass die Geschichte, die James mit vollem Stimm- und Körpereinsatz vorstellt, tatsächlich verfilmt werden könnte, scheint nicht einmal ausgeschlossen. Stark überspitzt spielt Autor Ravenhill hier mit den vermeintlich normalen Mechanismen Hollywoods: Ein großes geschichtliches Ereignis wird zum Anlass menschlicher Verwicklungen genommen, eine unwahrscheinliche Liebe ins Spiel gebracht, viel Action und starke Bilder hinzugemischt.

Begeisterter Applaus

Pütthoff lässt diese Bilder, die von der Bibel bis zu Star Wars reichen, kongenial entstehen, zeigt überhaupt eine herausragende Leistung. Wie er sich innerhalb einer Stunde von anfänglich arrogantem Selbstbewusstsein bis zum verzweifelten (und an seinem Tun zweifelnden) Kampf um Aufmerksamkeit spielt – famos! Begeisterter Applaus am Ende. Und die Hoffnung auf weitere große Inszenierungen Hans Drehers, der im TuT schon mit „Gretchen 89 ff.“ und „Pool“ vollends überzeugt hat.  Termine: 9.2./12.2./2.3. Karten unter Tel. (0234) 33 33-55 55.