Im Wartesaal vom „Troubadour“ spritzt jede Menge Blut

Aalto-Theater

Verdis „Troubadour“ im Aalto-Theater setzt auf platte Aktualisierung - und Gewalt in den verschiedensten Ausprägungen.

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, 08.12.2017 / Lesedauer: 2 min
Im Wartesaal vom „Troubadour“ spritzt jede Menge Blut

Gewalt pur: Luna (Nikoloz Lagvilava, l.) bedrohen ein Messer und die Pistole von Manrico (Gaston Rivero). Foto: Jung © Matthias Jung

Beim Wort „Troubadour“ denkt mancher vielleicht an eine nette mittelalterliche Romanze, Verdis gleichnamige Oper allerdings ist ein besonders düsteres Stück, ein szenisch dunkles noch dazu. Die Neuinszenierung am Aalto Theater – eine Koproduktion mit der Seattle Opera – zeigt jedoch einen neonbeleuchteten Wartesaal von heute.

Und Manrico, der Troubadour, der bei Verdi zu den Zigeunern zählt, ist für die Regisseure Patrice Caurier und Moshe Leiser Teil einer multinationalen Flüchtlingsgruppe, die von grauen Herren eingeschüchtert wird.

Flüchtlinge werden in der Eingangsszene erschossen

Ein paar Flüchtlinge werden gleich in der Eingangsszene erschossen. Blut spritzt dekorativ an die Wand. Auch später werden Unschuldige eiskalt abgeknallt – ein leichtfertiger Waffengebrauch, der den Amerikanern vertrauter sein dürfte als uns hier.

Leider ist die Personenregie im tristen Einheitsbühnenbild meist uninspiriert-statisch bis unsinnig-unglaubwürdig. Der Kampf der beiden um Heldin Leonora buhlenden Herren ist auf einen einzigen Schuss reduziert. Graf Luna bekennt ihr breitbeinig im Raum stehend seine Liebe, Manrico mit dem Rücken zu ihr sitzend.

Zu hören ist ein Verdi vom Feinsten

Statt bunten Treibens im Zigeunerlager sind müde Flüchtlinge zu sehen, Anführerin Azucena liegt im Krankenhausbett. Lunas Soldaten machen sich beim (schön gesungenen) Chor im dritten Teil vergewaltigend über eine Sexpuppe her.

Zu hören ist ein Verdi vom Feinsten: Aurelia Florian singt eine anrührende Leonora, vibrierend und mit bravourösen Spitzentönen. Carmen Topciu ist eine dramatisch-eindringliche, am Schluss beseelt von ihrer Heimat, singende Azucena. Gaston Riveros Troubadour prunkt gleichermaßen als sanfter Liebhaber wie als mitreißend singender Kämpfer.

Nikoloz Lagvilava, einziger Aalto-Sänger im Solisten-Quartett, gibt als Luna auch in der Liebe kämpferisch-entschlossen den starken Mann. Chor und Orchester unter Giacomo Sagripanti klingen phänomenal. Fazit: Nicht ansehen, aber anhören!

Termine: 17./20.12, 3./ 13./20.1., 4.2.; Karten: Tel. (0201) 8122200