Impfpannen: Mangel an bundesweiten Konzepten könnte zum Problem werden

Coronavirus

Der Beginn der Corona-Impfungen am vergangenen Wochenende wurde von Pannen begleitet. Das Bundesgesundheitsministerium sieht sich nicht in der Verantwortung. Zuständig seien die Länder.

von Irene Habich

, 30.12.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Frau wird im Impfzentrum gegen das Coronavirus geimpft.

Eine Frau wird im Impfzentrum gegen das Coronavirus geimpft. © picture alliance/dpa

Schon am ersten Tag der Corona-Impfung in Deutschland kam es zu Pannen. Doch der Bund fühlt sich offenbar nicht zuständig. Verantwortlich für die Durchführung seien die Länder, so das Bundesgesundheitsministerium. Bis heute fehlt eine bundesweite Strategie für einen sicheren und reibungslosen Ablauf der Impfung.

Ein erster Fehler passierte in einem Pflegeheim in Stralsund. Dort war am Sonntag acht Mitarbeitern die fünffache empfohlene Dosis des Impfstoffs verabreicht worden. Die Impfung hatte dabei zwar ein Arzt vorgenommen, allerdings hatte eine Schwester die Spritze vorbereitet.

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Sie hatte den Impfstoff dabei wie vorgeschrieben zunächst mit einer Kochsalzlösung verdünnt. Dann hatte sie aber den kompletten Inhalt des Fläschchens aufgezogen, der eigentlich auf fünf Dosen hätte verteilt werden müssen, teilte ein Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen mit.

Eine Frau noch in stationärer Behandlung

Die Heimangestellten, die die Überdosis erhalten hatten, waren danach wegen „grippeähnlicher Symptome“ im Krankenhaus beobachtet worden. Sieben von ihnen wurden bereits wieder entlassen, eine Frau befindet sich aber immer noch in stationärer Behandlung. Wie ein Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen am Dienstag sagte, soll sie unter Symptomen wie Kopfschmerzen und Schwindel leiden.

Der Arzt, der die Impfung durchgeführt hatte, sagte gegenüber der Ostsee Zeitung, der Impfstoff sei sowohl für ihn als auch für die Schwester neu gewesen. Er habe eigentlich erwartet, dass es eine Einweisung für das Impfteam gebe, die sei aber nicht erfolgt.

Es habe lediglich einen Zettel mit Informationen gegeben. Auch hatte der Arzt nicht mit seiner gewohnten Assistentin gearbeitet: Die Mitglieder des wohl eilig zusammengestellten Impfteams waren sich zuvor nie begegnet. Man habe nicht einmal die Namen der anderen gekannt, so der Mediziner.

In Oberfranken fiel Impfstart aus

Größere Probleme hatte es auch bei der Organisation der Impfungen in Bayern gegeben. In etlichen Städten und Landkreisen in Oberfranken musste der geplante Impfstart am Sonntag ausfallen: Dort schien die Kühlkette beim Transport des Impfstoffs unterbrochen worden zu sein.

Nach einer Prüfung des Vorgangs hieß es dann zunächst, Biontech habe die Impfdosen freigegeben. Die Regierung von Oberfranken erklärte auch, es sei wohl nur ein Temperaturmesser falsch angewendet und nicht richtig in der Kühlbox positioniert worden. Schlussendlich entschieden die betroffenen Landkreise aber, die Impfung doch nicht anzuwenden, weil Restzweifel bestünden. Die Qualität der möglicherweise schlecht gekühlten Chargen müsse noch einmal überprüft werden.

Durchgehende Kühlung ist wichtig

Damit die Wirkung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer nicht beeinträchtigt wird, ist eine durchgehende Kühlung wichtig. Impfdosen müssen bei der Lagerung über einen längeren Zeitraum auf minus 70 Grad gekühlt werden, bis zu fünf Tage vor der Impfung ist dann eine Lagerung bei Kühlschranktemperatur möglich.

Immerhin war der Fehler in Bayern bemerkt worden. Sollten schlecht gekühlte Impfdosen andernorts versehentlich eingesetzt werden, würde das bedeuten, dass sie keinen Impfschutz erzeugen. Ob Nebenwirkungen drohen, wenn falsch gekühlter Impfstoff verabreicht wird, lässt sich bisher nicht sagen – dies wurde in den Zulassungsstudien nicht getestet.

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