Intendant Michael Schulz bricht bei Verdis Oper „Die Macht des Schicksals“ ein Tabu

hzMusiktheater im Revier

In Gelsenkirchener Musiktheater im Revier gibt Michael Schulz der Oper „Die Macht des Schicksals“ eine völlig neue Erzählstruktur. Zum überwiegenden Teil gelingt ihm das gut.

23.02.2020, 14:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Intendant Michael Schulz rührt an einem Tabu: Während auf der Schauspielbühne längst kein Hahn mehr danach kräht, wenn Regisseure altehrwürdige Klassiker zerpflücken und neu montieren, gilt die Oper in ihrer Grundsubstanz weiterhin als unantastbar. Eine moderate Kürzung wird noch toleriert, vielleicht auch eine dezente „Zugabe“.

Was Schulz als Regisseur allerdings mit Verdis „Macht des Schicksals“ veranstaltet, geht weit darüber hinaus. Bei ihm gesellt sich Monteverdi zu Verdi. Und er durchbricht die Aktstruktur, ordnet die Szenen neu an. Der Nachvollziehbarkeit der Geschichte tut das durchaus gut.

Verdi mit Verdi auzupeppen, ist problematisch

Wirklich problematisch wird es allerdings, wenn Schulz und sein erster Kapellmeister Giuliano Betta Verdi mit Verdi aufzupeppen versuchen: Da erklingt am Ende einer Feldlager-Szene, in der pathetisch der Hang der Menschheit zum Krieg beklagt wird, eines der bekanntesten Stücke der Oper: der Soldatenchor „Rataplan“. Der lässt sich schlecht weglassen, nimmt der starken Szene zuvor aber auch die Kraft der düsteren Klage. Also schickt Schulz das „Dies irae“, die „Tage des Zorns“, aus Verdis Requiem hinterher und lässt dazu einen apokalyptischen Totentanz aufführen, der an Plakativität kaum zu überbieten ist.

Auf der musikalischen Seite gibt es dazu leider auch eine Entsprechung. Dirigent Betta neigt eins ums andere Mal etwas zur Kraftmeierei. Vielleicht lässt er sich dazu von den Sängern verleiten, die wirklich stimmgewaltig sind: Vor allen Bariton Bastiaan Everink ist als Rächer Carlo ein stimmlicher Koloss. Das passt zu seiner Rolle, er schießt aber auch manches Mal etwas über das Ziel hinaus. Der Tenor Timothy Richards kann als Alvaro, dem tragischen Liebhaber und Mörder aus Versehen, mühelos mithalten. Beide können laut singen und klingen dabei noch gut und unangestrengt.

Das polarisierte Publikum spendete Applaus für Chor und Solisten

Unter die Räder gerät da eher schon die Sopranistin Petra Schmidt als Leonora, die sich im hohen Register gut zu behaupten weiß, in den tieferen und leiseren Passagen aber gelegentlich untergeht.

Diese Abstriche sind allerdings gering angesichts des hohen musikalischen Niveaus. Da war sich auch das deutlich polarisierte Premierenpublikum einig: Für Chor und Solisten gab es einhelligen Applaus.

Termine: 27. 2., 1. / 6. / 14. / 21. / 29. 3., 5. / 18. / 25. 4.; Karten: Tel. (0209) 409 72 00.www.musiktheater-im-revier.de