„Jean Seberg“: „Twilight“-Star Kristen Stewart in ihrer besten Rolle

hzFilm-Kritik

Vorbei sind die Zeiten des „Twilight“-Püppchens: Kristen Stewart zeigt im Kinofilm „Jean Seberg“ die beste Leistung ihrer Karriere – und wird so der titelgebenden Filmdiva mehr als gerecht.

Dortmund

, 15.09.2020, 16:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Frankreich war sie ein Star der Nouvelle Vague, ihre Rolle in Godards „Außer Atem“ machte sie weltberühmt. Und mit ihrer Kurzhaarfrisur wurde Jean Seberg auch so etwas wie eine Stil-Ikone. In Benedict Andrews Kinofilm – halb Fiktion, halb Tatsachen-Drama – trägt Kristen Stewart den Bubikopf und liefert die vielleicht beste Vorstellung ihrer Karriere.

Jean Seberg: vom Kinostar zum Staatsfeind Nummer Eins

„Jean Seberg“ handelt davon, wie eine Hollywood-Berühmtheit zum Staatsfeind gemacht wird, wie das FBI sie ausspäht, abhört und mit Dreck bewirft, und die stolze Schöne an ihrem Land verzweifelt. Die Geschichte hat sich in den Jahren 1968 bis 1971 ereignet, als Edgar J. Hoover das FBI leitete, bekanntermaßen ein Mann ohne Skrupel und Moral.

Seberg gerät ins Fadenkreuz, weil sie offen mit den Black Panthers sympathisiert, ihnen Geld spendet und für die Rechte der Schwarzen eintritt. „Du solltest das lassen, das könnte Folgen haben“, wird Seberg von ihrem Manager gewarnt, als sie am Flughafen mit erhobener Faust posiert. Sie schlägt die Warnung in den Wind, beginnt eine Affäre mit Hakim (Anthony Mackie), Spendensammler der Panthers, den das FBI schon beschattet.

Vom FBI gesteuerter Rufmord

Ein gefundenes Fressen für die Schnüffler. Sie verwanzen Sebergs Villa und Telefon, schneiden mit, dass sie ein Kind erwartet, lancieren die Nachricht in der Schmuddelpresse. Hakims Frau ist fuchsteufelswild, Jeans Ehemann will sich trennen, ihre Hollywoodkarriere ist zu Ende. Glatter Rufmord. Jeans Leben gerät aus den Fugen, sie selbst in eine Nervenkrise.

Jetzt lesen

Kristen Stewart ist mal taff, mal zerbrechlich

Gerade die Phase von Angst und Paranoia wird von Kristen Stewart wunderbar feinnervig gespielt, nun wirkt die taffe Kämpferin rührend zerbrechlich. Die böse Saat des FBI ist aufgegangen.

Einen FBI-Agenten in Gewissensnot hat der Film erfunden, um Sebergs Geschichte ins Korsett eines Thrillers zu packen. Was dramaturgisch Früchte trägt, ohne den Wert des Films als Kommentar zu Rassismus, Bürgerrechten, staatlicher Willkür zu schmälern. Zeitlos aktuell und sehenswert.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt