Jobsuche in Corona-Zeiten: Tipps für das Video-Bewerbungsgespräch

Coronavirus

Die Jobsuche während der Corona-Krise ist ohnehin nicht leicht: Wie klappt ein souveräner Auftritt vor der Kamera und was ist bei der Technik zu beachten? Ein Karriere-Coach gibt Tipps.

Köln/Karlsruhe

13.07.2020, 07:48 Uhr / Lesedauer: 3 min
Wer ein Bewerbungsgespräch via Video führt, sollte das Smartphone auf einem Stativ befestigen - und es nicht einfach in der Hand halten.

Wer ein Bewerbungsgespräch via Video führt, sollte das Smartphone auf einem Stativ befestigen - und es nicht einfach in der Hand halten. © picture alliance/dpa

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance - das gilt auch für ein Bewerbungsgespräch. Aufgrund der Corona-Pandemie fällt aber zur Zeit nicht nur das Händeschütteln zur Begrüßung weg, sondern oft das komplette Treffen. Stattdessen findet ein Video-Gespräch statt. Doch gelten da die gleichen Regeln? Wie gelingt es, vor der Kamera ein gutes Bild zu machen?

Inhaltlich bleibt das Gespräch gleich

Ganz gleich, ob persönliches Treffen oder Videogespräch: Die inhaltliche Vorbereitung für das Bewerbungsgespräch bleibt identisch, sagt Karriere- und Business-Coach Bernd Slaghuis. Es ist wichtig, einen Überblick über das Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen sowie Standorte, Umsatz und Anzahl der Mitarbeiter zu haben. Der Vorteil beim Videogespräch: Spickzettel sind erlaubt. Solange man nicht alles mit gesenktem Kopf abliest, stört es die Personaler nicht, was auf dem Tisch liegt.

Technik unbedingt vor dem Gespräch checken

Damit überhaupt ein flüssiges Gespräch stattfinden kann, sollte man vorab einen Technik-Check machen. Dazu gehört zum einen eine stabile Internetverbindung, aber auch die rechtzeitige Installation und Aktualisierung der Software. Außerdem empfiehlt der Bundesverband der Personalmanager (BPM) verschiedene Funktionen schon vor dem Gespräch auszuprobieren. Wenn etwa darum gebeten wird, seinen Bildschirm zu teilen oder sich stummzuschalten, macht es einen guten Eindruck, nicht lange suchen zu müssen.

Licht und Ton müssen das Gegenüber überzeugen

Der wohl größte Unterschied zum analogen Bewerbungsgespräch entsteht durch weniger Kommunikationskanäle, erklärt Nicole Krieger, Leiterin der Moderatorenschule Baden-Württemberg. Man sieht nur den Oberkörper und das ganze Bild ist zweidimensional. "Deswegen muss man noch überzeugender sein mit dem, was man sieht und hört." Dafür sind Licht und Ton entscheidend, so die langjährige TV-Moderatorin. Am besten sei natürliches Tageslicht von vorne, also wenn man mit dem Gesicht zum Fenster schaue.

Der Ton sollte ebenfalls vor Gesprächsbeginn getestet werden. Klingt die Stimme blechern, empfiehlt Krieger ein externes Mikrofon oder Kopfhörer mit eingebautem Mikrofon auszuprobieren. Außerdem könne man auch selbst den Klang seiner Stimme beeinflussen, ergänzt Andrea Ballschuh, TV-Moderatorin und Expertin für Kamera- und Präsenztraining. "Kurz vor Gesprächsbeginn, macht man ein "Mmh"-Geräusch als würde man an etwas Leckeres denken." Das helfe, in die natürliche Stimmlage zu finden.

Nicht jedes Outfit ist kameratauglich

Für die Kleidung gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für ein Bewerbungsgespräch im Unternehmen. "Es geht allerdings nicht jedes Outfit vor der Kamera", sagt Nicole Krieger. Kleine Muster können ein Flimmern erzeugen, weshalb sie zum Beispiel von Hemden mit feinem Karo abrät. Ansonsten zählt das Körpergefühl, sagt Bernd Slaghuis. "Manche brauchen den kompletten Anzug mit Krawatte und Anzugschuhen, andere fühlen sich wohler, wenn Sie unter dem Tisch Kuschelsocken für das Gespräch anlassen."

Auf den Hintergrund achten

Neben dem eigenen gepflegten Aussehen ist ein aufgeräumter Hintergrund unverzichtbar. Zum einen lenkt alles, was man zusätzlich im Bild sieht, ab. Zum anderen überlegen Personaler, ob das Gesagte mit dem Hintergrund zusammenpasst, sagt Ballschuh. "Denn auch der Hintergrund sagt etwas über Bewerber aus", bestätigt der BPM. Professionell wirken eine schlichte Wand mit Bild oder frische Blumen.

Im Vorstellungsgespräch: Blickkontakt per Kamera

Blickkontakt per Video ist gar nicht so einfach: Denn schaut man sein Gegenüber auf dem Bildschirm an, geht der Blick nicht mehr in die Kamera und damit zum Gesprächspartner, erklärt Andrea Ballschuh. Gerade wenn man selbst spricht, sollte man sich daher zwingen, den Blick direkt in die Kamera zu richten. Das ist anfangs ungewohnt, hinterlässt aber Eindruck. Damit man es nicht vergesse, könne man sich einen Aufkleber neben die Linse oder ein Foto dahinter kleben.

Auch die eigene Position ist relevant: Das Videogespräch sollte nicht mit Tablet oder Smartphone in der Hand oder auf dem Tisch geführt werden, da diese Perspektive meist unvorteilhaft wirkt. Stattdessen rät Ballschuh die Computerkamera auf Augenhöhe auszurichten oder das Smartphone in einem Stativ aufzustellen. Der Bildausschnitt sollte dabei wie bei Nachrichtensprechern von den Ellenbogen bis knapp über den Kopf reichen, sagt Nicole Krieger. "Das wirkt sehr präsent, aber nicht aufdringlich."

Auch im Video-Gespräch: Haltung zeigen

Eine aufrechte Haltung kommt gut an. Wer sitzt, sollte sich laut Krieger auf den vorderen Teil des Stuhls setzen, die Füße auf den Boden stellen und sich nicht zurücklehnen, sondern leicht zur Kamera beugen. Ballschuh dreht ihre Videos zuhause am liebsten im Stehen und barfuß. Das gibt ihr einen festen Stand. Außerdem gestikuliere man im Stehen natürlicher. Am besten denkt man gar nicht darüber nach, was man mit den Händen macht, sagt Ballschuh. "Die Hände unterstützen die Worte automatisch."

Klarheit schaffen und im Bewerbungsgespräch Fragen stellen

Wichtiger als die Körperhaltung bewertet Bernd Slaghuis die innere Haltung. "Das Fachwissen wurde schon im Lebenslauf überprüft. Im Bewerbungsgespräch will man den Menschen als potenziellen Mitarbeiter und Kollegen kennenlernen." Dazu gehört auch, Klarheit zu schaffen: Wer nervös ist, weil es das erste Video-Bewerbungsgespräch ist, könne das ruhig zu Beginn ansprechen.

Auch zum Thema Covid-19 dürfen Bewerber und Bewerberinnen Fragen stellen. Schließlich ist es wichtig einzuschätzen, wie zukunftsfähig der neue Arbeitgeber ist, sagt Slaghuis. Der BPM ermutigt daher Ängste und Unsicherheiten in Zusammenhang mit Covid-19 und der beruflichen Neuorientierung zu thematisieren. Die Frage "Wie kann ich mich unter diesen Umständen erfolgreich ins Team integrieren?" signalisiert Offenheit für aktuelle Herausforderungen.

RND/dpa