Johan Simons inszeniert mit Tschechows Stück „Iwanow“ spannende Langeweile

Schauspielhaus Bochum

Großes Schauspielertheater hatte Johan Simons im Vorfeld versprochen und dies bei der Premiere von Anton Tschechows „Iwanow“ im Schauspielhaus Bochum eingelöst.

19.01.2020, 14:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Johan Simons inszeniert mit Tschechows Stück „Iwanow“ spannende Langeweile

Iwanow sagt Sascha, dass er sie nicht heiraten kann: (v.l.) Jens Harzer, Veronika Nickl, Gina Haller, Romy Vreden. © Monika Rittershaus

Der vierstündige Theaterabend „Iwanow“ lebt von den großartigen Schauspielern und ihrem intensiven Spiel. Unendliche Erschöpfung, Unlust, Zeit, die sich dehnt – wenn Jens Harzer in der Titelrolle die ersten Minuten mit einem Buch in der Hand auf einem Stuhl sitzt, ist schon vor dem ersten Wort klar, dass hier einer von Tschechows Menschen sitzt, die an ihrem Leben und vor allem an sich selbst leiden. Die Kleidung nachlässig, die Körperhaltung schlaff, die Haare strähnig, der Blick apathisch. Heute würde man Iwanow wegen einer Depression behandeln. Bei Tschechows Drama aus dem Jahr 1889 begreift Iwanow, der doch früher so voller Tatendrang war, nicht, was in ihm vorgeht.

Jens Harzers Iwanow ist kein sympathischer Mensch, er behandelt seine Mitmenschen schlecht, weil sie ihm nichts bedeuten, weil ihm nichts etwas bedeutet. Und doch liebt ihn die junge Sascha, glaubt, ihn mit ihrer Liebe und ihrer Kraft retten zu können. Die Hochzeit mit ihr, so hofft Iwanow kurz, könnte die Chance auf ein neues Leben sein. Doch dann wählt er einen anderen Ausweg.

Immer auf der Bühne

Johan Simons schenkt den Zuschauern nichts. Vier Stunden wird die Langeweile gezeigt, ohne dass es langweilig ist. Und er schenkt seinen Schauspieler nichts. Alle sind die ganze Zeit auf der Bühne, was das Spiel noch intensiver macht. Wenn sie nicht spielen, sitzen sie mitsamt den Requisiten im Hintergrund vor oder in einem überdimensionalen Regal. Sogar wenn die Zuschauer Pause haben, bleiben sie im Bühnenbild.

Jens Harzer, nach Bruno Ganz Träger des Iffland-Rings, erhält am Ende den größten Applaus. Alle anderen Schauspieler sind nicht weniger gut. Gina Haller ist als junge Sascha mehr Sparringpartner als Verliebte. Martin Horn als Iwanows Onkel und Bernd Rademacher als Gutsbesitzer Lebedew verkörpern die unerträgliche Langeweile ihres Lebens. Und wenn sie sich in einer wunderbaren Szene mit Thomas Dannemann als Verwalter Wodka um Wodka betrinken, sorgen sie für einen der heiteren Momente des Abends.

Termine: 22. / 26. / 27. 1., 9. / 12. / 15. / 22. / 23. 2.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55. www.schauspielhausbochum.de
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