Johnny Depp bringt Hollywood zur Berlinale – und kommt 45 Minuten zu spät

Berlinale

Ein Hollywoodstar als versoffener Fotograf und Umweltaktivist: Johnny Depp stellt bei der Berlinale seinen Film „Minamata“ vor. Am Ende hatte er noch ein paar weise Worte parat.

Berlin

21.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Johnny Depp am Dienstag bei der Pressekonferenz der Berlinale.

Johnny Depp am Dienstag bei der Pressekonferenz der Berlinale. © dpa

Da ist ja endlich der wichtigste Star des zweiten Berlinale-Tages: Mancher hätte sich Johnny Depp schon bei der Berlinale-Eröffnung auf dem roten Teppich gewünscht, aber da hatte er sich noch nicht blicken lassen. Oder hat ihn bloß keiner erkannt? In seinem neuen Film „Minamata“ versteckt sich Depp als abgehalfterter und versoffener US-Fotograf W. Eugene Smith hinter einem grauen Zauselbart.

Bei der Pressekonferenz am Freitag erschien Depp mit mehr als einer Dreiviertelstunde Verspätung, sah aber mit Hut, Jeans, brauner Lederjacke, schwarzkariertem Hemd und Brille aus wie Johnny Depp. Für die Fotografen musste er erst einmal eine Extraschicht einlegen. So viele Hollywoodstars sind ja nicht vorrätig bei dieser 70. Berlinale – und Sigourney Weaver hat ihre große Show im Eröffnungsfilm „My Sallinger Year“ schon hinter sich.

Depp spielt den abgehalfterten, aber legendären US-Fotografen W. Eugene Smith, dessen Aufnahmen 1971 wesentlichen Anteil daran hatten, den japanischen Chemiekonzern Chisso zur Rechenschaft für himmelschreiende Verbrechen zu ziehen: Das Unternehmen hatte wissentlich über viele Jahre quecksilberhaltige Abwässer in Seen eingeleitet und Hunderte von Fischerfamilien vergiftet.

Depp: „Nichts konnten die Menschen tun“

„Als ich zum ersten Mal den Bericht aus Minamata über die Quecksilber-Verseuchung las, fand ich es unbegreiflich, dass so etwas passieren konnte“, sagte Johnny Depp. „Nichts konnten die Menschen tun, um sich zu schützen. Was mussten sie durchleiden!“

Dann gab er das Wort weiter an Aileen Mioko Smith, die leibhaftige Witwe des Fotografen. Sie war damals in Minamata dabei: Sie sei schockiert, dass die Krankheit in der Region bis heute immer noch existent sei. Noch immer litten Menschen.

„Diese Geschichte musste erzählt werden. Das war fast eine Verpflichtung“, so Depp. US-Regisseur Andrew Levitas betonte, dass Menschen heute immer noch an vielen Orten auf diesem Planeten vergiftet würden von großen Konzernen. Minamata sei kein Einzelfall.


„Wir müssen diese Probleme in kleine Teile zerlegen“

Ein paar Worte der Weisheit hatte Depp bei all den gegenseitigen Danksagungen innerhalb des Filmteams auf der Bühne auch noch parat: „So vielen riesigen Schwierigkeiten stehen wir Menschen gegenüber, egal ob die Minamata-Krankheit oder die Waldbrände in Australien.“ Sein Rat: „Wir müssen diese monolithischen Probleme wie mit einem Meißel in kleine Teile zerlegen, um sie in den Griff zu bekommen.“

Zuletzt hat Depp weniger Aufmerksamkeit erregt durch Filme als durch die Schlammschlacht mit seiner Ex-Frau Amber Heard (wer hat nun wen mit blauen Flecken traktiert?). Trotz Fehlschlägen wie „Lone Ranger“ (2013) zählt der 56-Jährige immer noch zu den bestbezahlten Schauspielern auf diesem Planeten. „Minamata“ war ein Herzensprojekt für ihn. Er ist auch als Produzent mit an Bord.

Bei den Dreharbeiten hatte er in seiner Fotografenrolle echten Film in der Kamera. Seine Aufnahmen seien wirklich toll gewesen, lobte Regisseur Levitas. Depp seinerseits gab sich als ein Fan von Schnappschüssen zu erkennen: „Mich fasziniert es, wenn aus kleinen Unfällen Fotos werden“, sagte er und verschwand zu seiner abendlichen „Minamata“-Premiere.