Karl-Heinz Große-Vehne und sein Fahrrad zum Cruisen

hzFahrrad

Dieses Fahrrad ist einmalig: Karl-Heinz Große-Vehne aus Rhede hat es selbst gebaut und ist überzeugt, dass es deutschlandweit kein Zweites in dieser Bauart gibt.

von Carola Korff

Rhede

, 19.08.2020, 12:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Karl-Heinz Große-Vehne ist gerade dabei, für sein von ihm gebautes Fahrrad über einen Rechtsanwalt Designschutz zu beantragen. Auffälligstes Merkmal des Fahrrads: ein 240 Millimeter breiter Motorradreifen als Hinterrad. Vorne dagegen hat das Rad einen schmalen Fahrradreifen – und dazwischen ganz viel Platz. Denn der Rheder Hobbytüftler hat einen Chopper gebaut – als E-Bike.

Jedes Wochenende geschraubt

Sechs Monate habe er an dem Fahrrad gebaut und geschraubt, „Wenn man anfängt, kann man ungefähr planen, was man machen will“, sagt der Maschinenschlosser. „Aber dann kommt immer alles ganz anders.“ Jedes Wochenende verbrachte Große-Vehne in seiner Werkstatt am Peterskamp, wo er unter anderem eine Rohrbiegemaschine hat. Mit einem großen selbst gebauten Zirkel zeichnete er die benötigten Bögen auf den Boden auf und fertigte danach den Rahmen an.

Jetzt lesen

Das Hinterrad hatte der Rheder sich eigentlich noch breiter gewünscht. „Ich wollte einen 360er machen“, sagt er. Doch solche Reifen sind teuer. So blieb es vorerst beim 240er. Die Felgen dafür – zwei sind gegeneinandergesetzt – ließ er in der Werkstatt eines Bekannten nach seiner eigenen Zeichnung lasern.

Auch für den Sattel holte er sich Hilfe. Den Bananensitz polsterte dieses Mal ein Sattler. „Da sitzt man sehr bequem drauf“, sagt Große-Vehne. Beim Vorgängermodell, das er 2018 gebaut hat, hatte der Rheder den Sattel noch selbst gemacht. „Das ist nicht so gut geworden“, gibt er selbstkritisch zu.

Gestoppt wird mit einer Scheibenbremse. Die könnte noch etwas dicker sein, findet der Erfinder.

Gestoppt wird mit einer Scheibenbremse. Die könnte noch etwas dicker sein, findet der Erfinder. © Sven Betz

Mit seinen 35 Kilogramm Gesamtgewicht ist das Fahrrad mit reiner Muskelkraft kaum zu bewegen. Deswegen bekam es einen E-Motor und kann nun bis zu 24 Stundenkilometer schnell fahren. „Man tritt nur noch provisorisch, es fühlt sich an wie auf einem Mofa“, so Große-Vehne.

Um im Straßenverkehr den Überblick zu behalten, montierte der Rheder auch zwei Spiegel – weit unten an der Gabel. „Weil es einfach angenehmer ist, nach unten zu schauen“, so seine Begründung. Für die Stadt ist das Rad aber dennoch eher nicht geeignet, denn es liebt das Cruisen auf langen Geraden. Enge Kurven lassen sich mit dem Chopper weniger gut bewältigen.

Probleme beim Bau

Probleme habe es beim Bau immer wieder gegeben, sagt Große-Vehne. „Den letzten Tag werde ich nie vergessen.“ Denn Große-Vehne hatte sich eigentlich zur abschließenden Probefahrt auf sein Bike gesetzt, als ihm auf einmal der komplette Antrieb auseinanderflog. Der Grund: Die Achse war krumm. „Ich musste alles sieben-, achtmal auseinander- und wieder zusammenbauen, bis es endlich funktioniert hat.“

Aber von Rückschlägen lässt sich der 62-Jährige, in dessen Werkstatt unter anderem ein Windspiel, ein Becherhalter und eine Wasserstoffmaschine entstanden sind, nicht entmutigen. Und nachdem das Rad jetzt fertig und fahrtüchtig ist, hat Große-Vehne schon neue Pläne: vielleicht dieses Mal doch mit einem 360er-Reifen.

Lesen Sie jetzt