Kirk Douglas ist tot: Der letzte seiner Art

Schauspieler-Legende gestorben

Hollywood-Legende Kirk Douglas ist im Alter von 103 Jahren gestorben. Innerhalb der US-Kinoindustrie bewahrte Douglas stets seine Unabhängigkeit.

Hollywood

von Stefan Stosch

, 06.02.2020, 08:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
Kirk Douglas ist tot: Der letzte seiner Art

Kirk Douglas in seiner Paraderolle des Sklavenanführers „Spartacus“ (1960). © picture-alliance / obs

Der Auftritt ist schon wieder ein bisschen her. Aber was sind schon ein paar Jährchen, wenn man 103 wird? Jedenfalls enterte bei der Oscar-Verleihung 2011 ein zerbrechlich wirkender Herr die Bühne. Er stützte sich auf einen Stock, seine Stimme war schleppend als Folge eines Schlaganfalls. In Sachen Lässigkeit und leicht anzüglichem Humor aber stach er alle anderen Laudatoren aus.

Der Redner mit dem ausgeprägten Kinn zeigte noch einmal, was ein Hollywood-Haudegen alter Schule drauf hat. Das Publikum erhob sich für Kirk Douglas geschlossen von den Sitzen. Beinahe schien es, als sei da ein Fossil aus einer vergangenen Ära noch einmal quicklebendig in der Gegenwart aufgetaucht.

Seine Mitstreiter mit den klangvollen Namen aus goldenen Hollywood-Tagen sind längst abgetreten, Burt Lancaster, Humphrey Bogart, John Wayne, Robert Mitchum, Jack Lemmon, Barbara Stanwyck - neben der Douglas als Alkoholiker-Gatte 1946 in „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ im Kino debütierte.

Kirk Douglas: Weltkrieg, Hubschrauberabsturz und Schlaganfall

Aber Douglas, dieser körperbetonte Schauspieler mit den leuchtend blauen Augen, war immer noch da. „Ich habe den Zweiten Weltkrieg überstanden, einen Hubschrauberabsturz und zwei neue Kniegelenke“, hat er mal gescherzt. Der Schlaganfall, nach dem er das Sprechen erst wieder mühsam hatte lernen müssen, gehört ebenso in diese Aufzählung. Am Mittwoch ist Kirk Douglas gestorben, wie sein Sohn Michael Douglas mitteilte.

Er war vielleicht der letzte seiner Art. In seiner langen Karriere hat Douglas in mehr als 80 Filmen gespielt. Er war der Sklave Spartacus und der Maler Vincent van Gogh, Odysseus und Doc Holliday, der „Reporter des Satans“ und „Der Champion“ im Boxring, der für seine Männer eintretende Offizier im Anti-Kriegsfilm-Klassiker „Wege zum Ruhm“ und der skrupellose Filmproduzent in „Stadt der Illusionen“.

Ziemlich oft habe er „Kotzbrocken und Hurensöhne“ gespielt, hat er mal gesagt. Mit den Regisseuren Billy Wilder, Howard Hawks, Otto Preminger, Elia Kazan und natürlich mit Stanley Kubrick arbeitete er zusammen. Einen Oscar für einen bestimmten Film hat er nie gewonnen. Erst 1996 gab es für ihn eine Ehren-Trophäe fürs Lebenswerk. Kaum ein anderer steht so wie er für das alte Hollywood. Kaum ein anderer hat aber auch innerhalb des Systems so sehr auf seine Unabhängigkeit gepocht.

Kirk Douglas: Sein eigener Herr in Hollywood

Nur kurz zu Beginn seiner Karriere ließ er sich an ein Studio binden, dann gründete er sein eigenes und bestimmte fortan selbst über seine Auftritte. Auf der Leinwand strotzte der maskuline Douglas vor Kraft. Manchmal half er dabei ein kleines bisschen nach: Wollte er besonders schwungvoll auf ein Pferd springen, ließ er unauffällig ein Trampolin in Position bringen.

Als Kind armer jüdisch-russischer Einwanderer wurde Issur Danielowitsch Demsky am 9. Dezember 1916 im Armenviertel der Industriestadt Amsterdam im US-Bundesstart New York geboren. Er wuchs auf mit sechs älteren Schwestern. Seine (später erweiterte) Autobiografie von 1988 nannte er „Der Sohn des Lumpensammlers“.

Früh lernte er, sich durchzusetzen. Bevor Douglas am Broadway seine Schauspielkarriere begann, jobbte er als Kellner, Portier und auch als Jahrmarkt-Ringer. Der gefeierte Star Douglas wagte 1960 etwas, was für andere undenkbar war: In seiner Eigenschaft als „Spartacus“-Produzent nannte er den Namen Dalton Trumbo im Filmabspann, obwohl dieser Drehbuchautor ganz oben auf der schwarzen Liste des Kommunistenjägers McCarthy stand. Das kam damals einer Heldentat gleich.

Nach und nach durften nun auch andere aus der Verbannung zurückkehren. Heute ist Sohn Michael („Wall Street“) berühmter als Vater Kirk. Die beiden standen auch gemeinsam vor der Kamera, etwa in der Komödie „Es bleibt in der Familie“ (2003). Zuletzt lebte Kirk Douglas mit seiner zweiten Frau, der aus Hannover stammenden Anne Buydens, zurückgezogen in Beverly Hills. In der Öffentlichkeit zeigte er sich nur noch aus besonderem Anlass: Mit hellrosa Hemd und Sonnenbrille saß er im Rollstuhl auf dem Hollywood Boulevard, als Sohn Michael dort mit einem Stern verewigt wurd - nahe der Stelle, wo Kirk Douglas seit langem eine Plakette hatte.

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