Als Kostümbildassistentin war Nina Albrecht Teil des Teams des Jubiläums-Tatorts „In der Familie“. Uns hat sie einen Einblick in ihren beruflichen Alltag gewährt – der gar nicht alltäglich ist.

22.11.2020, 13:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der erste Teil des Jubiläums-„Tatort“ zum 50. Geburtstag der Reihe wird am 29. November ausgestrahlt. Der Film mit dem Titel „In der Familie“ wurde unter der Regie von Dominik Graf bereits im Herbst vergangenen Jahres unter anderem in Dortmund gedreht.

Zum Team hinter der Kamera gehörte dabei auch Nina Albrecht. Die 40-jährige aus Breckerfeld ist eigentlich Filmwissenschaftlerin, aber arbeitet seit 2006 hauptsächlich als Kostümbildassistentin für Film- und Fernsehproduktionen.

„In den Job bin ich damals über mein erstes Studium in Modedesign reingerutscht“, erzählt Nina Albrecht. Gut 80 Prozent der Filmschaffenden in diesem Bereich seien nach ihrer Einschätzung Quereinsteiger. Sie kämen zumeist aus der Modebranche und artverwandten Berufen. Sie selbst war erst bei kleineren Produktionen als Stylistin und Garderobiere dabei, bevor sie eine Fortbildung zur Kostümbildnerin absolvierte.

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Leben aus dem Koffer

Kostümbildassistentin ist ein Job, der – wie bei vielen anderen Filmschaffenden auch – ab und an die Bereitschaft erfordert, aus dem Koffer zu leben. Für die Tatort-Produktion bedeutete dies, dass Nina Albrecht ihren damaligen Hauptwohnsitz in Köln zeitweise gegen ein Hotelzimmer in Bochum eintauschen musste. Aber was genau macht eine Kostümbildassistentin eigentlich?

Von Fall zu Fall variiere das Aufgabenfeld des Berufsbildes laut Nina Albrecht durchaus stark. Das liege auch daran, dass die Kostümbildnerinnen der jeweiligen Produktionen die Organisation und Umsetzung ihrer Vorstellungen im unterschiedlichen Maße an ihre Assistenzen abgeben würden. Andererseits stelle jedes Projekt individuelle Anforderungen. Bei einem Science-Fiction-Film wären das natürlich andere, als bei einem Historien-Drama im Serienformat.

Grundsätzlich richte sich das Aufgabenspektrum auch an die Erfahrung, die die Assistentin mitbringe. Denn: Kostümbildner würden der Produktionsleitung oftmals die Leute vorschlagen, mit denen sie arbeiten wollten.

Bestehende Kontakte helfen

„Das Meiste läuft über bereits bestehende Kontakte in der Branche und kommt durch Leute zustande mit denen man bereits schon mal gearbeitet hat oder denen man empfohlen wurde“, so Albrecht.

So steht zu Beginn jedes Engagements - die Kostümbildassistenz arbeitet projektbezogen mit Zeitverträgen - zumeist ein Anruf der Kostümbildner oder Arbeitskollegen, die eine potenzielle Assistenz anfragen.

Bei Interesse an dem Job wird ein Kontakt zur Produktionsleitung hergestellt, Gage, Vertrag und eventuelle Unterbringung in Drehortnähe verhandelt. Im Falle des Jubiläums-Tatorts "In der Familie" ergab sich für Nina Albrecht die Mitarbeit über eine Kostümbildnerin mit der sie bereits 2018 für einen Film zusammengearbeitet hatte. Für die Produktion des Tatorts zeichnete die Firma X Film Creative Pool GmbH verantwortlich.

Enge Zusammenarbeit

„Bei der Tatort-Produktion war es so, dass die Kostümbildnerin schon mit längerem Vorlauf am Projekt arbeitete, als ich dann dazukam“, so Nina Albrecht.

In erster Instanz bedeutete das, dass die Kostümbildassistentin ein Büro am Produktionsstandort bezog.

In enger Zusammenarbeit mit Regisseur Dominik Graf sei dort erarbeitet worden, wie die Vorstellungen des Kostümbildes umgesetzt werden konnten. Von besonderer Bedeutung dabei sei wie in jedem Projekt natürlich das Budget gewesen, mit dem realisiert werden musste.

Um kostendeckend arbeiten zu können, stehen Kostümbildner und deren Assistenzen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung. Nicht nur der eigene Bestand, online und stationärer Handel oder spezialisierte Anbieter kommen dann zum Einsatz. Bei vielen Film- und TV-Produktionen in Nordrhein-Westfalen führt der erste Weg in den Fundus der Film- und Theater-Ausstattungs GmbH (FTA) - so auch beim Tatort.

Großer Fundus in Köln

Im Fundus auf dem Kölner Gelände des WDR finden sich mehrere Tausend Textilien, Schuhe, Kostüme und Accessoires, die gegen Mietgebühren ausgeliehen werden können.

Sind erst einmal alle Kostüme und Alternativen zusammengestellt gibt es erste Anproben im Vorfeld. Darsteller werden eingekleidet, fotografiert und über die möglichen Kostüme in der Ausstattungsabteilung beratschlagt.

„In dieser Phase kann sich kurzfristig noch einmal alles ändern, wenn zum Beispiel die Vorstellungen des Regisseurs andere sind“, so Nina Albrecht. Sofern die Outfits abgenommen wurden, geht's an Patinieren. Das heißt, dass Hand angelegt wird, um durch verschiedene Methoden der Kleidung einen gebrauchten Look zu verpassen. Auch werden, wenn nötig, einzelne Stücke umgearbeitet.

Arbeit auch nach Drehschluss

Mit Drehbeginn werden dann die vorbereiteten Kleidungsstücke und das Equipment der Kostümabteilung in eigens dafür ausgestattete Fahrzeuge verladen und täglich zu den Sets gebracht. Bei den Drehs sind Garderobieren vor Ort, um jederzeit für das gute Aussehen der Protagonisten vor der Kamera zu sorgen.

Werden Szenen wiederholt, dann sorgt das Team dafür, dass dazwischen die Kleidung wieder gut sitzt, fusselfrei ist oder kleinere Beschädigungen ausgebessert werden. Während des Drehs und nach Drehschluss geht auch Nina Albrechts Job weiter, denn geliehene Kleidung muss wieder in den Ursprungszustand gebracht und gewaschen, Retouren organisiert und Kostenabrechnungen aufgestellt werden.

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