Kreis Borken hat analysiert: Ansteckungen oft im privaten Bereich

Infektionsgeschehen

Der Kreis Borken hat sich die Zahl der Neuinfektionen genau angesehen und diese nun analysiert. Viele Ansteckungen kommen demnach über familiäre Kontakte zustande.

Kreis Borken

22.02.2021, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Viele Corona-Infektionen finden im häuslichen Umfeld statt.

Viele Corona-Infektionen finden im häuslichen Umfeld statt. © picture-alliance/ gms

Der Wert der 7-Tage-Inzidenz im Kreis Borken sinkt seit gut einem Monat nicht mehr. Er bewegt sich vielmehr „seitwärts“ in einem Korridor zwischen knapp unter 50 und mehr als 60 und das trotz des harten Lockdowns seit Mitte Dezember.

Kreis Borken hat genau hingesehen

Gründe für diese Entwicklung – auch im Vergleich zu den Nachbarkreisen – scheinen auf den ersten Blick nicht ersichtlich zu sein. Daher hat sich der Kreis Borken die über 400 Neuinfektionen im Kreis einmal ganz genau angeschaut.

Sicher nachweisen lassen sich Ansteckungsketten derzeit vor allem im familiären beziehungsweise privaten Bereich: „Das Zusammenleben in häuslicher Gemeinschaft führt immer noch zu den höchsten (Folge-)Infektionen. Mit steigender Tendenz!“

Nicht nachlässig werden

Zusammenhängende größere Infektionsgeschehen – etwa in Einrichtungen der Altenpflege oder im Krankenhaus – gebe es hingegen im Kreis aktuell kaum. Ein weiterer Teil der Infektionen finde oft auch über Kontakte am Arbeitsplatz oder bei Treffen „im kleinen Kreis“ statt.

Landrat Dr. Kai Zwicker appelliert daher eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger im Westmünsterland, bei den Kontaktbeschränkungen und den Abstands- und Hygieneregelungen nicht nachlässig zu werden. Auch Treffen und Zusammenkünfte im kleinsten Kreis, etwa um gemeinsam Fußballspiele im TV anzuschauen, hätten in den vergangenen Wochen zu einer schnellen Weiterverbreitung des Virus geführt.

Analyse des Kreises Borken

Im Zeitraum vom 1. bis zum 14. Februar gab es im Kreis Borken insgesamt 427 positive Befunde. Davon waren 376 durch Hausärzte veranlasst worden. Bei einer „Typisierung“ des beauftragten Labors in Schüttorf wurde in 61 der 376 positiven Fälle - also in rund 16 Prozent - die hochinfektiöse britische Mutante festgestellt.

Die übrigen 51 positiven Ergebnisse rührten aus den vom Kreisgesundheitsamt in diesem Zeitraum angeordneten 877 Testungen in der „Zentralen Abstrichstelle“ in Stadtlohn her. Mehr als die Hälfte davon wiederum stammen von Kontaktpersonen am Ende ihrer Quarantänezeit.

Ein Drittel steckt sich in der Familie an

88 Prozent aller Neuinfektionen sind über die Hausärzte bekannt geworden, die offensichtlich bei entsprechender Symptomatik konsequent Corona-Tests durchführen. Zudem konnten Infektionen durch konsequentes Testen von Kontaktpersonen zum Ende der Quarantäne erkannt und damit neue Infektionsketten unterbrochen werden.

Bei Betrachtung dieser Infektionsketten stellte sich heraus, dass für ein Drittel aller Infektionen das häusliche beziehungsweise familiäre Umfeld ursächlich war. Ein weiteres Drittel der Fälle war nicht aufzuklären, entweder weil die vorliegenden Sachverhalte keine weiteren Infektionszusammenhänge ergaben oder weil Aufklärung gar nicht möglich war (etwa aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten oder weil die Betroffenen aufgrund ihrer schlechten körperlichen Verfassung nicht ansprechbar waren). Jeweils 5 Prozent hatten ihre Ursache am Arbeitsplatz sowie in medizinischen Einrichtungen. Allen übrigen Infektionsfällen lag ein diffuses Geschehen zugrunde.

Schlussfolgerungen für den Kreis Borken

Für den Kreis Borken ergibt sich daraus laut Dr. Hörster, Sozial- und Gesundheitsdezernent der Kreisverwaltung, vor allem folgende Schlussfolgerung: „Das Risiko, sich in der häuslichen Gemeinschaft zu infizieren, ist weiterhin sehr groß – gerade auch mit gegenüber dem ‚Stamm-Virus‘ deutlich aggressiveren Virusmutanten.“

Das vom Labor in Schüttorf praktizierte Vorgehen der „Typisierung“ liefere keine hundertprozentige Gewissheit, sondern nur eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ für das Vorliegen einer Mutation, habe es geheißen. Die Auffassung des Kreises Borken dazu: Aufgrund der zu erwartenden Dauer ist eine Vollsequenzierung für das Infektionsmanagement in den Gesundheitsämtern völlig untauglich.

Viele Infektionsketten lassen sich nicht sicher nachverfolgen

„Leider lässt sich eine große Anzahl von Infektionsketten nicht sicher nachverfolgen“, bedauert Dr. Hörster. Ob und wie weit das gelingt, hänge schließlich maßgeblich auch vom Antwortverhalten der von den Kontaktermittlern des Kreisgesundheitsamtes befragten infizierten Personen und deren Kontaktumfeld ab.

Gehe es um die Frage nach möglichen Infektionsquellen, seien in vielen Fällen die Antworten ausweichend, gerade in Bezug auf das Freizeitverhalten und die Kontakte am Arbeitsplatz. „Insoweit ist die Analyse der Infektionsketten leider mit erheblichen Unsicherheiten behaftet“, konstatiert der Kreisdirektor. In etlichen Fällen habe sich erst im Nachhinein aufgrund weiterer bekanntgewordener Infektionen im Kollegen-, Freundes- oder Nachbarschaftskreis die Infektionskette nachvollziehen lassen.

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