Kreis Borken: Schon 3100 Firmen stellten Anträge auf Kurzarbeit

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Rund 20 Prozent der Firmen in den Kreisen Borken und Coesfeld haben wegen der Coronavirus-Krise vorsorglich schon mal einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt, so Arbeitsagentur und Kreishandwerkerschaft.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 01.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sich die am Dienstag veröffentlichten Zahlen zum Arbeitsmarkt anschaut, der könnte auf den ersten Blick auf die Idee kommen, es gebe gar keine Coronavirus-Krise in der Wirtschaft. Der aktuelle Monatsbericht verzeichnet mit 3,5 Prozent eine um 0,1 Prozentpunkte gesunkene Arbeitslosenquote für den Kreis Borken.

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Der Grund dafür: Die gestern veröffentlichten Zahlen der Arbeitsagentur sind schon gut zwei Wochen alt. „Der Stichtag für die aktuelle Datenerhebung war der 12. März. Das war kurz vor Beginn der Corona-Krise, also dem Zeitpunkt, ab dem die Maßnahmen der Politik die wirtschaftlichen Aktivitäten stark eingeschränkt haben“ schreibt Johann Meiners, Chef der Agentur für Arbeit in Coesfeld. „Aus statistischen Gründen werden die Zahlen für die Monatsberichte jeweils etwa in der Monatsmitte erhoben“, sagt dazu Matthias Pöpping, Pressesprecher der Agentur.

Damit könnten genauere Zeiträume miteinander verglichen werden als das bei sonst bei kurzen Monaten (wie dem Februar) und längeren (wie denen mit 31 Tagen) der Fall sei.

3100 Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet

Ein anderes Bild als der Monatsbericht zeichnet denn auch ein Überblick zum Thema Kurzarbeit, den die Agentur für Arbeit ebenfalls am Dienstag verschickte – und der auf Zahlen vom vergangenen Freitag fußt. Demnach haben bislang schon rund 20 Prozent der etwa 15.400 Betriebe im Arbeitsamtsbezirk Coesfeld (Kreise Borken und Coesfeld), also rund 3100 Betriebe, Kurzarbeit angemeldet. Wie viel Personen davon betroffen seien, könne man jetzt noch nicht sagen, so Pöpping, da für die vorsorgliche Anmeldung von Kurzarbeit keine „Kopfzahlen“ genannt werden müssten.

Wie groß das Ausmaß der Verunsicherung bei der Wirtschaft aber ist, verdeutlichte Pöpping mit Zahlen aus dem Jahr 2009, dem Jahr der Bankenkrise. Damals habe es 847 Anträge auf Kurzarbeit aus der heimischen Wirtschaft gegeben – und das im ganzen Jahr.

Weniger zu tun für ein Drittel der etwa 5200 Handwerksbetriebe

Auch die Kreishandwerkerschaft meldet unterdessen, dass rund ein Drittel der etwa 5200 Handwerksbetriebe in der Region von nachlassenden Kundenanfragen und Aufträgen betroffen ist. 29 Prozent der Betriebe gaben an, stark oder sehr stark von nachlassenden Auftragseingängen betroffen zu sein, so Hauptgeschäftsführer Christoph Bruns am Dienstag in einer Pressemitteilung. Befragt wurden rund 1700 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk.

Private Dienstleister am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen seien private Dienstleister wie etwa Friseure. Darüber hinaus auch das Nahrungsmittelgewerbe wie Bäcker und Fleischer und das Kraftfahrzeuggewerbe. Weniger betroffen sei das Bauhauptgewerbe, so Bruns. Hier sei mit stärkeren Auswirkungen erst später zu rechnen.

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Als gravierende Folge der Pandemie befürchten laut Bruns fast zwei Drittel der Befragten Liquiditätsengpässe in den kommenden Wochen. Rund 50 Prozent hätten Kurzarbeit vorgesehen oder schon angezeigt. Einen erhöhten Kreditbedarf zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise befürchten rund 40 Prozent der Handwerksbetriebe, so Bruns.

Er schätzt, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf das Handwerk im Kreis Borken bislang weniger stark sei als das generell in NRW oder auch im Ruhrgebiet der Fall sei. Gleichwohl sei es wichtig, dass die Betriebe in die Lage versetzt werden, ihre Liquidität aufrecht zu erhalten.

Kunden zeigen Verständnis

Die Soforthilfeprogramme des Landes und des Bundes seien hierzu eine wichtige Hilfe und auch stark nachgefragt. In Verbindung mit den vereinfachten Kurzarbeiterregelungen, Stundung von Steuerzahlungen und Sozialversicherungsbeiträgen seien wichtige Instrumente zur Liquiditätssicherung zur Verfügung gestellt worden. Laut Bruns arbeite das Handwerk – mit Ausnahme des bis zum 19. April eingestellten Friseur-Handwerks – derzeit auch weiter.

Er wirbt um Verständnis dafür, sollten aufgrund der Auswirkung der Corona-Krise Aufträge nicht fristgerecht ausgeführt werden können. „Die Handwerksbetriebe berichten darüber, dass sie in der Kundschaft hierfür in der Regel Verständnis erhalten. Auch kontrollierte Zugangsregeln bei Fleischern und Bäckern finden in der Kundschaft Akzeptanz“, sagt Bruns.

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