Labortests und Isolierung: So wappnet sich Deutschland gegen das Coronavirus

Ansteckende Lungenkrankheit

Nach dem ersten Nachweis des Coronavirus in Bayern steht fest: Die neue Lungenkrankheit aus China ist nun auch in Deutschland angekommen. Ist das ein Grund zur Panik?

Berlin

29.01.2020, 15:48 Uhr / Lesedauer: 3 min
Labortests und Isolierung: So wappnet sich Deutschland gegen das Coronavirus

Coronavirus-Infizierte werden auf den Isolationsstationen der Krankenhäuser behandelt. © dpa

Mediziner und Behörden hat es nicht überrascht: Das Coronavirus ist mit dem ersten Nachweis in Bayern nun auch in Deutschland angekommen. Die Gefahr, dass sich das neuartige Coronavirus hierzulande weiter verbreitet, sei aber „nach wie vor gering“, erläutert das Bundesgesundheitsministerium. Um das Risiko zur verringern, gibt es eingeübte Abläufe und Meldewege sowie erste Vorkehrungen für mögliche weitergehende Krisenmaßnahmen.

Inkubationszeit des Coronavirus beträgt zwei bis 14 Tage

Wenn es einen Verdachtsfall gibt, sind zunächst folgende Kriterien zu klären:

  • Zeigt sie oder er Merkmale einer Atemwegserkrankung wie Husten oder eine Lungenentzündung?
  • War sie oder er in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet in China wie der Region Wuhan?
  • Standen sie oder er in den vergangenen 14 Tagen in Kontakt mit einem Erkrankten?

Wenn ja, wird der Patient ärztlich untersucht, wobei Hygienemaßnahmen wie ein Schutz über Mund und Nase dazugehören. Hintergrund für den Zeitraum von 14 Tagen ist, dass die Inkubationszeit, also die Spanne zwischen Infektion und Beginn von Symptomen, in der Regel zwei bis 14 Tage beträgt.

Auswertung des Labortests dauert knapp fünf Stunden

Wenn Patienten mit solchen Verdachtskriterien zum Arzt gehen, sollten sie vorher anrufen. Dann könnten in der Praxis oder der Klinik Vorkehrungen gegen weitere Ansteckungen wie etwa Hygienemaßnahmen getroffen werden, wie das Ministerium erläutert. Bei der Untersuchung wird idealerweise je eine Probe aus den unteren und oberen Atemwegen entnommen. Denn das Virus ist etwa im Hustenauswurf nachweisbar.

Die Auswertung dauert knapp fünf Stunden. Hinzu kommt noch die Zeit für Kuriertransporte ins Labor. Bisher gebe es etwa eine Handvoll Labore, die Tests anbieten, sagt Lars Schaade vom Robert Koch-Institut (RKI).

Auch Verdachtsfälle sollten isoliert werden

Wenn das Coronavirus nachgewiesen wird, soll der Patient isoliert werden. Er wird dann in einem Einzelzimmer im Krankenhaus untergebracht und behandelt. Das Klinikpersonal muss Schutzkleidung tragen. Menschen, die engen Kontakt zu Betroffenen hatten, sind zu informieren und durch das zuständige Gesundheitsamt zu beobachten. Sie würden dann zunächst namentlich registriert, nach Symptomen gefragt, und es würden gegebenenfalls auch Labortests gemacht, erklärt der Berliner Virologe Christian Drosten.

Das RKI empfiehlt eine Isolierung im Krankenhaus auch, solange nicht klar ist, ob eine als Verdachtsfall eingestufte Person das Virus in sich trägt. Bei einem positiven Testergebnis würde die Isolierung dann bestehen bleiben.

Keine Impfung gegen das Coronavirus

Das Gesundheitsministerium verweist darauf, dass solche Maßnahmen 2002/2003 bei der ebenfalls von Asien ausgehenden Lungenkrankheit Sars funktioniert hätten. Eine Weiterverbreitung des Sars-Erregers, der auch aus einer Corona-Familie stammte, habe verhindert werden können. Damals gab es demnach am Ende neun wahrscheinliche Fälle in Deutschland, davon wurden vier positiv getestet. Zu Todesfällen kam es nicht. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der aktuellen Erkrankung gibt es nicht, die Symptome können aber mit Medikamenten abgemildert werden.

Labortests und Isolierung: So wappnet sich Deutschland gegen das Coronavirus

Eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus gibt es bislang nicht. © dpa

Aktuelle, amtliche Schutzvorkehrungen sehen vor, dass an einigen Flughäfen Informationsmaterial für ankommende Passagiere aus China vorbereitet wird. Dazu stimmen sich Gesundheitsbehörden der Flughäfen von Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, München und Berlin mit dem RKI und dem Bundesverkehrsministerium ab, wie das Gesundheitsministerium erklärt.

Infektionsschutzgesetz kann größere Menschenansammlungen verbieten

Im RKI ist eine Koordinierungsstelle eingerichtet worden, die sich auch mit den Länderbehörden abstimmt. Austausch gibt es zudem etwa mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und mit anderen EU-Ländern. Das Auswärtige Amt empfiehlt vorerst, nicht notwendige Reisen in die chinesische Region Wuhan zu verschieben.

Weitergehende, amtliche Schutzvorkehrungen sind grundsätzlich möglich. Ob sie notwendig sind, beurteilt das örtliche Gesundheitsamt „nach den konkreten Umständen des Einzelfalles“, wie das Ministerium erläutert. Das Infektionsschutzgesetz legt etwa fest, dass Länderbehörden Veranstaltungen und andere größere Menschenansammlungen beschränken oder verbieten können.

Badeanstalten und Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas, Heime und Ferienlager können ganz oder teilweise geschlossen werden. Behörden können Quarantäne für Menschen anordnen, die krank, krankheitsverdächtig oder ansteckungsverdächtig sind. Es kann ihnen untersagt werden, bestimmte Berufstätigkeiten auszuüben.

Spahn: Masern deutlich ansteckender als Coronaviren

Die zuständige Behörde kann prinzipiell auch Personen verpflichten, „den Ort, an dem sie sich befinden, nicht zu verlassen oder von ihr bestimmte Orte nicht zu betreten, bis die notwendigen Schutzmaßnahmen durchgeführt worden sind“. Insofern könnten damit grundsätzlich auch Grundrechte der Freiheit der Person, der Versammlungsfreiheit und der Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt werden. Aber: „Eine Heilbehandlung darf nicht angeordnet werden“, heißt es im Gesetz.

Von abgeriegelten Millionenstädten wie in China ist hierzulande nicht die Rede. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verweist etwa auf Masern, die deutlich ansteckender seien als das Coronavirus. „Und wir bekommen auch einen Masern-Ausbruch in Deutschland mit deutlich milderen Maßnahmen in den Griff, als wir sie derzeit in China sehen.“

RND/dpa

Lesen Sie jetzt