"Lakeview Terrace" mit Samuel L. Jackson als teuflischem Nachbarn

"Lakeview Terrace". Eine der besseren Wohngegenden in Los Angeles. Aber auch das Viertel, in dem der Schwarze Rodney King 1992 von Polizisten verprügelt wurde. Nicht von ungefähr trägt auch Neil LaButes Filmversuch über den Rassismus in den USA diesen Titel.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 01.01.2009, 14:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Lakeview Terrace" mit Samuel L. Jackson als teuflischem Nachbarn

»Bad Lieutenant« Abel Turner (Samuel L. Jackson) beobachtet skeptisch seine Nachbarn.

Rassismus mit umgekehrten Vorzeichen. Hier ist ein Afroamerikaner, noch dazu ein Polizist, der Mann mit dem größten Dünkel. Samuel L. Jackson spielt ihn gewohnt präsent, mit einer dunklen Aura, die sich zusehends auflädt. Zuerst denkt man, Abel Turner habe nur einen Ordnungsfimmel. Er führt ein strenges Regiment über seine Kinder, denen der Witwer die Mutter ersetzen muss.

Ein Blockwart, der nachts seine Runde dreht, pikiert die Zigarettenstummel vom Nachbarn aufliest und sich über Knutschereien in dessen Pool beschwert. Nachbar Chris (Patrick Wilson) und seine Frau (Kerry Washington) geloben Besserung. Doch Turner hat das gemischtrassige Pärchen auf dem Kieker und entlarvt sich immer mehr als "Bad Lieutenant" und teuflischer Nachbar. Er drangsaliert die beiden. Zerstochene Reifen sind erst der Anfang.Fall für den Nervenarzt

Was düstere Schwurbelmusik ankündigt, wird Gewissheit: Turner ist ein Fall für den Nervenarzt. Eine Zeit lang kann er sich hinter seinem Job als Polizist verschanzen, am Ende brennen ihm die Sicherungen durch.

Was Neil LaBute und seine Autoren liefern wollen, ist überdeutlich: Eine Fallstudie der alltäglichen Animositäten und Reibereien zwischen den Ethnien. Das Soziogramm von Paul Haggis' "L.A. Crash" im Thrillergewand. Das hätte ein brisanter Zwischenruf zum großen "Yes, We Can!" werden können.

Scheitert aber an der Hemdsärmeligkeit der Mittel. Psychologie hölzern, Didaktik grob, Dialoge vordergründig, Dramaturgie durchsichtig, das Szenario vom nachbarlichen Kleinkrieg seltsam gespreizt. Reißbrett-Film, der dem Leben nicht gerecht wird.

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