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Land macht 150 Millionen für Darlehen locker - sinnvoll oder eine Frechheit?

LÜNEN Die 396 Gemeinden und Städte und deren Sportvereine in NRW lechzen nach 150 Millionen Euro. Stimmt das wirklich? Diesen gigantischen Betrag stellt das Land in den nächsten drei Jahren den Vereinen und Kommunen für den Neubau und die Sanierung von Sportanlagen zur Verfügung - nicht als Geschenk, sondern in Form von verbilligten Darlehen.

von Von Bernd Janning

, 20.02.2008
Land macht 150 Millionen für Darlehen locker - sinnvoll oder eine Frechheit?

Udo Wiemer, Vorsitzender des VfB Lünen 08, hat Bedenken. "Es ist doch die Pflicht des Landes, die Arbeit der Sportvereine zu unterstützen." Er fordert Zuschüsse statt der Kredite.

"Benötigt wird nur ein Finanzierungsplan durch die Hausbank, die Antwort auf die Frage 'Wer und was ist förderungsfähig?' und der Antrag", erklärt Klaus Bielstein, Pressesprecher der für die Abwicklung zuständigen NRW.Bank. Er schlägt auf die Werbetrommel. "Die Darlehenszinsen sind sehr günstig, die Laufzeit beträgt 30 Jahre bei einer Zinsbindung von 20 Jahren und fünf tilgungsfreien Anlaufjahren."

Er müsste nicht werben. Denn nach eigener Angabe ist die Nachfrage "sehr heftig". Für Kommunen und große Vereine sind bis zu 10 Millionen Euro möglich, für den Vereine lägen aber eher 200.000 Euro im Wunschbereich, heißt es aus der Landeshauptstadt.

"Es ist billiges Geld, mit dem einiges bewegt werden könnte"

"Darüber sollte man nachdenken. Es ist billiges Geld, mit dem bei sinnvoller Planung einiges bewegt werden könnte", blickt Karl-Heinz Schulze, Fachwart Fußball im Stadtsportverband, gerade auf die Klubs im Lüner Süden, die künftig gemeinsam antreten könnten.

Aber der Funktionär hebt sofort warnend den Zeigefinger: "Das ist auch Wasser auf die Mühlen der Leute in unserer Stadt, die die Zuschüsse an die Sportvereine auf Null zurückfahren wollen. Wenn die Klubs Geld aufnehmen, braucht die öffentliche Hand nicht mehr zu zahlen."

"Ich muss mich da erst einlesen, um etwas Genaueres zu sagen", hält sich Udo Wiemer, Vorsitzender der Fußballer des VfB 08 Lünen, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiern, zurück.

"Es ist eine Frechheit, wenn sich Staat und Land so zurückziehen"

Um dann zu Bedenken zu geben: "Wir machen alles ehrenamtlich. Es ist doch die Pflicht des Landes und des Staates, die Arbeit der Sportvereine zu unterstützen. Es macht doch keinen Spaß mehr, wenn wir dafür auch noch einen Kredit aufnehmen müssen, für den wir womöglich noch persönlich haften. Es ist eine Frechheit, wenn sich Staat und Land so von Zuschüssen zurückziehen wollen."

Burkhard Körbl von der Sportverwaltung der Stadt Lünen sieht für Sportstätten auf Pump durchaus Chancen, hält sich aber auch bedeckt: "Wir brauchten mehr Vereine als den einen, der so zufasst." Damit dürfte er nur den BV Brambauer 13/45 meinen können.

"Die Stadt hat kein Geld. Wenn der Haushalt 2012 ausgeglichen ist, ist so etwas vielleicht möglich. Jetzt sollten Vereine, die fusionieren wollen, zuschlagen", gibt Körbl den Klubs mit auf den Weg.

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