Landschaftspark Nord in Duisburg: Abenteuerspielplatz und Lost Place

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Früher wurde in Duisburg Rohstahl in Massen hergestellt. Heute ist das alte Hüttenwerk ein Abenteuerspielplatz für die ganze Familie. Der Landschaftspark Nord lohnt mehr als einen Ausflug.

Duisburg

, 23.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor mir erhebt sich ein Monstrum aus Stahl und Beton. Über 70 Meter hoch. Rostige Rohre außen herum, verwinkelte und schmale Treppenaufgänge winden sich bis zur Spitze, die immer wieder zu Eingängen auf den einzelnen Etagen führen.

Was sich im Innern dieser alten Industrieanlage verbirgt, lässt sich von außen oft nur erahnen. Denn die Hallen, Emporen und Räume liegen im Zwielicht, werden von außen nur sparsam von der Spätnachmittagssonne erhellt.

In der alten Abstichhalle des Hochofen 5 erobern sich einige Bäume ihren Lebensraum zurück.

In der alten Abstichhalle des Hochofen 5 erobern sich einige Bäume ihren Lebensraum zurück. © Stachelhaus

Durchbrochen wird das industrielle Ambiente von einigen Bäumen, oder sind es Büsche, die sich ihren Platz in der alten Abstichhalle zurückerobert haben? Wurzeln, die im Laufe der Jahrzehnte mühsam durch den Beton getrieben wurden.

Die unglaubliche Hitze, die für die Arbeiter hier am Hochofen 5 im Landschaftspark Duisburg Nord Jahrzehnte zum Tagesgeschäft gehörte, lässt sich heute allenfalls noch erahnen. An den „luftigen“ Außenwänden zum Beispiel. Anders als bei einer Hauswand sieht das Mauerwerk hier aus wie ein Gitter.

Selbst im Winter waren die Temperaturen in der Abstichhalle mindestens sommerlich heiß. Der flüssige Rohstahl floss mit bis zu 2400 Grad aus dem Hochofen. All das ist lange vorbei.

Von der Schwerindustrie zur Naherholung

1985 ging der letzte Hochofen, Anlage Nummer 5, die modernste im Hüttenwerk Meiderich endgültig aus. Das 180 Hektar große Gelände wurde zu einem Lost Place (verlorenen Ort). Ok, das ist jetzt nur teilweise richtig. Denn ab 1988 startete die Nachnutzung mit der Gründung der Internationale Bauausstellung. Mit der Übergabe des Landschaftsparks Nord an die Öffentlichkeit am 17. Juni 1994 bekam der alte Stahlriese eine neue Bestimmung.

Rund eine Million Besucher zählt der „LaPaDu“ mittlerweile. Jährlich. Damit wäre der Lost-Place-Mythos dann auch endgültig zerstört. Der Flair aber bleibt. Bei jedem Besuch, hinter jeder Ecke, in jeder Halle. Nicht umsonst wurde die von Landschaftsarchitekt Peter Latz neu gestaltete Industrieruine 2015 von der britischen Zeitung „The Guardian“ zu einem der zehn besten Stadtparks der Welt gewählt.

In einer Reihe mit der „High Line“ in New York oder Park Güell in Barcelona. Rund um die Uhr und kostenfrei können sich Besucher selbst davon überzeugen, ob der von vielen liebevoll „Landi“ getaufte Park diesen Titel verdient.

Natur erobert Lebensraum zurück

Fakt ist, die Anlage bietet nicht nur spannende Einblicke in die Historie der sogenannten „Apotheke des Ruhrgebiets“. Den Spitznamen handelte das Hüttenwerk, sich wegen seiner breiten Produktpalette ein.

26 Jahre nach der Stilllegung hat sich auf dem schwer belasteten Boden eine breite Vielfalt von Pflanzen und Tieren ihren Lebensraum zurückerobert. Teilweise über Eisenerze „eingeschleppte“ Pflanzen gedeihen hier neben heimischen. Laut Biologischer Station Westliches Ruhrgebiet leben allein 450 verschiedene Arten von Blütenpflanzen im LaPaDu. Hinzu kommen mehrere Fledermausarten, Kreuzkröten, rund 100 Käferarten und mehr als 45 Vogelarten.

In dem von Peter Latz entworfenen Landschaftspark fühlt man sich als Besucher oft wie an einem Lost Place. Gefühlt hinter jeder Ecke warten neue Abenteuer.

In dem von Peter Latz entworfenen Landschaftspark fühlt man sich als Besucher oft wie an einem Lost Place. Gefühlt hinter jeder Ecke warten neue Abenteuer. © Stachelhaus

Der Landschaftspark wird so für Familien mit Kindern, Fotografen, Wissens- und Abenteuerhungrige zu einem einzigen großen Spielplatz. Egal ob die kleinen Aussichtsplattformen entlang des Klarwasserkanals, einzelne als Ausstellungsstücke aufgestellte Arbeitsgeräte, der Besuch aller im Park zu findenden Spielplätze, oder weite Panoramablicke von verschieden Aussichtspunkten. Ein ganzer Tag reicht nicht aus, um das komplette Angebot voll auszukosten.

Erlebnis für die ganze Familie

Weitere (kostenpflichtige) Freizeitangebote, etwa der Tauchgasometer, der Klettergarten des Deutschen Alpenvereins (DAV) oder der Hochseilgarten im und auf einem weiteren Hochofen sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Hier müssen, speziell in der sich ständig verändernden Coronalage, vorab Pläne gemacht werden. Kontakte zu den Anbietern sind auch auf der Homepage des Landschaftsparks www.landschaftspark.de zu finden.

Einige Spielgeräte der Spielplätze im Park muss man erst einmal finden.

Einige Spielgeräte der Spielplätze im Park muss man erst einmal finden. © Stachelhaus

Auch für den Ausblick auf der 70 Meter Aussichtsplattform von Hochofen 5 über das Ruhrgebiet gibt es zur Zeit etwas zu beachten. Um den Zugang für Besucher coronakonform zu ermöglichen, ist die Buchung einer speziell dafür angebotenen Führung Pflicht. „Hochofen exklusiv“ kostet 12 Euro pro Person und findet zwischen 11 und 18 Uhr je zur vollen Stunde statt. Tickets gibt es im Besucherzentrum am Haupteingang.

Die Vorteile: Historische Hintergründe gibt es gleich mit dazu. Die Gruppengröße von maximal 10 Teilnehmern sorgt für mehr Bewegungsfreiheit und Abstand auf der Aussichtsplattform. Die Nachteile: Die Plätze sind beschränkt und Besucher können die Aussichtsplattform nicht, wie sonst, kostenlos besichtigen.

Abendliche Lichtkunst verwandelt Industriepark täglich

Ein Highlight für laue Sommerabende ist die abendliche Lichtinstallation des britischen Künstlers Jonathan Park. Die Farben erinnern an die Funktionen der einzelnen Anlagenteile. Grün steht für Gas, Blau für Wasser und Rot für Feuer und Hitze. Ein Anblick, der nicht nur den geneigten Fotografen fasziniert. Achtung Dämmerungsschalter: Die Startzeit variiert. Das Werk erleuchtet an Wochenenden und Feiertagen vollständig, unter der Woche gibt es Minimalprogramm.

Bei Nacht zeigt sich der LaPaDu durch die Lichtinstallation von Jonathan Park noch einmal mit einem ganz anderen, bunten Gesicht.

Bei Nacht zeigt sich der LaPaDu durch die Lichtinstallation von Jonathan Park noch einmal mit einem ganz anderen, bunten Gesicht. © Stachelhaus

Konsequent hält sich bis heute die Legende, dass Urlaub und Naherholung im Ruhrgebiet nicht möglich sind. Viele Menschen die hier leben, wissen es schon lange besser. Der Landschaftspark Duisburg Nord als Ziel für einen Kurzurlaub in der Coronakrise? Warum eigentlich nicht?

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Auf zum LaPaDu

Anfahrt, Parkplätze und weiter Infos

  • Ein kostenfreier Parkplatz ist an der Emscherstraße 71, 47137 Duisburg. Die Emscherstraße gibt es in Duisburg zwei Mal. In Navigationssystemen werden häufig die Stadtteile Meiderich oder Hamborn angezeigt.
  • Mit dem ÖPNV ab Duisburg Hbf Richtung Dinslaken mit der Stadtbahnlinie 903 oder den Bussen 906 oder 910 bis zur Haltestelle „Landschaftspark Nord“. Von dort in die Emscherstraße (Fußweg ca. 10 Minuten). Hinweisschilder befinden sich direkt an der Haltestelle.
  • Die öffentlichen Grillplätze sind als Schutzmaßnahme vor dem Coronavirus zur Zeit gesperrt. Picknicken im Park ist erlaubt.
  • Die Gastronomie mit Biergarten am Haupteingang ist unter Coronaschutzmaßnahmen geöffnet. Am Wochenende kommen zudem Foodtrucks auf den Platz am Haupteingang des Parks.
  • Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Landschaftsparkswww.landschaftspark.de
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