Literaturfestival „Lit.Cologne“ trotzt dem Coronavirus

Warnung vor „Panikmache“

Viele Großveranstaltungen sind schon gecancelt worden, doch die Lit.Cologne in Köln soll wie geplant durchgezogen werden. Alles andere wäre unverhältnismäßig, sagt Festivalchef Rainer Osnowski.

Köln

07.03.2020, 10:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Literaturfestival „Lit.Cologne“ soll trotz Corona am Dienstag (10.3) in Köln starten.

Das Literaturfestival „Lit.Cologne“ soll trotz Corona am Dienstag (10.3) in Köln starten. © Rolf Vennenbernd/dpa

Das Literaturfestival Lit.Cologne soll trotz der Ausbreitung des Coronavirus wie geplant am Dienstag (10.3) starten. Die Lit.Cologne sei nicht mit Großveranstaltungen wie der Leipziger Buchmesse zu vergleichen, sagte der Festivalchef Rainer Osnowski der Deutschen Presse-Agentur.

Lit.Cologne: Rund 200 Lesungen an zwölf Festivaltagen

„Die Leipziger Buchmesse - um bei dem Beispiel zu bleiben - hat nach eigenen Angaben 300 000 Besucher, und die drängen sich an vier Tagen in den Messehallen. Unsere 100 000 Besucher verteilen sich auf rund 200 Lesungen an zwölf Festivaltagen. Das sind kleine Veranstaltungen, wie sie jeden Tag, ob in Theatern, Konzerthäusern, Opernhäusern, Kinos, tausendfach in Deutschland stattfinden.

Wenn man die absagen würde, dann müsste man das gesamte kulturelle Leben in der Bundesrepublik stilllegen. Das wäre völlig unverhältnismäßig.“ Es gebe keine Hinweise darauf, dass Besucher aus Angst vor einer Ansteckung nicht kommen wollten.

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Zusätzliche Hygienemaßnahmen

„Wir haben bisher nicht mehr als wohlgemerkt drei besorgte E-Mails bekommen“, sagte Osnowski. Es würden zwar Tickets bei Ebay verkauft, aber das sei jedes Jahr so. Die Karten würden zu höheren, nicht zu niedrigeren Preisen angeboten. Viele Veranstaltungen seien schon seit Wochen ausverkauft.

„Die unterschiedlichen Spielstätten, in denen wir zu Gast sind, machen jeden Tag Veranstaltungen und haben dementsprechend zusätzliche Hygienemaßnahmen ergriffen.“ Es sei nicht damit zu rechnen, dass eine größere Zahl von Besuchern aus dem besonders stark vom Coronavirus betroffenen Kreis Heinsberg kommen wollten.

Warnung vor „Panikmache“

„Wir wissen ja tatsächlich von jedem Besucher, der vorab gebucht hat, woher er kommt, und deshalb kann ich sagen, dass aus dem Kreis Heinsberg bisher nicht viele Menschen Tickets gebucht haben. Wobei die Leute aus Heinsberg ja auch vor Panikmache warnen - und dem würde ich mich anschließen.“

Einige Veranstaltungen sind auf Wunsch der Autoren abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verschoben worden. Es sind vor allem Mitwirkende aus dem Ausland, die unter den derzeitigen Umständen lieber nicht reisen wollen. So sei beispielsweise die Veranstaltung mit dem britischen Musiker Billy Bragg auf September verschoben worden, und die Schriftstellerin Deepa Anappara habe abgesagt.

Fortbestand des Literaturfestivals würde durch Absage gefährdet werden

Der ganz überwiegende Teil der Veranstaltungen werde aber wie geplant stattfinden. Das gleiche gelte für die anschließenden Signierstunden, es sei denn, der jeweilige Autor wolle davon absehen. „Das entscheiden wir dann aktuell am jeweiligen Tag.“

Im Fall einer Absage der gesamten Lit.Cologne wäre der Fortbestand des Literaturfestivals gefährdet, sagte Osnowski. „Das würde mit Sicherheit schwerwiegende Konsequenzen haben, denn die Kosten müssten wir tragen. Wir haben erfreulicherweise schon viele Solidaritäts-Bekundungen bekommen. Das zeigt, wie verwurzelt die Lit.Cologne hier in der Region ist.“

dpa

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