London: Freiwillige sollen für Impfstoff-Tests mit Corona infiziert werden

Coronavirus

Weltweit sind Forscher auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus: In London sollen Freiwillige mit dem Coronavirus infiziert werden – unter kontrollierten Quarantäne-Bedingungen.

London

25.09.2020, 08:32 Uhr / Lesedauer: 1 min
In London sollen Freiwillige für einen Impfstoff-Test mit dem Coronavirus infiziert werden.

In London sollen Freiwillige für einen Impfstoff-Test mit dem Coronavirus infiziert werden. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

In London sollen einem Bericht zufolge Menschen für Impfstoff-Tests absichtlich mit dem Coronavirus infiziert werden. Gesunde, erwachsene Freiwillige sollen dabei im neuen Jahr unter kontrollierten Quarantäne-Bedingungen dem Coronavirus ausgesetzt werden, nachdem sie einige Wochen zuvor einen potenziellen Impfstoff verabreicht bekommen haben, wie die „Financial Times“ unter Berufung auf Projektbeteiligte schreibt.

Man arbeite mit Partnern zusammen, um mithilfe von „Human Challenge“-Tests die Entwicklung von Impfstoffen zu beschleunigen, bestätigte ein Regierungssprecher in London.

Verfahren ist unter Wissenschaftlern umstritten

„Human Challenge Trials“ – so lautet der englischsprachige Fachbegriff – haben den Vorteil, dass die Wirksamkeit eines Impfstoff unmittelbar festgestellt werden kann. Im Gegensatz dazu sieht das übliche Verfahren vor, oft Zehntausende Menschen zu impfen und dann zu schauen, ob sich weniger Menschen auf natürliche Weise infizieren als in einer ungeimpften Kontrollgruppe.

"Human Challenge Trials" sind unter Wissenschaftlern allerdings umstritten. Einige betonen den großen Nutzen, den solche Studien für eine ganze Gesellschaft haben könnten. Andere äußern ethische Bedenken und verweisen auf enorme gesundheitliche Risiken, die die Infektion mit einem in vieler Hinsicht noch unerforschten Erreger wie Sars-CoV-2 haben könnte.

Erste Corona-Studie dieser Art am Menschen

Das federführend von dem Londoner Imperial College geleitete Projekt soll in der kommenden Woche offiziell vorgestellt werden und im Januar beginnen. Dem Bericht zufolge handelt es sich dabei um die ersten Versuche dieser Art weltweit. Über die US-amerikanische Organisation 1DaySooner, die sich für solche sogenannten Challenge-Studien am Menschen stark macht, sollen sich bereits rund 2000 Freiwillige für das Projekt gefunden haben. Bislang waren Pläne für solche Tests vor allem theoretischer Natur.

Etliche potenzielle Impfstoffe gegen das Coronavirus werden weltweit bereits getestet. Einige aussichtsreiche Vakzine befinden sich bereits in der wichtigen Testphase III, in der überprüft wird, ob das Mittel nicht nur verträglich, sondern auch tatsächlich wirksam ist.

RND/dpa