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Hakan Takil: Wahlrecht für alle nötig

LÜNEN Ludwigshafen. Erdogan. Stammtisch-Geraune. Die Fragezeichen hinter der Integration werden größer. Wir interviewten den Vorsitzenden des Migrationsrates, den 35-jährigen Deutsch-Türken Hakan Takil.

von Von Karl-Heinz Knepper

, 19.02.2008

Ludwigshafen. Was empfinden Sie außer Trauer und Mitleid? Takil: Mit dem Brand von Ludwigshafen umzugehen, ist eine schwierige Situation, zumal die Brandursache noch nicht feststeht.

Brandstiftung? Takil: Man muss abwarten, zu welcher Ursachenerklärung die Sachverständigen kommen. Nein, ich glaube nicht an einen ausländerfeindlichen Hintergrund.

Hat der Deutschland-Besuch des türkischen Regierungschefs Recep Tayyio Erdogan und seine umstrittene Köln-Rede der Integration genutzt? Takil : Unbedingt. Ich weiß, dass es auf deutscher Seite auch andere Stimmen gibt. Ich habe die komplette Rede gelesen und ich sage Ihnen, sie war der Integration dienlich.

Erdogan hat Assimilation als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Das hilft der Integration? Takil: Moment. Warten Sie. Wenn Assimilation, also Anpassung, die Preisgabe der kulturellen und religiösen Identität bedeuten sollte und das hat Erdogan gemeint, dann gebe ich ihm Recht.

Erdogan fordert türkische Schulen in Deutschland. Ein richtiger Weg? Takil : Ich interpretiere ihn so, dass er sowohl auf die Förderung der deutschen, als auch der türkischen Sprache in Migrantenfamilien setzt. Da haben wir teilweise erhebliche Defizite. Wissen Sie, halb deutsch und halb türkisch, das funktioniert nicht. Nicht in der Schule und nicht im Beruf.

Welches politische Signal geht von der Aufhebung des Kopftuch-Verbotes an türkischen Universitäten aus? Takil: Eine schwierige Situation, ja. Staatsgründer Atatürk wollte die vollständige Verschleierung vermeiden. Jetzt will sich die Türkei Europa annähern, will Mitglied der EU werden. Es sollte, finde ich, mehr individuelle Freiheit geübt werden. Aber ich gebe Ihnen Recht, als politisches Signal ist die Aufhebung des Verbotes durchaus zu sehen.

Fällt es Ihnen leicht, den "Lüner Dialog Integration" zu loben? Takil: Aber ja. Ein solcher Dialog war längst überfällig. Natürlich ist das ein langwieriger und schwieriger Prozess, der übrigens nur dann zum Erfolg führen kann, wenn er von möglichst allen Bürgern in dieser Stadt mitgetragen wird.

Sind Deutsche und Migranten zu gleichen Teilen verpflichtet, Integration zu gestalten? Takil: Ich bin zwar Mathematiker, aber ich will die jeweiligen Verantwortlichkeiten nicht in Zahlen gegeneinander aufrechnen.

Ein Arm trägt nicht zwei Körbe. Einseitig geht?s ja wohl nicht - oder? Takil : Natürlich nicht. Integration erfordert Anstrengung auf beiden Seiten. Das muss Akzeptanz und Anerkennung in der Bevölkerung finden.

Sie sind Vorsitzender im Migrationsrat. Wird das Gremium wahr- und ernst genommen? Takil: Dass das klar ist, wir sind kein Alibi-Verein. Wir sind als Migrationsrat ein wichtiger Mittler zwischen Bevölkerung, Politik und Verwaltung. Aber das eigentliche Ziel haben wir noch nicht erreicht.

Ich platze vor Neugierde. Takil: Was wir brauchen, ist ein kommunales Wahlrecht für alle, damit alle Einwohner, die hier leben, zu Teilhabern der politischen Willensbildung werden.

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