Luft beim Fotowettbewerb ist raus

Ausstellung „Bridges“

Der Fotowettbewerb „Bridges“ hat den Umbau der Emscher künstlerisch begleitet. 1300 Fotografien entstanden seit 2005 für dieses Projekt der Emschergenossenschaft. Zahlreiche Ausstellungen zeigten schöne und raue Szenen entlang der gigantischen Köttelbecke, die nun doch wieder ein Fluss wird. Doch nach zehn Jahren ist jetzt Schluss mit „Bridges“.

DORTMUND

, 08.07.2015, 13:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
"My German Diary" (Mein deutsches Tagebuch) nennt Fatih Kurceren aus Oberhausen seine ungeschönten Blicke auf die Wirklichkeit der Region.

"My German Diary" (Mein deutsches Tagebuch) nennt Fatih Kurceren aus Oberhausen seine ungeschönten Blicke auf die Wirklichkeit der Region.

Auftragsfotografie soll künftig den Wandel dokumentieren. Die letzten preisgekrönten Bilder aus dem Wettbewerb sind nun im Dortmunder Kunstverein zu sehen.

Und sie lassen ahnen, dass die Luft zum Schluss raus war. Haldenlandschaften, das Centro oder Kleingärten – die Themen der vier studentischen Auftragsarbeiten sind nicht neu, mögen sie auch noch so engagiert realisiert worden sein. Unter dem Motto „Chaos/Control“ überzeugen vor allem die beiden Preisträger, die jeweils die Hälfte des Preisgeldes von 15 000 Euro erhalten.

Multikulti-Gesellschaft

Fatih Kurceren aus Oberhausen zeigt mit „My German Diary“ die Multikulti-Gesellschaft sympathisch ungeschönt und genau. Ekkehart Bussenius aus Gelsenkirchen hat die Bausünden des Ruhrgebietes angeblitzt – ein glamourös-schäbiger wie aufschlussreicher Anblick.

Wirklich verblüfft steht der Besucher aber vor der Konzeptarbeit von Axel Braun, der neben einem Video des Emscher-Umbaus ein Stück „übrig gebliebene“ Emscher im Kaisergarten Oberhausen abgelichtet hat. Geist der neuen Zeit

Worte von 1910

Abgetrennt vom Hauptlauf und als Teich gehegt, erinnert diese Idylle daran, wie schön der Fluss einst war und hoffentlich wieder sein wird. Daneben stehen Sätze, die 1910 in der Essener Volkszeitung zu lesen waren:

„Von älteren Leuten ist darüber geklagt worden, dass alles so gekommen ist. Sie sagen, die Industrie habe dem Emschertal die intimsten Reize genommen. Wir können diese Anschauung wohl verstehen, halten sie aber nicht für berechtigt. (...) Bei ihrem Anblick fühlt jeder, dass eine neue Zeit im Werden ist und wer in diesen Bannkreis tritt, wird vom Geist der neuen Zeit ergriffen.“

Übrigens: 2020 soll der Emscher-Umbau fertig sein.

: „Chaos / Control“, bis 12.7., Park der Partnerstädte (neben dem U-Turm), Di-Fr 15-18, Sa/So 11-16 Uhr.

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