Mann aus Hamm (56) soll Kinder missbraucht und Freiern vermittelt haben

hzLandgericht Dortmund

Ein Mann aus Hamm (56) soll mehrere Kinder und Jugendliche missbraucht und an Freier vermittelt haben. Er steht nun in Dortmund vor Gericht. Vorgeworfen werden ihm noch andere Dinge.

Hamm

, 14.04.2020, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 56-jährigen Mann aus Hamm eine Vielzahl von sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche vor. Einem Jungen soll er über Monate hinweg immer wieder Unterschlupf gewährt haben, weil dieser oftmals nicht nach Hause wollte.

„Die Angeklagte nutzte die familiäre Ausnahmesituation für seine Zwecke aus“, heißt es in der Anklageschrift. Andere Betroffene sollen von dem Mann auch dazu gedrängt worden sein, sich gegen Bezahlung an verschiedene Freier vermitteln zu lassen.

Angeklagter will später aussagen

Der 56-Jährige wollte sich zu Beginn der Verhandlung noch nicht zu den Vorwürfen äußern. „Wir werden aber zu den einzelnen Punkten detailliert Stellung nehmen“, erklärte Verteidiger Norbert Velser am Dienstag. Für den Prozess rechnet die 31. Jugendschutzkammer des Dortmunder Landgerichts bereits jetzt mit Fortsetzungstagen bis Juli.

Im Verlauf der Verhandlung wird sicherlich auch das schillernde Vorleben des Angeklagten zur Sprache kommen. Der Mann arbeitete bereits als Plastinator und Politiker und schmückt sich gerne mit mehreren Professoren- und Doktortiteln. Diese haben ihm auch schon eine Verurteilung durch das Amtsgericht in Hamm eingebracht.

Vorstrafe wegen Titelmissbrauchs

Jetzt steht für den 56-Jährigen natürlich weitaus mehr auf dem Spiel als nur eine Geldstrafe wegen Titelmissbrauchs. Im Fall einer Verurteilung müsste der Angeklagte sicherlich mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Neben den sexuellen Übergriffen und dem Betreiben einer Internetseite mit pornografischem Inhalt wird dem Mann auch der Besitz einer Schreckschusspistole vorgeworfen. Eine solche soll bei einer Durchsuchung seines Autos im Sommer 2019 sichergestellt worden sein. Laut Anklage war die Waffe mit fünf Pfefferpatronen geladen.

Anwalt des Opfers schließt Spätfolgen nicht aus

Der Hammer Rechtsanwalt Ralph Reckmann hat keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Reckmann vertritt als Nebenklageanwalt mehrere Kinder und Jugendliche. „Es geht ihnen den Umständen entsprechend nicht schlecht“, sagte er am Rande des ersten Verhandlungstages. Es sei aber natürlich klar, dass alle Angst davor hätten, dem Angeklagten bei ihrer Zeugenaussage vor Gericht wieder zu begegnen.

Darüber hinaus, so Reckmann, könne man natürlich niemals sagen, wie sich die psychische Situation seiner Mandanten in Zukunft entwickele. „Manchmal kommen die Probleme erst nach einiger Zeit zum Tragen“, so der Opferanwalt. „Und natürlich sind auch Spätfolgen nie auszuschließen.“

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