Mannheimer Studie: „Social Distancing“ geht drastisch zurück

Coronavirus

Seit mehreren Wochen gelten die Kontaktbeschränkungen von Bund und Ländern. Die Bereitschaft, auf private Treffen zu verzichten, geht in der Bevölkerung deutlich zurück.

Mannheim

15.05.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Private Treffen nehmen laut der Mannheimer Studie weiter zu.

Private Treffen nehmen laut der Mannheimer Studie weiter zu. © picture alliance/dpa

Die anfangs bestehenden Beschränkungen der privaten Kontakte auf den eigenen Haushalt und Treffen mit einer haushaltsfremden Person wurden inzwischen gelockert. Dennoch betonen Wissenschaftler und Politiker stets, dass das Social Distancing eine der erfolgversprechendsten Methoden ist, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und eine Ausbreitung zu verhindern. Daher zielen die Maßnahmen, die von den Regierungen ergriffen werden, besonders auf die Verringerung sozialer Kontakte ab.

In der neuesten Erhebung der „Mannheimer Corona-Studie“ wird jetzt deutlich, dass nur noch knapp die Hälfte der Menschen auf private Kontakte verzichten, als noch Ende März. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Universität Mannheim zur Lage vom 20. März bis 13. Mai 2020 hervor. Zu Beginn der Studie verzichteten noch 40 Prozent auf private Treffen, heute sind es nur noch 23 Prozent der Bevölkerung.

Deutlicher Anstieg von privaten Treffen

Im Verhältnis zu Vor-Corona-Zeiten ist noch immer eine deutliche Verringerung der privaten Kontakte zu beobachten. Fanden Treffen mit Freunden, Verwandten oder privat mit Arbeitskollegen vor den Corona-Maßnahmen bei 10,9 Prozent noch täglich statt, traf sich die Mehrheit mehrmals in der Woche mit anderen (41 Prozent) oder einmal pro Woche (30 Prozent). Lediglich 15 Prozent trafen sich innerhalb einer Woche nicht mit Freunden und Verwandten.

Ein Blick auf die Häufigkeit der Treffen mit Freunden, Verwandten oder Kollegen in den vergangenen sieben Tagen (Stand 13. Mai 2020) zeigt, dass sich nur noch 3,2 Prozent der Befragten täglich mit anderen treffen, 25 Prozent mehrmals in der Woche, 48 Prozent einmal und 23 Prozent gar nicht.

Vergleicht man diese Werte jedoch mit dem Stand von vor zwei Wochen für den gleichen sieben Tage Zeitraum (23.-29. April), ergibt sich folgendes Bild: Tägliche Treffen fanden bei 2,2 Prozent statt, mehrmals in der Woche bei 16,5 Prozent. Etwa 39 Prozent trafen sich einmal die Woche und 42 Prozent verzichteten gänzlich auf private Treffen.

Sorge um wirtschaftlichen Schaden nimmt zu

Während die Angst vor einer Ansteckung zurückgeht, nimmt die Sorge um die wirtschaftliche Lage in Deutschland zu. Ende März waren es noch 25 Prozent der Bevölkerung, die den wirtschaftlichen Schaden der Corona-Maßnahmen höher einschätzten als ihren gesellschaftlichen Nutzen. Stand 13. Mai erhöhte sich dieser Wert auf 40 Prozent.

Unter anderem aus diesem Grund verändert sich wohl auch die Akzeptanz der Bevölkerung für die Corona-Einschränkungen. Folgende Maßnahmen wurden zum prozentualen Teil befürwortet.

Über die Mannheimer Corona-Studie

Seit dem 20. März läuft die Mannheimer Corona-Studie inzwischen. Tagesaktuell werden sozioökonomische Zahlen im Zusammenhang mit der Corona-Krise erhoben und wie sie das Leben der Menschen in Deutschland beeinflusst.

Durch tägliche Abfragen werden hierbei Aspekte wie Kinderbetreuung, Arbeitssituationen und verfügbares Einkommen oder Ängste, sowie die gesellschaftliche Akzeptanz der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ins Visier genommen.

Dabei baut die Mannheimer Studie auf der Methodik und Infrastruktur des German Internet Panels (GIP) auf. Das GIP basiert dabei auf einer Zufallsstichprobe der allgemeinen Bevölkerung in Deutschland und wird seit 2012 regelmäßig durchgeführt.

RND

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