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Seit fünf Jahren gibt es den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Seither sind in der Region tausende neue Plätze entstanden, aber die reichen nicht. Das hat nicht nur finanzielle Gründe.

Dortmund

, 31.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Als am 1. August vor fünf Jahren der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz kam, fürchteten viele eine Klagewelle. Die blieb aus. Weil die Städte und Gemeinden der Region die Zahl der Kita-Plätze massiv ausgebaut haben und weil es ihnen in aller Regel gelang, sich in kritischen Fällen auch über Tagespflegeplätze mit den Eltern zu einigen.

Aktuell erreicht beispielsweise Dortmund bei U-3-Kindern eine Versorgungsquote von 33 Prozent, 38 Prozent ist das selbst gesteckte Ziel. Bei den älteren Kindern kommt die Stadt auf eine Quote von 91 Prozent, liegt aber bei beiden Quoten weiter unter dem Landesdurchschnitt. Das hängt unter anderem mit der unerwarteten Bevölkerungsentwicklung und dem Anstieg der Geburtenquote zusammen, erläutert Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger auf Anfrage der Redaktion.

Bau von 17 neuen Kitas in Dortmund geplant

Unterm Strich reicht der bisherige Ausbau trotz aller bisherigen Anstrengungen nicht. Das trifft auf praktisch alle Städte und Gemeinden der Region zu. So sollen beispielsweise allein in Dortmund innerhalb der nächsten zwölf Monate 1801 Plätze in 17 neuen Kitas geschaffen werden. Und auch das, so Schneckenburger, ist noch nicht genug.

In ganz NRW hat sich seit 2013 die Versorgungsquote bei U-3-Kindern von 33,1 auf 38,1 Prozent erhöht, teilt das Nordrhein-westfälische Familienministerium mit. So gebe es jetzt 191.300 Betreuungsplätze für U-3-Kinder – 12.000 mehr als vor einem Jahr. Klagen auf einen Kita-Platz gab es auch landesweit nur sporadisch: „Es ist nicht so, dass jede Kommune mit einer Klagewelle überzogen wurde“, sagt etwa Matthias Menzel, Hauptgeschäftsführer beim Städte- und Gemeindebund NRW.

Detaillierte Informationen zu einzelnen Städten oder Kommunen finden Sie hier.

„Kita-System ist strukturell unterfinanziert“

Der Bedarf an neuen Plätzen ist nach Ansicht von Familienminister Joachim Stamp gleichwohl weiter groß. Steigende Geburtenzahlen und Zuzüge von Flüchtlingsfamilien seien Hauptgründe. In diesem Zusammenhang übt der Minister harsche Kritik an der rot-grünen Vorgängerregierung in Düsseldorf: „Die hat uns mit der strukturellen Unterfinanzierung des Kita-Systems eine Großbaustelle hinterlassen.“

In vielen Kitas hätten sich große Defizite aufgebaut. Die „unzureichende Finanzierung der Betriebskosten“ habe den Ausbau der Plätze behindert. „Diese Abwärtsspirale wollen wir mit der dringend notwendigen Kibiz-Reform (Anm.: Kinderbildungsgesetz), die ab dem Kindergartenjahr 2020/ 2021 greifen soll, nun durchbrechen“, kündigt Stamp an.


Kommunen übernehmen freiwillig den Träger-Anteil

Eine solche Reform ist dringend notwendig, sagt Matthias Menzel vom Städte- und Gemeindebund. „Es gibt nach wie vor ein Defizit im System. Hier wünschen wir uns, dass sich Bund und Land nachhaltig an der Finanzierung beteiligen“, sagt Menzel und verweist auf einen speziellen Aspekt: Bei Trägern wie Kirchen liegt der Eigenanteil bei 12 Prozent. Wenn der Träger den Eigenanteil nicht mehr tragen will oder kann, müsste die Kommune als Träger auftreten – deren Eigenanteil läge aber bei 21 Prozent. Da ist es für eine Stadt günstiger, den Trägeranteil auch noch zu tragen. Das verursache landesweit für Städte und Kommunen zusätzliche Kosten von „deutlich mehr als 200 Millionen Euro im Jahr zusätzlich“, sagt Menzel.

Auch Dortmund macht das so und zahlt für alle seit 2011 neu geschaffenen Kita-Plätze freier Träger deren Eigenanteil. Insgesamt trägt die Stadt von 165 Millionen Euro jährlicher Betriebskosten 83 Millionen Euro – fast 50 Prozent.


Erzieherinnen sind zur Mangelware geworden

Abgesehen vom Geld gibt es ein weiteres Thema, das die Kindergartenlandschaft beschäftigt: der Mangel an Erzieherinen und Erziehern. „Hier muss bei der Ausbildung was passieren“, sagt Menzel vom Städte- und Gemeindebund. Ähnliches fordert Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags: „Es müssen zusätzliche Fachkräfte gewonnen und ausgebildet werden. Die Fachschulen müssen ihre Kapazitäten ausbauen und bundesweit eine kostenfreie Ausbildung anbieten.“

Zum Hintergrund: Bisher gibt es zwei Ausbildungswege: Der traditionelle läuft über eine Fachschule. Dort folgt auf eine dreijährige Fachschul-Ausbildung ohne Vergütung ein bezahltes Anerkennungsjahr.

Bei einer dualen Ausbildung gibt es vom ersten Jahr an eine Ausbildungsvergütung. Man werde, so kündigte Familienminister Stamp an, als Landesregierung die Umstellung auf eine dualisierte Ausbildung prüfen.

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