„Meister-Titel ist auch Orientierungshilfe“

hzHandwerk im Kreis Borken

Die Kreishandwerkerschaft hält die erneute Änderung der Handwerksordnung aus mehreren Gründen für einen Schritt in die richtige Richtung. Ab 2020 hat der Meistertitel wieder mehr Bdeutung.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 20.12.2019, 11:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob Parkettleger, Fliesenleger, Raumausstatter oder Orgelbauer: Wer ab Jahresbeginn 2020 einen eigenen Betrieb in diesen und einigen anderen Branchen gründen will, der braucht wieder einen Meister-Titel. Eine Ausnahme: Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen ihr Handwerk weiter selbständig ausüben.

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Das hat in der vergangenen Woche der Bundestag beschlossen – und damit eine weitreichende Gesetzesänderung aus dem Jahr 2004 zumindest teilweise wieder zurückgenommen. Damals hatte die rot-grüne Bundesregierung den Wegfall der Meisterpflicht für dutzende Berufe abgeschafft, um einfachere Tätigkeiten für Selbständige zu öffnen, wie es hieß.

2004 war die Meisterpflicht in vielen Berufen abgeschafft worden

„Die Wiedereinführung der Meisterpflicht wird von uns begrüßt“, kommentiert Christoph Bruns, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, diese Entscheidung. Er hält die erneute Änderung der Handwerksordnung aus mehreren Gründen für einen Schritt in die richtige Richtung. Bruns erklärt am Beispiel der Fliesenleger auch, warum: In dieser Branche habe es Ende 2003 knapp 50 Betriebe im Kreis Borken gegeben. Diese Zahl sei nach dem Wegfall der Meisterpflicht auf über 300 angestiegen. Ausbildungsplätze und zusätzliche Arbeitsplätze seien bei den Unternehmen aber kaum entstanden.

„Das sind in der Regel Ein-Mann-Betriebe, die nicht gewachsen sind“, sagt Bruns, der für rund 5250 Betriebe mit 45.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern und 4500 Azubis spricht. Es habe sich aber nicht nur die Hoffnung auf viele neue Arbeitsplätze zerschlagen, sondern auch die Hoffnung der Politik, der Markt werde sich selbst regulieren. So etwas allein den Kunden zu überlassen, funktioniere nicht.

Meister-Titel bieten Orientierungspunkte

Denen fehlten Orientierungspunkte, wie sie etwa ein Meister-Titel biete. Bruns verweist auch darauf, dass die Zahl der Streitigkeiten in der Branche zugenommen habe und spricht von einem „Prozess der De-Qualifikation“.

Unabhängig von der Branche seien Meister-Betriebe im Vorteil, weil deren Chefs in praktischer, fachlicher und rechtlicher Hinsicht gut ausgebildet würden, betont der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Das schlage sich auch in den langfristigen Aussichten solcher Unternehmen nieder: Laut Bruns bestehen Handwerks-Betriebe, deren Inhaber einen Meistertitel hat, im Durchschnitt zwischen acht und zehn Jahren, solche ohne Meisterpflicht nur vier.

Auch für die Beschäftigten sei es von Vorteil, in Meister-Betrieben zu arbeiten: „In qualifizierten Betrieben kann auch ein gerechter Lohn gezahlt werden.“

Auch Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird begrüßt

Bruns begrüßte im Gespräch mit unserer Zeitung auch, dass die Bundesregierung mit dem ab März 2020 geltenden Fachkräfteeinwanderungsgesetz den Zuzug von akademisch und beruflich qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland erleichtern und regeln will. Angesichts des Fachkräftemangels auch im heimischen Handwerk „dürfen wir kein Reservoir außer Acht lassen“, sagt Bruns. Er spricht sich auch dafür aus, dass mögliche Zuwanderer am besten schon Deutschkenntnisse mitbringen.

„Grundlegende Sprachkenntnisse wären gut. Schließlich ist die Sprache das A und O“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

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