Menschen-Kino zwischen Winzerkunde und Gelassenheit

Seit Donnerstag: "Der Wein und der Wind"

Nach dem Tod des Vaters müssen die Kinder Jean, Juliette und Jérémie das Weingut bewirtschaften. Das geht nicht ganz ohne Reibereien. Cédric Klapischs „Der Wein und der Wind“ spielt im Burgund und träufelt dem Kinogänger im Verlauf der Geschichte eine gute Portion Winzerkunde ein, ganz unangestrengt und lässig.

15.08.2017, 13:34 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jean (Pio Marmai) und Juliette (Ana Girardot) stehen zwischen den Reben des elterlichen Weingutes.

Jean (Pio Marmai) und Juliette (Ana Girardot) stehen zwischen den Reben des elterlichen Weingutes.

Jean ist zurück, zehn Jahre war er im Ausland. Schwester Juliette freut sich, der Bruder ist stinkig, weil Jean nicht zur Beerdigung der Mutter kam. Die Geschwister stehen zwischen den Reben, schätzen ab, ob es regnen wird, und setzen den Tag der Lese fest. Der entscheidet über den Charakter des Tropfens wie die spätere Behandlung im Weinkeller.

Es liegt an Juliette (Ana Girardot), dem Jahrgang einen Charakter zu geben, von dem das Überleben des Weingutes abhängt. Der Film begleitet sie und die Brüder Jean (Pio Marmai) und Jérémie (Francois Civil) durch ein Jahr mit den Reben – Einbringen der Trauben, Rückschnitt im Herbst, erste Triebe im Frühjahr.

Respekt für Handwerk des Weinmachens

Wir lernen so einiges über den Beruf des Winzers, die Geschwister pflegen eine Beziehung zu dem Land, dem Boden, den Trauben, denen schon die Großeltern einen guten Wein abgewannen. Wie sagt Jean, der vorher in Australien Winzer war: „Dort machen wir Wein und denken zwei, drei Jahre im Voraus. Im Burgund planen wir für 20 Jahre.“

Winzer ist nicht irgendein Brotberuf, für Juliette ist es Herzenssache und Leidenschaft. Man spürt, wieviel Respekt und Liebe Cédric Klapisch dem Handwerk des Weinmachens entgegenbringt. Sein Film ist aber mehr als ein gelehriger Wein-Almanach.

Menschen-Kino mit optimistischer Gelassenheit

Er erzählt von den Reibereien in einer Familie, von finanziellen Nöten, von Jeans Beziehung zu Frau und Kind in Australien, von Jérémies Ehe mit einer Winzertochter, vom alltäglichen Hickhack abseits schöner Wein-Philosophie. Einige Oechsle-Grade Naturmeditation sind auch dabei.

Alles geht wunderbar zusammen. Die Konflikte leuchten ein, nichts wirkt hingebogen, die Figuren atmen. Geschwister trösten und helfen sich. Melancholie steht neben Heiterkeit, dominierend ist ein Grundton optimistischer Gelassenheit. Kluges, wahrhaftiges, absolut sympathisches Menschen-Kino.

 

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