Mieter gefesselt, gequält und totgeprügelt: Foltermord-Prozess startet

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Mehr als ein Jahr nach dem Fund einer grausam zugerichteten Männerleiche in Recklinghausen beginnt in der nächsten Woche am Bochumer Schwurgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Bochum

, 11.05.2020, 16:22 Uhr / Lesedauer: 1 min

Angeklagt ist ein Obdachloser, der sich offenbar zwischendurch immer mal wieder als Mitbewohner in der Wohnung des späteren Opfers (33) im Paulusviertel von Recklinghausen aufgehalten hat. Der 40-Jährige wurde bereits neun Tage nach dem Fund der Leiche wegen dringenden Tatverdachts (gestützt auf DNA-Spuren und belastende Zeugenaussagen) festgenommen und sitzt seitdem eine noch nicht verbüßte Haftstrafe aus einer Vorverurteilung ab. Nach Angaben seines Verteidigers Jens Tuschhoff (Oer-Erkenschwick) streitet der Angeklagte eine Tötung von Anfang an vehement ab.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft dagegen ist fest davon überzeugt, dass der 40-jährige Angeklagte den Wohnungsmieter am 7. April 2019 bei einem Streit um die Preisgabe eines Drogenverstecks grausam getötet hat. Laut Mordanklage hat der Verdächtige den 33-Jährigen zuerst mit einem Antennenkabel an den Händen gefesselt.

Dann soll er dem Mann mit der heißen Glühbirne einer Stehlampe das Gesicht verbrannt und schließlich mit dem Fuß der Lampe immer wieder brutal auf sein Opfer eingeschlagen haben, bis der Mieter qualvoll verblutete. Danach, so der Vorwurf, soll der 40-Jährige aus der Wohnung Bargeld, Drogen und das Handy des Opfers mitgenommen haben und untergetaucht sein. Einer Zeugin soll er angeblich gestanden haben, eine Schlägerei gehabt und jemanden umgebracht zu haben.

Die Anklage lautet auf Mord und Raub mit Todesfolge

Rechtsmediziner stellten bei dem Todesopfer später unter anderem zahlreiche Trümmerbrüche im Gesicht und zudem ein fast abgetrenntes Ohr fest. Entdeckt worden war der schrecklich zugerichtete Leichnam des 33-Jährigen von einem Angehörigen, der am 10. April 2019 aus Sorge in der Wohnung nachgeschaut hatte.

Die Anklage lautet auf Mord und Raub mit Todesfolge. Für den Prozess sind am Bochumer Schwurgericht vorerst noch zwölf Verhandlungstage bis zum 11. September anberaumt. Im Falle einer Mordverurteilung könnte eine lebenslange Haftstrafe verhängt werden. Stand jetzt geht die Bochumer Staatsanwaltschaft aber mit Blick auf eine Alkohol- und Drogensucht bei dem Angeklagten bereits von verminderter Schuldfähigkeit aus.

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