Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Weiterer Verdächtiger festgenommen

Missbrauch

Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach gibt es einen weiteren Verdächtigen. Zudem hat ein Prozess gegen einen Mann begonnen, der Kinder aus dem familiären Umfeld missbraucht haben soll.

Bergisch Gladbach

18.09.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex ist ein weiterer Verdächtiger angeklagt.

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex ist ein weiterer Verdächtiger angeklagt. © picture alliance/dpa

Im Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauchsfall Bergisch Gladbach ist ein Mann in Sachsen-Anhalt festgenommen worden. Der 34-Jährige stehe im Verdacht, kinderpornografisches Material verbreitet zu haben, teilten die Staatsanwaltschaft Magdeburg und die Polizei Köln am Freitag mit. Um den Beschuldigten so schnell wie möglich festnehmen zu können, ließ der Kölner Einsatzleiter die Ermittlungsakte samt Beweismittel mit einem Polizeihubschrauber nach Sachsen-Anhalt fliegen.

Die Festnahme des Mannes sei bereits am Mittwoch im Harz erfolgt. Zum genauen Ort wurden keine Angaben gemacht. In der Wohnung des Festgenommenen stellten Polizisten den Angaben zufolge Kokain, Amphetamine und Ecstasy in nicht geringer Menge, mehrere Hieb- und Stichwaffen sowie PC-Technik und Datenträger sicher. Ein Haftrichter ordnete Untersuchungshaft an.

Die Kölner Beamten der Ermittlungskommission „Berg“ waren bei der Auswertung von Chats auf den Tatverdächtigen im Harz gestoßen. Da der Beschuldigte möglicherweise Zugriff auf ein Kind gehabt habe, sei Eile geboten gewesen.

Die Ermittlungskommission „Berg“ wurde gegründet, nachdem vorigen Oktober bei einem Familienvater im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach Unmengen an kinderpornografischem Material gefunden wurden. Ausgehend von diesem Fall fanden die Ermittler inzwischen mehr als 200 namentlich bekannte Verdächtige.

Über 20.000 kinderpornografische Bilder

Zudem steht im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ein 33-Jähriger seit Freitag wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Kölner Landgericht. Der Mann aus Bergisch Gladbach soll sich in einem sozialen Medium als 16-Jähriger ausgegeben und mit zwei elfjährigen Mädchen Nacktbilder ausgetauscht haben. Zudem soll er sie aufgefordert haben, sich beim Vornehmen sexueller Handlungen zu fotografieren und zu filmen.

Ein weiterer Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf bandenmäßiges Verschaffen und Verbreiten von Kinderpornografie in einer Chatgruppe mit bis zu 70 anderen. Die mutmaßlichen Opfer stammen laut Anklage aus dem familiären Umfeld des 33-Jährigen. Bei dem Mann seien mehr als 20.000 kinderpornografische Bilder und mehr als 3000 Videos gefunden worden, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Ermittlungen seit Herbst 2019

Der Angeklagte ließ über seinen Verteidiger erklären, dass er „bis auf Weiteres zu den Vorwürfen“ schweigen wolle. Bei dem Verfahren gegen den 33-jährigen Deutschen handelt es sich um den zweiten Prozess vor dem Kölner Landgericht im sogenannten „Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach“.

Seit August steht bereits ein 43-Jähriger vor Gericht, der unter anderem seine 2017 geborene Tochter sexuell missbraucht haben soll. Eine Hausdurchsuchung bei dem Mann im Herbst 2019 brachte die Ermittlungen im Missbrauchskomplex ins Rollen. Die Polizei geht seither Spuren zu Tausenden Verdächtigen im gesamten Bundesgebiet nach. An anderen Gerichten gibt es mehrere weitere Verfahren.

dpa

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