Mit dem Rad zu den Jumbos der Lufthansa in Enschede

hzZu Hause in

In unserer Serie „Zu Hause in...“ stellen wir schöne Ausflugsziele in der Region vor. Heute geht es mit dem Rad zu den Jumbojets am Flughafen Twente im Norden von Enschede.

von Martin Borck

Gronau/Enschede

, 21.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Man muss nicht immer in den Ferne schweifen, um etwas zu erleben oder interessantes zu sehen. Es gibt in der unmittelbaren Umgebung viel zu entdecken. Am besten auf dem Fahrrad – schließlich gelten das Münsterland und die benachbarten Gebiete als Radfahrregion Nummer 1.

Heute ist der Flughafen Twente im Norden von Enschede das Ziel. Er ist leicht zu erreichen und einfach zu finden, zum Beispiel mit Hilfe des Knotenpunkt-(Knooppunt-)Systems, das die Radfahrer auf der niederländischen Seite der Grenze schon seit Jahren ganz einfach zu ihren Zielen führt.

Spannender Mix von Natur, Geschichte und Technik

Ein spannender Mix von Natur, Geschichte und Technik erwartet die Besucher am ehemaligen Militärflugplatz, wo heute Jumbos parken und ausgediente Flugzeuge ausgeschlachtet und zerlegt werden.

Von Knotenpunkt zu Knotenpunkt

Das Netzwerk an Fahrrad-Knotenpunkten erstreckt sich über ganz Holland und mittlerweile auch angrenzende Bereiche. Man folgt den nummerierten Routenschildern (grüne Ziffern in einem grünen Kreis) und radelt einfach von einem Knotenpunkt zum nächsten. Jeder Knotenpunkt hat eine Nummer und vor Ort ein Infoschild mit einer detaillierten Übersichtskarte. Auch die Distanz zum nächsten Knotenpunkt wird dort angegeben. Von jedem Knotenpunkt aus können Sie Ihre Route über unterschiedliche Knotenpunkte fortsetzen. So können Sie die Route ganz nach Ihrem Geschmack und Ihrem Konditionslevel abändern und entsprechend länger oder kürzer gestalten. Das Knotenpunkte-System gibt Ihnen größtmögliche Flexibilität bei der Planung Ihrer Route. hollandfahrradland.de

Start unserer Radtour ist am Knotenpunkt 86 an der Ecke Enscheder Straße/Amtsvennweg in Gronau. Zuerst geht es in Richtung Knotenpunkt 6. Die ersten Kilometer führen über den Grenzübergang Glanerbrug und die Kerkstraat, am Bahnhaltepunkt Glanerbrug vorbei durch das Wohngebiet Glane Beekhoek.

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Kurz danach eröffnet sich ein erster Blick auf die typische Twenter Landschaft mit ihren Wiesen und Höfen. Nördlich des Industriegebiets Euregio erreicht man den Knotenpunkt 6. Knotenpunkt 5 wird anschließend über gut asphaltierte Sträßchen erreicht.

Landgut der Textilbarone van Heek

Rechts ab über ein Pättken kommt man am Landgut Hoge Boekel vorbei. Es wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts von der Familie der Enscheder Textilbarone van Heek angelegt. Sie hatte das Gelände als Jagdgebiet gekauft.

Blick in die ehemaligen Kerosintanks des Militärflughafens.

Blick in die ehemaligen Kerosintanks des Militärflughafens. © Martin Borck

Der Deldener Gartenarchitekt Pieter Wattez durfte einen Teil des 14 Hektar großen Areals gestalten. Der Bau des Herrenhauses wurde 1926 vollendet.

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Weiter geht es in Richtung Knotenpunkt 2 und 1. Auf der Lonneker-/Glanerbruggerstraat aufpassen! Radfahrer sind dort nicht alleine unterwegs. Auf dem Weg passiert man den Spielpark und das Restaurant Hoge Boekel.

Lonneker Mühle wurde 1850/51 erbaut

Kurz nach Knotenpunkt 1 erreichen wir die 1850/51 erbaute Lonneker Mühle, eine Windmühle. Im Schatten der Flügel kann man eine Pause einlegen. Die Mühle ist zu bestimmten Zeiten für Besucher geöffnet. Dann besteht die Möglichkeit, verschiedene Sorten Mehl zu kaufen, die in der Mühle verarbeitet wurden (wegen Corona sind die Öffnungszeiten begrenzt, aktuelle Infos unter lonnekermolen.nl).

Lonneker bietet urigen Gaststätten.

Lonneker bietet urigen Gaststätten. © Martin Borck

Knotenpunkt 27 befindet sich mitten im Dorfkern von Lonneker mit seinen urigen Gaststätten und der Kirche. Wer möchte, kann dort einkehren. Ein Teil der Strecke zu Knotenpunkt 21 führt über einen schmalen Patt an einem Feld entlang. Bitte also auf den Fahrrad-Gegenverkehr achten!

Mit dem Rad auf das Flughafengelände

Am Ende des Pättkens erreichen wir den Oude Deventerweg. Wir fahren dort nach links auf den links am Straßenrand entlangführenden Wiefkerpad. Von dort sind schon die ersten Gebäude des Flughafens Twente zu sehen.

Eine Hallenruine auf dem Flughafen in Enschede.

Eine Hallenruine auf dem Flughafen in Enschede. © Martin Borck

Knotenpunkt 21 befindet sich mitten auf dem weitläufigen Flughafengelände. Hangars, die alte Abfertigungshalle für den Zivilverkehr, die drei Kilometer lange Start- und Landebahn, der Radarturm mit seinem drehenden Schirm sind zu sehen.

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Auch wenn der Airport keine Funktion als Regionalflughafen bekommen hat und das Militär schon vor Jahren abgezogen ist: Einzelne Flugzeuge starten und landen dort immer noch. Kleine Privatmaschinen und Segelflugzeuge zum Beispiel – aber auch dicke Jumbojets.

Lufthansa parkt in Enschede seine Boeing 747 Jumbojets

Derzeit sind einige dieser riesigen Passagiermaschinen dort geparkt. Die Lufthansa, die coronabedingt fast alle Maschinen am Boden hält, hat sie dort abgestellt – für den Airport Twente eine willkommene Einnahmequelle. Die Parkgebühren sind mit bis zu 10.000 Euro pro Monat nämlich erklecklich.

Ein Ziel auf der Radtour ist der Flughafen Twenthe-Enschede.

Ein Ziel auf der Radtour ist der Flughafen Twenthe-Enschede. © Martin Borck

Ganz nah heran an die Maschinen kommen wir zwar nicht; doch es gibt zwei schöne Ausguckpunkte, die beide auf der Fiets erreichbar sind, wenn man in Richtung Knooppunt 80 fährt. Der erste ist der „Airport Fueling Station Zuid“: Die Reste der riesigen Kerosinlagertanks sind noch zu sehen, sie sind zu einem Kunstwerk umgewandelt worden. Von oben hat man einen schönen Blick über die Start- und Landebahn und auf die geparkten Maschinen.

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Wenn man Glück hat, kann man vielleicht sogar die Landung einer für die Firma AELS bestimmten Maschine verfolgen. Während die Lufthansa-Maschinen irgendwann Enschede wieder verlassen werden, ist den für AELS bestimmten Flugzeugen ein anderes Schicksal beschieden: Sie werden ausgeschlachtet und die Einzelteile verkauft.

Mit dem Rad auf den „Spottershill“

Einen guten Blick hat man auch vom „Spottershill“, dem Beobachtungshügel ein paar hundert Meter hinter dem Kerosinlager. Wer genau hinschaut, kann die Instrumente der Wetterstation entdecken, deren Daten in die Wettervorhersagen des Königlich meteorologischen Instituts (KNMI) einfließen.

Die Lonneker Mühle wurde 1850/51 erbaut.

Die Lonneker Mühle wurde 1850/51 erbaut. © Martin Borck

Achtung! Wir verlassen nun für ein kurzes Stück die Knotenpunktroute: Wir rollen vom Spottershill in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Am Fuße des Hügels geht es geradeaus zu einem seltsam aussehenden Bauwerk: einer Hallenkonstruktion ohne Dach. Stellt man sich unter die dort angebrachten Lautsprecher, kann man unterschiedliche Geräusche – vom Vogelzwitschern bis zum Flugzeugmotorenlärm – hören.

Ehemals Start- und Landebahn für F16 Militärjets

Auf der rechten Seite hinter diesem Zwischenstopp befindet sich ein Terrain, das normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist. Dort stehen einige Hangars, aber auch früher militärisch genutzte Gebäude und die alte Feuerwehr. Bis 2007 waren dort noch F16 der niederländischen Luftwaffe untergebracht.

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Wir lassen das Tor und den Zaun rechts von uns liegen und fahren geradeaus. Am Ende des Wegs befindet sich die sogenannte Schießbahn. Dort wurden früher die Geschütze der Jagdflugzeuge geeicht. Die Geschosse wurden in einen großen Sandbehälter geballert.

Schießbahn für Geschütze der Jagdflugzeuge

Kurz vor der Schießbahn geht ein Weg rechts ab Richtung Süden. Dem folgen wir bis zum Eingangsbereich des Flughafengeländes am Oude Deventerweg. Von dort geht es zurück nach Lonneker (Knooppunt 27).

Einen schönen Pausentee kann man im Teehuis Sprakel in‘t Bos am Knotenpunkt 23 zu sich nehmen. Nächster Orientierungspunkt ist die 28. Der Weg bis zum Knooppunt 5 führt entlang schmucker Wohnhäuser an der Stokhorstlaan.

Nun kann man wieder über die Nummer 6 zurück über die Grenze zum Ausgangspunkt 86 fahren; wenn man noch Lust und Zeit hat (und je nachdem, wo sein Zuhause ist), bieten sich auch der Umweg über die Knotenpunkte 7 (auf dem Weg dorthin kommt man am Bahnhaltepunkt De Eschmarke vorbei) 8, 9 und 89 an.

Letzterer befindet sich am Amtsvennweg in der Höhe der Gaststätte Gleis.

Eine andere Möglichkeit: Nach den Punkten 8 und 9 in Richtung 10 fahren und von dort zum Punkt 91, der südlich der B 54 im Sunderhook liegt. Knooppunt 90 befindet sich bereits im Kottigerhook.

Der Flughafen in Enschede

  • Seine Existenz verdankt der Flughafen den Enscheder Textilbaronen, die in dem landschaftlich schön gelegenen Gebiet an der Grenze von Lonneker mit Oldenzaal Wohngebäude besaßen. Sie wünschten sich eine bessere und schnellere Verkehrsanbindung mit dem Rest des Landes.
  • Ende der 1920er-Jahre starteten und landeten die ersten Maschinen. Offiziell eröffnet wurde der Flughafen im August 1931. Von 1932 bis 1939 flog täglich eine Linienmaschine der KLM von und nach Schiphol.
  • Im Juni 1932 machte das Luftschiff Graf Zeppelin Station – was Tausende Schaulustige anzog.
  • 1940 wurde der Flughafen von den deutschen Besatzern übernommen. Er wurde von den Alliierten mehrfach bombardiert.
  • Nach dem Krieg übernahmen die niederländischen Luftstreitkräfte den Flughafen „Twenthe“. Ende 2007 wurde die militärische Nutzung beendet.
  • Schon während der Militärzeit starteten und landeten vereinzelt zivile Maschinen in Enschede. Die Pläne, einen Regionalflughafen wie Münster/Osnabrück zu errichten, scheiterten 2014.
  • Ein großer Teil des Geländes ist öffentlich zugänglich und ist Teil des niederländischen Naturnetzwerks. Im nördlichen Teil sind in Hangars und anderen Gebäuden mittlerweile viele Betriebe untergebracht (Technology Base).
  • Zum Beispiel Entwickler von Drohnen, die dort genügend Raum haben, um ihre Produkte zu testen. Die Feuerwehr nutzt Flächen und Gebäude als Trainingszentrum auf dem Twente Safety Campus.
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