Mit List gegen die Mullahs

DORTMUND Tugendtanten unterm Kopftuch. Kinder, die ins Minenfeld laufen und zu Märtyrern verklärt werden. Verhaftung und Erschießung Oppositioneller. Alles Themen aus dem Trickfilm "Persepolis".

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 23.11.2007, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Marji, die freche kleine Heldin aus "Persepolis".

Marji, die freche kleine Heldin aus "Persepolis".

Der Strich von Marjane Satrapis Zeichnungen wirkt naiv. Doch was  "Persepolis" auf die Kino-Leinwand bringt, ist bittere Realität. Teheran unter der Diktatur der Frommen.

 Marjane Satrapi hat den Iran verlassen, lebt heute in Frankreich. Für ihre "Persepolis"-Bücher hat sie sich Art Spiegelmans Holocaust-Comic "Maus" zum Vorbild genommen. Schwarzweiß mit starken Kontrasten und Schatten.

   Nicht nur ästhetisch ist ihr Film sehr ansprechend. Eindringlich, ja rührend, verdichtet Satrapi Alltag, Moral und Politik zu symbolistischen Schlaglichtern. "Persepolis" schillert zwischen Familienchronik, Ich-Erforschung, Gesellschaftsskizze. Aber kein schwerblütiges Pamphlet: In ihrer Abrechnung mit den Mullahs wird listiger Galgenhumor zu Satrapis bester Waffe. Iranisches "Aktzeichnen": ein Frauenmodell im Ganzkörpersack. Schwarzmarkt für West-Musik: "Pink Floyd?", raunt der eine, "Iron Maiden?" der nächste Kerl. - Scharfsinnig beobachtet, auch das Leben im Westen. Klug und charmant, witzig und großartig.