Mord- und Terroranschläge vom IS geplant - Ziel Europa als „Ort des Bösen“

Terrorismus

Anleitungen für den Bombenbau hatten sie sich besorgt, Opfer wurden observiert, die Ermordung eines Islamkritikers waren bereits geplant. Jetzt stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.

NRW

22.09.2020, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der erste mutmaßliche Terrorist muss sich nun vor Gericht verantworten.

Der erste mutmaßliche Terrorist muss sich nun vor Gericht verantworten. © picture alliance/dpa

Sie interessierten sich in Flugschulen für das Gleitschirm- und Drachenfliegen, aber auch für Drohnen. Sie besorgten sich Anleitungen zum Bombenbau, auf denen „Liquidation von Ungläubigen“ als Zweck vermerkt war. In Nordrhein-Westfalen lebende Tadschiken haben laut Bundesanwaltschaft als IS-Terroristen Mord- und Terroranschläge in Deutschland und Albanien geplant.

Seit Dienstag muss sich der erste der mutmaßlichen Terroristen, ein 30-Jähriger aus Wuppertal, in Düsseldorf vor Gericht verantworten. Er schwieg beim Prozessauftakt zu den Tatvorwürfen der Bundesanwaltschaft. Der 30-Jährige soll mit seinen Landsleuten Mord- und Terroranschläge in Deutschland und Albanien geplant haben. Außerdem wird ihm Terrorfinanzierung vorgeworfen.

Einer der Kader bereits mitverantwortlich für den Anschlag in Stockholm

Über den Messengerdienst Telegram hätten IS-Führungskader das Vorhaben der Männer, nach Syrien zu reisen, abgelehnt und sie aufgefordert, Europa als „Ort des Bösen“ zu bekämpfen. Sie sollten „Allah ihre Seelen für ein Leben im Paradies verkaufen“. Einer der Kader sei auch Drahtzieher des Terroranschlags in Stockholm im April 2017 gewesen, bei dem ein IS-Anhänger mit einem gekaperten Lastwagen in eine Menschenmenge und ein Kaufhaus raste. Fünf Menschen starben.

Sieben Anleitungen zur Sprengstoff-Herstellung habe sich der Angeklagte beschafft, so die Bundesanwaltschaft. Zunächst seien die Beschuldigten für einen Auftragsmord nach Albanien gereist, um dort einen Geschäftsmann zu erschießen. Das sollte umgerechnet 35 000 Euro in die Kassen des IS spülen. Doch im letzten Moment hätten sie den Anschlag abgebrochen, weil sie sich nicht sicher gewesen seien, das richtige Opfer observiert zu haben.

Ermordung eines Islamkritikers sollte „ein Exempel statuieren“

Zurück in Deutschland hätten sie dann einen Islamkritiker aus Neuss ins Visier genommen. Dessen Auftritt im Youtube-Kanal „Ex-Muslime klären auf“ war ihnen laut Anklage ein Dorn im Auge. Auch die IS-Führung habe befohlen, „den unreinen Bastard“ zu töten. Es müsse „ein Exempel statuiert“ werden. Nach geglückter Ermordung solle seine Leiche gefilmt und im Internet zur Schau gestellt werden - wenn die Bildqualität ausreiche.

Doch der Islamkritiker Amir A., ein zum Christentum konvertierter Ex-Muslim, tauchte im vergangenen April quicklebendig auf der Internet-Videoplattform auf und berichtete, dass ein weiterer Mordanschlag auf ihn gescheitert sei. „Diese Geisteskranken hatten sich sogar schon Waffen besorgt“, berichtete er. Das Mordkommando sei an einer Tankstelle dicht hinter ihm gewesen. „Um Haaresbreite hätten sie es geschafft.“

Verhandlungen sind zunächst bis Mai 2021 angesetzt

Ravsan B., der seit Dienstag vor Gericht steht, saß zu diesem Zeitpunkt allerdings schon in Untersuchungshaft. Er war von einem SEK nachts in seiner Wohnung festgenommen worden. Die Ermittler hätten mitbekommen, dass er die Mordwaffe mit Schalldämpfer für den Anschlag übergeben wollte, so die Bundesanwaltschaft. Zuvor habe er allerdings noch rund 1000 Euro an den IS überwiesen.

Der zuständige Strafsenat unter Vorsitz von Richter Jan van Lessen hat bis Mai 2021 zunächst 40 Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Den anderen mutmaßlichen IS-Terroristen soll in einem gesonderten Verfahren der Prozess gemacht werden.

dpa

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