Mordversuch auf der B67: Bocholter muss sieben Jahre in Haft

hzUnfall auf der B67

Der 48-jährige Bocholter, der im April auf der B67 zwei Unfälle verursacht hatte, muss wegen dreifachen Mordversuchs für sieben Jahre ins Gefängnis. Auch ein Ahauser war vom Unfall betroffen.

von Ludwig van der Linde und Sebastian Renzel

Bocholt

, 13.12.2019, 09:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für sieben Jahre in Haft muss der 48-jährige Bocholter, der Ende April auf der B67 zwei Unfälle verursacht hatte. Die Große Strafkammer des Landgerichts Münster sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in selbstmörderischer Absicht in den Gegenverkehr gefahren war und dabei den Tod anderer Verkehrsteilnehmer billigend in Kauf genommen hatte.

Jetzt lesen

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gefordert, der Verteidiger plädierte wegen Schuldunfähigkeit seines Mandanten auf Freispruch. Der Angeklagte selbst erklärte am Donnerstag noch einmal vor Gericht, dass er nie die Absicht gehabt habe, sich oder andere zu töten.

Der Bocholter hatte am 29. April gegen 19 Uhr auf der Bundesstraße in Höhe der Ausfahrt Biemenhorst zunächst im Gegenverkehr mit rund 125 Stundenkilometern den Renault eines 64-jährigen Ahausers gerammt und anschließend den VW eines Ehepaares aus Niederkassel bei Bonn. Nach dem zweiten Unfall überschlug sich sein Wagen und er wurde schwer verletzt.

„Wütend und frustriert“ nach Hause gegangen und getrunken

„Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte den Entschluss zum Selbstmord relativ spontan gefasst hat“, sagte die Vorsitzende Richterin in der fast einstündigen Urteilsbegründung. Mit den Gedanken sei der Bocholter aber wohl schon den ganzen Tag „schwanger gegangen“. Nachdem er morgens vom Jugendamt erfahren hatte, dass er den Umgang seines Sohnes mit dem neuen Lebensgefährten seiner Frau nicht verhindern könne, sei der 48-Jährige „wütend und frustriert“ nach Hause gegangen und habe sich betrunken.

Anschließend habe er seiner von ihm getrennt lebenden Frau zahlreiche Text- und Sprachnachrichten geschickt, unter anderem mit den Worten: „Ich will nur noch sterben. Ohne dich macht alles keinen Sinn.“

Seine Frau wollte ihn verlassen

Diese Nachrichten seien ebenso ein Beweis für den Selbstmordversuch wie die Aussagen des Bocholters nach dem Unfall gegenüber der Polizei und am nächsten Tag gegenüber einem Psychiater. Dem habe der Angeklagte auch die schwierige Lebenssituation geschildert, in der er sich zum damaligen Zeitpunkt befand. Seine Frau wollte ihn verlassen.

Außerdem drohte ihm der Verlust des Arbeitsplatzes, der die finanziellen Sorgen noch verstärkte. Die Vorsitzende Richterin sprach von einer „größtenteils unverschuldeten Lebenskrise“, in der sich der Angeklagte befand.

Vermindert steuerungsfähig

Der Bocholter sei durch den Alkohol- und Canabiskonsum zwar erheblich vermindert steuerungsfähig gewesen, aber nicht vollständig. Das hätten auch die Unfallhergänge belegt. Aus Sicht der Kammer waren zwei Mordmerkmale erfüllt: das der „Heimtücke“ (die Opfer waren arg- und wehrlos) sowie das der „gemeingefährlichen Mittel“ (bei dem Unfall hätten auch noch viele andere Verkehrsteilnehmer verletzt oder getötet werden können).

Zusätzlich Einweisung in Entziehungsanstalt

Nach gut einem Drittel der Haftstrafe muss der Bocholter im Rahmen des Maßregelvollzugs in eine Entziehungsanstalt. Außerdem entzog ihm das Gericht den Führerschein für fünf Jahre. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der 48-Jährige kann beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe Revision beantragen.

Lesen Sie jetzt